Private Rentenversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen: Was kostet Sie am Ende weniger Geld?
Das Gefühl, in einem unrentablen Versicherungsvertrag gefangen zu sein, ist weit verbreitet, doch eine Kündigung ist oft die teuerste Reaktion.
- Die anfänglichen Verluste sind durch hohe, vorab verrechnete Abschlusskosten (Zillmerung) systembedingt und kein Zeichen für eine schlechte Anlageperformance.
- Wertvolle Altverträge enthalten oft einen hohen garantierten Rentenfaktor, dessen Verlust durch eine Kündigung den finanziellen Schaden maximiert.
Empfehlung: Analysieren Sie vor jeder Entscheidung die genauen Kostenmechanismen Ihres Vertrags. Erst die Quantifizierung von Abschlusskosten, laufenden Gebühren und dem Wert des Rentenfaktors erlaubt eine mathematisch fundierte Entscheidung zwischen Kündigung, Beitragsfreistellung, Verkauf oder einer Hybrid-Strategie.
Es ist ein frustrierender Moment, den viele Versicherungskunden kennen: Man blickt auf den Jahresauszug der privaten Rentenversicherung und stellt fest, dass der Rückkaufswert niedriger ist als die Summe der eingezahlten Beiträge. Der erste Impuls ist oft der Wunsch, den Vertrag sofort zu kündigen, um weitere Verluste zu stoppen. Finanzberater und Verbraucherschützer raten fast immer von diesem Schritt ab und verweisen auf Alternativen wie die Beitragsfreistellung oder den Verkauf der Police. Doch dieser pauschale Rat hilft selten weiter, denn er ignoriert die wichtigste Frage: Welche Option lässt Ihnen am Ende *netto* mehr Geld übrig?
Die Wahrheit ist, dass die Entscheidung keine emotionale, sondern eine rein mathematische sein muss. Sie basiert nicht auf dem Gefühl, „schlechtes Geld gutem hinterherzuwerfen“, sondern auf einer kühlen Analyse der Kostenstruktur Ihres Vertrags. Hohe Kosten sind der Hauptgrund für die Unzufriedenheit, aber sie sind oft komplex und in den Vertragsbedingungen versteckt. Dahinter stecken Mechanismen wie die sogenannte Zillmerung, laufende Verwaltungskosten und oft unbemerkte Provisionen auf Beitragsdynamiken. Nur wer diese Kostenfresser identifiziert und quantifiziert, kann eine wirklich rationale Entscheidung treffen.
Dieser Artikel verfolgt daher einen anderen Ansatz. Statt pauschaler Empfehlungen liefern wir Ihnen eine analytische Blaupause. Wir zerlegen die typischen Kostenmechanismen einer Rentenversicherung und zeigen Ihnen, wie Sie die finanziellen Konsequenzen jeder Handlungsoption – Kündigung, Beitragsfreistellung, Verkauf und Widerruf – konkret berechnen. Denn nur wenn Sie die Zahlen kennen, können Sie die Kontrolle zurückgewinnen und die Strategie wählen, die Ihr Vermögen schont, anstatt es weiter zu schmälern. Es geht darum, eine informierte, kostensensible Entscheidung für Ihre finanzielle Zukunft zu treffen.
Um Ihnen eine klare Struktur für diese wichtige Analyse zu bieten, haben wir die entscheidenden Faktoren in übersichtliche Abschnitte gegliedert. Der folgende Überblick führt Sie schrittweise durch die kritischen Fragen, die Sie sich stellen müssen, um die profitabelste Lösung für Ihren individuellen Vertrag zu finden.
Inhaltsverzeichnis: Die Kostenfresser Ihrer Police analysieren und die beste Strategie finden
- Warum bekommen Sie in den ersten 5 Jahren oft weniger raus, als Sie eingezahlt haben?
- Wie verkaufen Sie Ihre Police für mehr Geld, als der Versicherer Ihnen beim Rückkauf bietet?
- Provisionsberatung oder Honorartarif: Wo bleibt mehr Rente für Sie übrig?
- Der Verlust des Rentenfaktors: Warum Sie bei alten Verträgen mit hohem Rentenfaktor zögern sollten
- Wie stoppen Sie die automatische Erhöhung, um Provisionskosten zu sparen?
- Wann ist der Widerruf („Ewiger Widerrufsjoker“) besser als die Kündigung?
- Warum wirken sich Ihre hohen Krankenkassenbeiträge oft nicht mehr steuermindernd aus?
- Fondspolice oder ETF-Sparplan: Wann lohnt sich der Steuermantel trotz hoher Abschlusskosten?
Warum bekommen Sie in den ersten 5 Jahren oft weniger raus, als Sie eingezahlt haben?
Der Hauptgrund für die anfängliche Wertlücke in Ihrem Vertrag ist ein Kostenmechanismus namens „Zillmerung“. Anstatt die Abschluss- und Provisionskosten gleichmäßig über die gesamte Vertragslaufzeit zu verteilen, werden sie gebündelt und mit den Beiträgen der ersten fünf Jahre verrechnet. Das bedeutet, dass ein erheblicher Teil Ihrer ersten Einzahlungen nicht in den Spartopf fließt, sondern direkt zur Deckung dieser initialen Kosten verwendet wird. Dieser Mechanismus ist in Deutschland gesetzlich geregelt und legitim, führt aber zu der oft schockierenden Erkenntnis, dass das Vertragsguthaben jahrelang unter den Einzahlungen verharrt.
Konkret darf die Summe der verrechneten Abschlusskosten laut der deutschen Deckungsrückstellungsverordnung nicht höher sein als maximal 2,5 % der Beitragssumme des gesamten Vertrags. Bei einem Vertrag mit 100 € Monatsbeitrag und 30 Jahren Laufzeit beträgt die Beitragssumme 36.000 €. Die maximalen Abschlusskosten belaufen sich also auf 900 €. Diese 900 € werden in den ersten 60 Monaten von Ihren Beiträgen „abgezogen“, was einer monatlichen Belastung von 15 € entspricht – zusätzlich zu den laufenden Verwaltungs- und Risikokosten. Erst wenn dieser Kostensockel abgetragen ist, beginnt Ihr Geld, nennenswert für Sie zu arbeiten.

Diese Kostenstruktur macht eine Kündigung in den ersten Jahren besonders verlustreich. Sie realisieren damit den vollen Abschlag der Kosten, ohne die Chance zu haben, diesen durch spätere Zins- und Überschussanteile wieder auszugleichen. Das Verständnis der Zillmerung ist der erste und wichtigste Schritt, um die Wertentwicklung Ihrer Police realistisch einschätzen zu können.
Ihr Plan zur Kostenanalyse der Zillmerung
- Vertragsunterlagen prüfen: Suchen Sie in Ihrem Versicherungsschein oder den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) nach dem ausgewiesenen Zillmersatz, um die genaue Höhe der Abschlusskosten zu identifizieren.
- Gesamtbeiträge berechnen: Multiplizieren Sie Ihren monatlichen Beitrag mit der Gesamtlaufzeit in Monaten, um die gesamte Beitragssumme zu ermitteln, auf die sich die Kosten beziehen.
- Abschlusskosten quantifizieren: Wenden Sie den gefundenen Prozentsatz auf die Gesamtbeitragssumme an, um die absoluten Abschlusskosten in Euro zu erhalten.
- Monatliche Belastung ermitteln: Teilen Sie die gesamten Abschlusskosten durch die ersten 60 Monate (5 Jahre), um zu sehen, welcher Betrag Ihrer monatlichen Rate allein für die Tilgung der Provisionen verwendet wird.
- Ist-Zustand vergleichen: Stellen Sie Ihren aktuellen Rückkaufswert den bisher eingezahlten Beiträgen gegenüber, um den bisherigen realen Verlust zu beziffern.
Wie verkaufen Sie Ihre Police für mehr Geld, als der Versicherer Ihnen beim Rückkauf bietet?
Wenn eine Kündigung aufgrund hoher Verluste ausscheidet, aber das Halten des Vertrags ebenfalls keine Option ist, bietet der Verkauf der Police am Zweitmarkt eine interessante Alternative. Spezialisierte Unternehmen kaufen gebrauchte Lebens- und Rentenversicherungen auf, um sie selbst bis zum Ende weiterzuführen. Der Vorteil für Sie: Diese Anbieter zahlen in der Regel mehr als den reinen Rückkaufswert, den Ihnen Ihre Versicherung anbieten würde. Der Aufschlag kann je nach Vertrag, Restlaufzeit und Anbieter zwischen 3 % und 15 % liegen.
Der Grund für diesen Aufpreis ist die unterschiedliche Bewertung. Während die Versicherung bei einer Kündigung nur den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestwert auszahlt, bewertet der Zweitmarktkäufer das zukünftige Potenzial des Vertrags, einschließlich der Schlussüberschussanteile. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2024 zeigte jedoch, dass der Markt überschaubar ist. Von acht angefragten Firmen gaben nur vier konkrete Kaufangebote ab. Dennoch wurden laut Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) im Jahr 2020 Policen im Wert von 290 Millionen Euro gehandelt – ein kleiner, aber relevanter Teilmarkt.
Ein weiterer, oft übersehener Vorteil des Verkaufs ist der mögliche Erhalt des Todesfallschutzes. Viele Aufkäufer bieten an, den Todesfallschutz beitragsfrei weiterzuführen. Ihre Hinterbliebenen erhalten im Todesfall dann die Differenz zwischen der Versicherungssumme und dem bereits an Sie ausgezahlten Kaufpreis. Bei einer Kündigung erlischt dieser Schutz hingegen vollständig.
Die folgende Tabelle fasst die zentralen Unterschiede zwischen Kündigung und Verkauf zusammen und dient als Entscheidungshilfe:
| Kriterium | Kündigung | Verkauf am Zweitmarkt |
|---|---|---|
| Auszahlungsbetrag | Rückkaufswert | Rückkaufswert + 3-15% Aufschlag |
| Zeitpunkt | Nur zur Hauptfälligkeit | Jederzeit möglich |
| Todesfallschutz | Erlischt komplett | Kann beitragsfrei erhalten bleiben |
| Steuerliche Behandlung (Altverträge vor 2005) | Kapitalertragsteuer möglich | Oft steuerfrei |
| Bearbeitungszeit | 3-6 Wochen | 3-5 Wochen |
Provisionsberatung oder Honorartarif: Wo bleibt mehr Rente für Sie übrig?
Ein entscheidender Faktor für die Rentabilität Ihrer Police sind die Kosten, die durch das Vertriebsmodell entstehen. Die meisten klassischen Rentenversicherungen werden über Provisionsberater verkauft. Das bedeutet, die Kosten für die Beratung sind in die Produktkosten eingepreist und werden über die Laufzeit, insbesondere durch die Zillmerung, von Ihren Beiträgen abgezogen. Dies führt zu einem permanenten Renditeverlust. Im Gegensatz dazu stehen Nettopolicen oder Honorartarife. Hier bezahlen Sie den Berater direkt für seine Dienstleistung, und der Vertrag selbst ist frei von Abschluss- und Vertriebsprovisionen.
Die Auswirkungen sind erheblich. Eine Analyse der Rating-Agentur Assekurata für das Jahr 2024 hat ergeben, dass bei neuen Klassik-Produkten die Kosten die Rendite im Schnitt um 1,09 Prozentpunkte pro Jahr schmälern. Während die Versicherer eine laufende Verzinsung von 2,58 % erwirtschafteten, kamen nach Kosten nur noch rund 1,49 % beim Kunden an. Bei älteren Verträgen war dieser sogenannte „Kostenspread“ mit 0,91 Prozentpunkten etwas geringer, aber immer noch substanziell. Diese laufende Belastung ist einer der Hauptgründe, warum viele Verträge selbst in guten Kapitalmarktphasen kaum vom Fleck kommen.
Ein Honorartarif wirkt hier wie ein Befreiungsschlag. Zwar fällt zu Beginn eine einmalige Beratungsgebühr an, doch dafür arbeiten 100 % Ihrer Sparbeiträge von Anfang an für Sie (abzüglich der reinen Verwaltungskosten des Versicherers). Über eine Laufzeit von 20, 30 oder mehr Jahren kann dieser Unterschied einen fünfstelligen Betrag bei der Endsumme ausmachen. Der Wechsel aus einem teuren Provisionsvertrag in einen kostengünstigen ETF-Sparplan oder eine Nettopolice kann daher selbst dann sinnvoll sein, wenn Sie bei der Kündigung des Altvertrags einen Verlust realisieren. Es ist eine Rechnung auf die Zukunft: Ein kleiner, einmaliger Schmerz (Verlustrealisierung) verhindert einen großen, chronischen Schmerz (dauerhaft hohe Kosten).
Der Verlust des Rentenfaktors: Warum Sie bei alten Verträgen mit hohem Rentenfaktor zögern sollten
Während die Kosten ein starkes Argument für die Kündigung sein können, gibt es in vielen Altverträgen einen verborgenen Schatz, dessen Verlust Sie teuer zu stehen kommen kann: der garantierte Rentenfaktor. Dieser Faktor legt fest, wie viel monatliche Rente Sie pro 10.000 € Kapital bei Rentenbeginn garantiert erhalten – ein Leben lang. Verträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden, enthalten oft einen sehr hohen garantierten Rentenfaktor, da die Lebenserwartung damals niedriger kalkuliert wurde. Eine Kündigung bedeutet den endgültigen Verlust dieser wertvollen Garantie.
Zusätzlich zu einem hohen Rentenfaktor profitieren Altverträge oft von einem höheren Garantiezins. Laut Verbraucherzentrale waren bei Verträgen, die bis Juni 2000 abgeschlossen wurden, bis zu 4 % garantierte Zinsen pro Jahr üblich. Heutige Verträge bieten oft nur noch einen Garantiezins von 0,25 % oder gar keinen mehr. Einen solchen Vertrag zu kündigen, wäre gleichbedeutend damit, eine sichere und hochverzinste Anlage aufzugeben. Selbst wenn die Kosten hoch sind, kann der Wert der Garantien diesen Nachteil überwiegen.
Was also tun, wenn der Vertrag teuer ist, aber wertvolle Garantien enthält? Die Lösung ist oft eine Hybrid-Strategie: Sie kündigen nicht, sondern stellen den Vertrag beitragsfrei oder reduzieren den Beitrag auf das Minimum. Dadurch sichern Sie sich den hohen Rentenfaktor und die Garantieverzinsung auf das bisher angesparte Kapital. Das freiwerdende Geld, das Sie sonst monatlich eingezahlt hätten, investieren Sie stattdessen in einen kostengünstigen, renditestarken ETF-Sparplan. So kombinieren Sie das Beste aus beiden Welten: die Sicherheit und die wertvollen Garantien des Altvertrags mit den Renditechancen und der Flexibilität eines modernen Investments.
Checkliste: Ihre Hybrid-Strategie für wertvolle Altverträge
- Rentenfaktor prüfen: Suchen Sie in Ihren Vertragsunterlagen den garantierten Rentenfaktor. Werte über 30 (d.h. 30 € Rente pro 10.000 € Kapital) gelten heute als hoch.
- Beitragsreduktion anfragen: Stellen Sie den Vertrag vollständig beitragsfrei oder lassen Sie sich von der Versicherung den möglichen Mindestbeitrag nennen.
- Freiwerdendes Kapital berechnen: Ermitteln Sie die Differenz zwischen Ihrem bisherigen Monatsbeitrag und dem neuen (ggf. null). Dies ist Ihr neues monatliches Investitionsbudget.
- ETF-Sparplan einrichten: Eröffnen Sie bei einer Direktbank oder einem Neobroker einen Sparplan auf einen breit gestreuten, kostengünstigen Welt-ETF (z.B. MSCI World).
- Strategie umsetzen: Leiten Sie das freiwerdende Kapital konsequent in den neuen Sparplan um und bewahren Sie den Altvertrag als sicheren Rentenbaustein.
Wie stoppen Sie die automatische Erhöhung, um Provisionskosten zu sparen?
Viele Rentenversicherungsverträge enthalten eine sogenannte Beitragsdynamik. Diese Klausel sorgt dafür, dass sich Ihr monatlicher Beitrag jährlich um einen festen Prozentsatz (z.B. 5 %) erhöht, um die Inflation auszugleichen und die spätere Rente zu steigern. Was auf den ersten Blick sinnvoll klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen oft als teure Kostenfalle. Denn auf jede dieser Erhöhungen fallen erneut Abschluss- und Vertriebskosten an, als würden Sie einen kleinen, neuen Vertrag abschließen.
Vor der Reform durch das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) im Jahr 2015 konnten bis zu 40 Promille (4 %) Abschlusskosten auf die erhöhte Beitragssumme anfallen. Auch wenn die Sätze heute oft niedriger sind, schmälert jede Dynamik Ihre Nettorendite, da ein Teil des Mehrbeitrags direkt wieder als Provision abfließt. Sie zahlen also nicht nur mehr ein, sondern auch überproportional mehr Gebühren. Dieser Mechanismus ist ein Paradebeispiel für versteckte Kosten, die die Rentabilität Ihres Vertrags über die Jahre systematisch untergraben.

Die gute Nachricht ist: Sie sind dieser Automatik nicht hilflos ausgeliefert. Sie haben bei jeder anstehenden Erhöhung das Recht, dieser zu widersprechen. Der Vertrag läuft dann einfach mit dem bisherigen Beitrag weiter. Wenn Sie zweimal hintereinander widersprechen, erlischt das Dynamikrecht bei den meisten Anbietern für die Zukunft. Das Geld, das Sie durch den Verzicht auf die Dynamik sparen, können Sie stattdessen – ganz im Sinne der Hybrid-Strategie – in einen kostengünstigen ETF-Sparplan investieren. So sorgen Sie selbst für den Inflationsausgleich, aber ohne die zusätzlichen Provisionskosten.
Anleitung: Der Dynamik-Erhöhung widersprechen und Kosten sparen
- Jährliche Mitteilung prüfen: Achten Sie auf das jährliche Schreiben Ihrer Versicherung, das die Dynamik-Erhöhung ankündigt. Dieses kommt meist im Herbst.
- Widerspruchsfrist notieren: Die Frist für den Widerspruch beträgt in der Regel sechs Wochen nach Erhalt des Schreibens. Markieren Sie sich dieses Datum im Kalender.
- Widerspruchsschreiben verfassen: Ein kurzes, formloses Schreiben genügt. Nennen Sie Ihren Namen, Ihre Adresse und die Versicherungsnummer und formulieren Sie klar: „Hiermit widerspreche ich der Beitragserhöhung zum [Datum].“
- Sicher versenden: Senden Sie den Widerspruch per Einschreiben mit Rückschein an die Versicherung, um einen Nachweis zu haben.
- Ersparnis alternativ anlegen: Richten Sie einen Dauerauftrag in Höhe der eingesparten Beitragserhöhung auf Ihr Depotkonto ein und investieren Sie das Geld in Ihren ETF-Sparplan.
Wann ist der Widerruf („Ewiger Widerrufsjoker“) besser als die Kündigung?
Für eine bestimmte Gruppe von Verträgen gibt es eine Option, die finanziell weitaus attraktiver ist als Kündigung, Verkauf oder Beitragsfreistellung: der Widerruf. Dies ist möglich, wenn die Widerrufsbelehrung in Ihrem Vertrag fehlerhaft war. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in mehreren Urteilen entschieden, dass bei Lebens- und Rentenversicherungsverträgen, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, die Widerrufsfrist bei einer fehlerhaften Belehrung nie zu laufen begonnen hat. Dies ermöglicht Ihnen ein „ewiges Widerrufsrecht“.
Der finanzielle Unterschied zur Kündigung ist gewaltig. Bei einer Kündigung erhalten Sie nur den meist niedrigen Rückkaufswert, von dem alle Abschluss- und Verwaltungskosten bereits abgezogen wurden. Bei einem erfolgreichen Widerruf hingegen muss die Versicherung den Vertrag so rückabwickeln, als hätte er nie bestanden. Das bedeutet: Sie erhalten alle eingezahlten Beiträge zurück. Zusätzlich muss die Versicherung Ihnen die Zinsen (sogenannten Nutzungsersatz) auszahlen, die sie mit Ihrem Geld erwirtschaftet hat. Lediglich ein kleiner Abzug für den genossenen Risikoschutz (z.B. Todesfallschutz) ist erlaubt. In der Praxis liegt die Auszahlungssumme bei einem Widerruf oft um Tausende von Euro höher als der Rückkaufswert.
Ob Ihr Vertrag für einen Widerruf infrage kommt, hängt von der genauen Formulierung Ihrer Widerrufsbelehrung ab. Fehler können zum Beispiel fehlende oder unklare Angaben zum Fristbeginn oder zur Form des Widerrufs sein. Eine Prüfung durch einen spezialisierten Anwalt oder eine Verbraucherzentrale ist hier unerlässlich, da die Materie komplex ist. Die Kosten für eine solche Prüfung sind jedoch oft gut investiertes Geld, gemessen am potenziellen Mehrerlös.
Die folgende Gegenüberstellung verdeutlicht den massiven finanziellen Vorteil des Widerrufs gegenüber der Kündigung:
| Abrechnungsmethode | Kündigung | Widerruf |
|---|---|---|
| Ausgezahlter Betrag | Rückkaufswert | Alle Beiträge |
| Zinsen | Nur auf Sparanteil | Nutzungsersatz auf alle Beiträge |
| Abzüge | Abschluss- und Verwaltungskosten | Nur Risikokosten |
| Betroffene Verträge | Alle kündbaren Verträge | Hauptsächlich 1994-2007 |
| Rechtliche Prüfung nötig | Nein | Ja (Widerrufsbelehrung) |
Warum wirken sich Ihre hohen Krankenkassenbeiträge oft nicht mehr steuermindernd aus?
Ein Argument, das früher oft für den Abschluss einer privaten Rentenversicherung (der sogenannten „Schicht 3“-Vorsorge) sprach, war die steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge als Vorsorgeaufwendungen. Für viele Versicherte ist dieser Vorteil jedoch in den letzten Jahren unbemerkt weggefallen. Der Grund liegt im Höchstbetrag für sonstige Vorsorgeaufwendungen, der für Arbeitnehmer und Beamte bei 1.900 Euro und für Selbstständige bei 2.800 Euro pro Jahr liegt. Das Problem: Die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung werden vorrangig auf diesen Höchstbetrag angerechnet.
Da die Krankenkassenbeiträge in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind, schöpfen sie bei den meisten Steuerzahlern diesen Freibetrag bereits vollständig oder sogar mehr als aus. Die Folge: Für weitere Vorsorgeaufwendungen wie Beiträge zur privaten Renten-, Unfall- oder Haftpflichtversicherung bleibt kein steuerlicher Spielraum mehr. Sie können die Beiträge zu Ihrer Rentenversicherung zwar in der Steuererklärung angeben, sie wirken sich aber nicht mehr steuermindernd aus. Der vermeintliche Steuervorteil ist de facto verdampft.
Dieser Umstand ist ein wichtiger Faktor bei Ihrer Entscheidung. Wenn die steuerliche Förderung als eines der Hauptargumente für den Abschluss des Vertrags galt und dieser Vorteil nun nicht mehr existiert, verliert die Police erheblich an Attraktivität. Die Rendite muss nun „netto“ – also ohne jeglichen Steuervorteil in der Ansparphase – mit der einer alternativen Anlage wie einem ETF-Sparplan konkurrieren. Angesichts der hohen internen Kosten vieler Versicherungspolicen fällt dieser Vergleich dann oft negativ für die Versicherung aus. Für Selbstständige, die zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung wählen können, oder durch die Nutzung von Rürup-Verträgen, ergeben sich hier mitunter noch Gestaltungsspielräume, für die Mehrheit der Angestellten ist der Topf jedoch voll.
Das Wichtigste in Kürze
- Die anfänglichen Verluste einer Rentenversicherung sind durch die Verrechnung der Abschlusskosten in den ersten 5 Jahren (Zillmerung) systembedingt und kein Indikator für eine schlechte Anlage.
- Wertvolle Altverträge enthalten oft einen hohen garantierten Rentenfaktor, der bei einer Kündigung unwiederbringlich verloren geht und einen erheblichen finanziellen Wert darstellt.
- Die jährliche Beitragsdynamik ist eine Kostenfalle, da auf jede Erhöhung neue Provisionen anfallen; ein regelmäßiger Widerspruch spart bares Geld.
Fondspolice oder ETF-Sparplan: Wann lohnt sich der Steuermantel trotz hoher Abschlusskosten?
Für viele unzufriedene Kunden lautet die Alternative zum teuren Altvertrag: Kündigen und das Geld in einen kostengünstigen ETF-Sparplan stecken. Doch gerade bei neueren, fondsgebundenen Rentenversicherungen (Fondspolicen) ist die Rechnung komplizierter. Diese Produkte bieten einen entscheidenden Vorteil, den sogenannten Steuermantel. Innerhalb der Police können Sie zwischen Fonds umschichten, ohne dass dafür Abgeltungsteuer auf realisierte Gewinne anfällt. Dies ermöglicht ein steuerfreies Rebalancing über Jahrzehnte. Bei einem ETF-Sparplan hingegen wird bei jedem Verkauf mit Gewinn sofort die Steuer fällig.
Zusätzlich greift bei der Auszahlung der Fondspolice nach dem 62. Lebensjahr und nach mindestens 12 Jahren Laufzeit das vorteilhafte Halbeinkünfteverfahren. Das bedeutet, nur 50 % der erwirtschafteten Erträge müssen mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden. Dies kann, je nach Steuersatz im Alter, einen erheblichen Vorteil gegenüber der vollen Abgeltungsteuer im ETF-Depot darstellen. Einige Anbieter wie die Allianz kombinieren in Tarifen wie „PrivatRente Perspektive“ sogar eine 100%ige Beitragsgarantie mit den Renditechancen der Fondsanlage. Diese Kombination aus Sicherheit und Steuervorteil ist der Kern des Wertversprechens einer Fondspolice.
Diesen Vorteilen stehen jedoch die bereits diskutierten, oft hohen Abschluss- und Verwaltungskosten gegenüber. Die entscheidende Frage ist also: Wann überwiegt der Steuervorteil die höheren Kosten? Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber eine Faustregel lautet: Der Steuermantel entfaltet seine Wirkung am besten über sehr lange Laufzeiten (20+ Jahre) und bei einer hohen Anlagesumme. Je länger der Zinseszinseffekt steuerfrei arbeiten kann und je höher die absoluten Erträge sind, die vom Halbeinkünfteverfahren profitieren, desto eher kann der Steuervorteil die Mehrkosten kompensieren. Für kürzere Zeiträume oder kleinere Sparraten gewinnt fast immer der kostengünstigere ETF-Sparplan. Letztlich ist dies die finale, rein mathematische Abwägung, die am Ende Ihrer Analyse stehen muss.
Die Entscheidung über das Schicksal Ihrer privaten Rentenversicherung sollte niemals aus dem Bauch heraus getroffen werden. Wie dieser Artikel zeigt, hängt die finanziell klügste Wahl von einer Vielzahl von Faktoren ab, die sich nur durch eine detaillierte, zahlenbasierte Analyse bewerten lassen. Der nächste logische Schritt ist eine professionelle, unabhängige Prüfung Ihres Vertrags, um die für Sie profitabelste Strategie zu ermitteln.