MSCI World oder FTSE All-World: Welcher Welt-Index deckt Schwellenländer wirklich besser ab?
Die Wahl zwischen MSCI World und FTSE All-World geht weit über den Schwellenländeranteil hinaus; strukturelle Details wie Länderklassifizierungen und das Fondsdomizil haben oft einen größeren Einfluss auf Ihre Rendite.
- Strukturelle Unterschiede zwischen den Indexanbietern (z.B. die Klassifizierung von Südkorea) können zu unbemerkten Lücken oder Doppelungen im Portfolio führen.
- Das Fondsdomizil ist entscheidend: ETFs aus Irland bieten deutschen Anlegern durch ein Steuerabkommen mit den USA erhebliche Vorteile bei der Dividendenbesteuerung.
Empfehlung: Analysieren Sie nicht nur den Index, sondern auch das ETF-Produkt selbst (Domizil, Fondsvolumen, Kosten), um versteckte Risiken und Renditebremsen zu vermeiden.
Für viele ETF-Anleger in Deutschland beginnt die Reise zum Weltportfolio mit einer fundamentalen Frage: MSCI World oder FTSE All-World? Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach. Der MSCI World bildet die Aktienmärkte von etwa 23 Industrieländern ab, während der FTSE All-World zusätzlich Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien einbezieht. Die gängige Meinung lautet daher oft: Wer ein möglichst breites, diversifiziertes Investment mit nur einem einzigen ETF sucht, greift zum FTSE All-World. Wer mehr Kontrolle und eine individuelle Gewichtung der Schwellenländer wünscht, kombiniert einen MSCI World ETF mit einem separaten Emerging Markets ETF.
Doch diese oberflächliche Betrachtung ist eine gefährliche Vereinfachung. Sie ignoriert entscheidende Details, die tief in der Methodik der Indexanbieter und der Struktur der ETFs selbst verborgen sind. Diese Feinheiten – von widersprüchlichen Länderklassifizierungen über die steuerliche Effizienz des Fondsdomizils bis hin zum strukturellen Klumpenrisiko durch wenige Tech-Giganten – haben oft einen weitaus größeren Einfluss auf die reale Nettorendite und das Risikoprofil eines Depots als der reine Schwellenländeranteil.
Die wahre Entscheidung liegt nicht in der simplen Gegenüberstellung „Industrieländer vs. Welt“, sondern im Verständnis der verborgenen Mechanismen. Es geht darum, die Fallstricke der Kapitalisierungsfalle zu erkennen und die Integrität des eigenen Portfolios zu gewährleisten. Anstatt also nur zu fragen, *welcher* Index besser ist, müssen wir analysieren, *wie* diese Indizes konstruiert sind und welche Konsequenzen das für uns als Anleger hat.
Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden, aber oft übersehenen Aspekte im Duell der Weltindizes. Wir beleuchten die strukturellen Unterschiede, die über den langfristigen Erfolg Ihres Investments entscheiden, und geben Ihnen das Rüstzeug, eine wirklich fundierte Entscheidung zu treffen.
Inhaltsverzeichnis: Die entscheidenden Faktoren im Vergleich von MSCI World und FTSE All-World
- Warum Südkorea im MSCI ein Schwellenland ist, im FTSE aber ein Industrieland
- Wie groß muss ein ETF auf den Welt-Index sein, damit er nicht geschlossen wird?
- Brauchen Sie Small Caps im Welt-Portfolio oder reichen die großen Konzerne?
- Die Dominanz der „Magnificent 7“: Warum Ihr Welt-ETF eigentlich ein Tech-ETF ist
- Warum Welt-ETFs aus Irland steuerlich besser sind als solche aus Luxemburg
- Warum im „Welt-ETF“ fast 70 % USA stecken und wie Sie das korrigieren
- Einfach alles kaufen oder gezielt auswählen: Welcher Ansatz bringt mehr Sicherheit?
- Globale ETFs jenseits des MSCI World: Welche Schwellenländer gehören in ein aggressives Portfolio?
Warum Südkorea im MSCI ein Schwellenland ist, im FTSE aber ein Industrieland
Einer der prägnantesten, aber oft ignorierten Unterschiede zwischen den beiden Indexwelten ist die Klassifizierung bestimmter Länder. Das prominenteste Beispiel ist Südkorea. Während der Indexanbieter FTSE Russell das Land als entwickelten Markt (Developed Market) einstuft, führt MSCI Südkorea weiterhin als Schwellenland (Emerging Market). Diese auf den ersten Blick akademisch wirkende Unterscheidung hat handfeste Konsequenzen für die Portfolio-Zusammensetzung, wie eine Analyse der Indexanbieter zeigt.
Ein Anleger, der sich für eine klassische 70/30-Strategie aus MSCI World und MSCI Emerging Markets entscheidet, hat Südkorea mit einem signifikanten Gewicht im Schwellenländer-Teil seines Depots. Ein Anleger mit einem einzigen FTSE All-World ETF hat Südkorea ebenfalls abgedeckt, allerdings als Teil des Industrieländer-Blocks. Kritisch wird es bei der Kombination von ETFs verschiedener Anbieter. Wer zum Beispiel einen MSCI World ETF (ohne Südkorea) mit einem FTSE Emerging Markets ETF (ebenfalls ohne Südkorea, da FTSE es ja als Industrieland sieht) kombiniert, hat eine erhebliche Portfolio-Lücke: Südkoreanische Aktien fehlen komplett. Im umgekehrten Fall, bei einer Kombination aus einem FTSE Developed World ETF und einem MSCI Emerging Markets ETF, wäre Südkorea gleich doppelt gewichtet.
Dieses Beispiel verdeutlicht ein fundamentales Prinzip: Die Portfolio-Integrität hängt von der konsistenten Nutzung von ETFs aus derselben Indexfamilie ab. Ein Mix aus MSCI- und FTSE-Produkten kann zu unbeabsichtigten Übergewichtungen oder Lücken führen, die die Diversifikationsstrategie untergraben. Es ist daher unerlässlich, nicht nur auf die Namen der ETFs zu schauen, sondern die genaue Länderzusammensetzung und die Methodik des zugrundeliegenden Indexanbieters zu verstehen.
Wie groß muss ein ETF auf den Welt-Index sein, damit er nicht geschlossen wird?
Neben der Indexauswahl ist die Wahl des konkreten ETF-Produkts entscheidend für den langfristigen Anlageerfolg. Ein oft unterschätzter Faktor ist dabei das Fondsvolumen. Ein ETF muss eine kritische Größe erreichen, um für den Anbieter profitabel und somit langfristig stabil zu sein. Ist ein Fonds zu klein, steigen die relativen Verwaltungskosten, und es besteht das Risiko, dass der Anbieter ihn mit einem anderen Fonds fusioniert oder ihn gänzlich schließt. Eine solche Schließung ist zwar für Anleger unproblematisch, da der Wert der Anteile ausgezahlt wird, kann aber steuerliche Nachteile mit sich bringen und zwingt zur Reinvestition.
Als Faustregel gilt, dass ein ETF mit einem Mindestvolumen von rund 100 Millionen Euro kosteneffizient verwaltet werden kann. Fonds, die diese Schwelle deutlich überschreiten, bieten eine höhere Sicherheit vor einer Schließung. Die Realität am deutschen Markt zeigt jedoch, dass viele Produkte diese Marke nicht erreichen. Daten belegen, dass über 420 ETFs in Deutschland ein Volumen von weniger als 25 Millionen Euro aufweisen und weitere hunderte unter der 100-Millionen-Grenze liegen. Bei der Auswahl eines Welt-ETFs sollten Anleger daher gezielt nach Produkten suchen, die bereits ein etabliertes Volumen von mehreren hundert Millionen oder sogar Milliarden Euro haben.

Das Fondsvolumen ist somit mehr als nur eine Zahl; es ist ein Indikator für die Wirtschaftlichkeit und Stabilität des Produkts. Ein hohes Volumen signalisiert das Vertrauen vieler Anleger und reduziert das Risiko unerwünschter administrativer Eingriffe durch den Fondsabieter. Bei den großen Welt-ETFs auf den MSCI World oder FTSE All-World ist dieses Risiko zwar gering, doch bei Nischen- oder neueren Themen-ETFs wird das Fondsvolumen zu einem zentralen Auswahlkriterium.
Brauchen Sie Small Caps im Welt-Portfolio oder reichen die großen Konzerne?
Die populären Welt-Indizes wie der MSCI World und der FTSE All-World konzentrieren sich primär auf Large-Cap- und Mid-Cap-Unternehmen – also die größten börsennotierten Konzerne der Welt. Kleinere Unternehmen, sogenannte Small Caps, bleiben dabei weitgehend außen vor. Dies wirft die Frage auf, ob ein reines Investment in die großen Indizes ausreicht oder ob eine Ergänzung durch Small Caps sinnvoll ist. Historisch gesehen haben Small Caps in bestimmten Marktphasen höhere Renditen als Large Caps erzielt, allerdings bei gleichzeitig höherer Volatilität. Eine Beimischung kann also potenziell die Rendite steigern, erhöht aber auch das Risiko.
Die Indexanbieter selbst bieten Lösungen für Anleger, die den gesamten Aktienmarkt inklusive kleiner Unternehmen abdecken möchten. Der umfassendste Index ist hier der MSCI ACWI IMI (Investable Market Index), der neben Large- und Mid-Caps auch Small-Caps enthält und somit fast den gesamten global investierbaren Aktienmarkt abbildet. Wie eine Analyse von justETF Research hervorhebt, machen Large-Cap-Firmen im MSCI-Universum den Löwenanteil aus:
Large cap firms in the MSCI universe account for 65 – 75% of the total capitalisation of any given market. Mid cap firms form the next layer of the index.
– justETF Research, MSCI index classification analysis
Die Entscheidung für oder gegen Small Caps hängt stark von der individuellen Risikotoleranz und dem gewünschten Grad der Diversifikation ab. Der folgende Vergleich zeigt, wie die verschiedenen Indexstrategien Small Caps integrieren:
| ETF-Strategie | Anzahl Unternehmen | Small-Cap-Abdeckung |
|---|---|---|
| MSCI ACWI IMI | über 9.000 | Ja, vollständig |
| FTSE All-World | ca. 4.300 | Teilweise |
| MSCI ACWI | ca. 2.800 | Nein, nur Large/Mid-Caps |
Für die meisten passiven Anleger ist die Abdeckung durch den FTSE All-World oder MSCI World bereits ausreichend diversifiziert. Wer jedoch gezielt auf das Wachstumspotenzial kleinerer Unternehmen setzen und eine noch breitere Marktabdeckung erreichen möchte, sollte entweder einen MSCI ACWI IMI ETF in Betracht ziehen oder sein Portfolio gezielt um einen separaten Small-Cap-ETF ergänzen.
Die Dominanz der „Magnificent 7“: Warum Ihr Welt-ETF eigentlich ein Tech-ETF ist
Ein Welt-ETF suggeriert eine breite Streuung über tausende Unternehmen und diverse Sektoren. Doch die marktkapitalisierungsgewichtete Konstruktion der großen Indizes führt zu einem Phänomen, das viele Anleger übersehen: ein massives strukturelles Klumpenrisiko. Durch den enormen Börsenwert einiger weniger US-Technologiekonzerne – oft als „Magnificent 7“ bezeichnet (Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia, Tesla, Meta) – machen diese wenigen Titel einen überproportional hohen Anteil des gesamten Index aus. Da der US-Aktienmarkt ohnehin schon mit rund 60-70 % in den Weltindizes gewichtet ist, potenziert sich dieser Effekt.
Ihr vermeintlich breit diversifiziertes Weltportfolio ist in Wirklichkeit stark von der Performance einer Handvoll Tech-Giganten abhängig. Positive Entwicklungen bei Nvidia oder Apple treiben den gesamten Index nach oben, während eine Krise in diesem Sektor das gesamte Welt-Portfolio nach unten ziehen kann. Diese Konzentration widerspricht dem eigentlichen Gedanken der globalen Risikostreuung. Die „Kapitalisierungsfalle“ führt dazu, dass Anleger unbewusst eine hochkonzentrierte Wette auf den US-Technologiesektor eingehen, obwohl sie eigentlich „den ganzen Markt“ kaufen wollten.
Anleger, die dieses Klumpenrisiko reduzieren möchten, beginnen, über alternative Strategien nachzudenken. Diese zielen darauf ab, die Dominanz der Marktkapitalisierung zu durchbrechen:
- Equal-Weight-ETFs: In diesen Indizes wird jedes Unternehmen gleich gewichtet, unabhängig von seinem Börsenwert. Dadurch erhalten kleinere Unternehmen mehr Einfluss und das Risiko der Top-Positionen wird gesenkt.
- BIP-gewichtete Portfolios: Hier erfolgt die Gewichtung der Länder nicht nach Marktkapitalisierung, sondern nach ihrer Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt). Dies führt in der Regel zu einer geringeren USA- und einer höheren Europa- und Schwellenländer-Gewichtung.
- Beimischung von Faktor- oder Sektor-ETFs: Durch die gezielte Ergänzung von ETFs auf andere Sektoren (z.B. Gesundheit, Energie) oder Faktoren (z.B. Value) kann die Tech-Dominanz aktiv ausbalanciert werden.
Das Bewusstsein für dieses Konzentrationsrisiko ist der erste Schritt. Ein Welt-ETF bleibt ein hervorragendes Basisinvestment, aber Anleger sollten sich im Klaren sein, dass sie nicht nur in die Weltwirtschaft, sondern vor allem in die Spitzenreiter der US-Technologiebranche investieren.
Warum Welt-ETFs aus Irland steuerlich besser sind als solche aus Luxemburg
Ein Detail, das oft übersehen wird, aber einen direkten Einfluss auf die Nettorendite hat, ist das Fondsdomizil – also das Land, in dem der ETF rechtlich aufgelegt wurde. Für deutsche Anleger hat sich Irland als das steuerlich vorteilhafteste Domizil für ETFs auf US-Aktien herauskristallisiert. Der Grund liegt im Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Irland und den USA. US-Unternehmen schütten Dividenden aus, auf die grundsätzlich eine Quellensteuer von 30 % erhoben wird. Aufgrund des DBA wird für in Irland ansässige Fonds diese Steuer auf 15 % reduziert.
Luxemburg, das andere große ETF-Domizil in Europa, hat kein solches vorteilhaftes Abkommen. ETFs aus Luxemburg müssen die vollen 30 % Quellensteuer auf US-Dividenden abführen. Da US-Aktien in einem Welt-ETF einen Anteil von 60-70 % ausmachen, ist dieser Unterschied signifikant. Die steuerliche Effizienz eines irischen ETFs ist somit messbar höher. Die reduzierte Quellensteuer wird direkt auf Fondsebene wirksam, was bedeutet, dass der ETF eine bessere Performance erzielt, bevor überhaupt Erträge an den Anleger ausgeschüttet werden. Dieser Vorteil schlägt sich direkt im Nettoinventarwert (NAV) des Fonds nieder.

Einen ETF aus Irland zu erkennen, ist einfach: Seine Internationale Wertpapierkennnummer (ISIN) beginnt mit den Buchstaben „IE“. Eine ISIN, die mit „LU“ beginnt, deutet auf ein Domizil in Luxemburg hin. Bei der Auswahl eines ETFs auf den MSCI World oder FTSE All-World sollte daher bei ansonsten ähnlichen Konditionen (wie der Tracking-Methode und der Gesamtkostenquote TER) einem Produkt mit irischem Domizil klar der Vorzug gegeben werden. Der scheinbar kleine Steuervorteil summiert sich über viele Jahre und Jahrzehnte zu einem beachtlichen Betrag und stellt eine Form der legalen und automatischen Renditeoptimierung dar.
Warum im „Welt-ETF“ fast 70 % USA stecken und wie Sie das korrigieren
Der Begriff „Welt-ETF“ erweckt den Eindruck einer geografisch ausgewogenen Investition. Die Realität sieht jedoch anders aus. Aufgrund der Konstruktionsmethode der Marktkapitalisierungsgewichtung dominieren die USA die großen Weltindizes massiv. Wie aktuelle Marktkapitalisierungsdaten zeigen, liegt der Anteil an Aktien aus den USA im MSCI World bei rund 72%. Das bedeutet, dass fast drei Viertel Ihres Investments vom Wohl und Wehe eines einzigen Aktienmarktes abhängen. Dieses enorme Übergewicht ist keine bewusste Entscheidung des Indexanbieters, sondern eine direkte Folge der immensen Börsenwerte von Konzernen wie Apple, Microsoft und Amazon.
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Für Anleger, denen dieses Klumpenrisiko zu hoch ist und die eine ausgewogenere globale Diversifikation anstreben, gibt es eine einfache, aber effektive Strategie: die gezielte Übergewichtung anderer Regionen. Anstatt den USA-Anteil passiv hinzunehmen, kann er aktiv reduziert werden. Eine beliebte Methode ist die Beimischung eines zusätzlichen ETFs, der gezielt europäische Aktien abbildet, beispielsweise einen ETF auf den MSCI Europe oder den STOXX Europe 600. Da Europa im MSCI World deutlich unterrepräsentiert ist, kann diese Beimischung das geografische Gleichgewicht im Depot wiederherstellen.
Die Umsetzung ist simpel: Man reduziert die Sparrate auf den MSCI World ETF (z.B. auf 70 % der ursprünglichen Summe) und investiert die restlichen 30 % in den ausgewählten Europa-ETF. Diese 70/30-Aufteilung ist ein gängiges Modell, um das USA-Übergewicht zu korrigieren. Der Vorteil dieser Methode liegt in ihrer Flexibilität. Anleger können die Gewichtung je nach Markteinschätzung und persönlicher Präferenz anpassen. So erlangt man die Kontrolle über die geografische Allokation zurück und reduziert die Abhängigkeit von der Entwicklung des US-Marktes, ohne auf die Vorteile eines breit gestreuten Basisinvestments verzichten zu müssen.
Einfach alles kaufen oder gezielt auswählen: Welcher Ansatz bringt mehr Sicherheit?
Die Philosophie des passiven Investierens gipfelt in der Idee, den gesamten Markt zu kaufen und auf stock picking zu verzichten. Die Ein-ETF-Lösung mit einem FTSE All-World oder MSCI ACWI scheint hier die perfekte Umsetzung zu sein. Sie ist extrem einfach, kostengünstig und erfordert kein Rebalancing. Wie die Experten von Finanzfluss zusammenfassen, ist dieser Ansatz für viele ein sinnvoller Weg:
Schon mit einem einzigen ETF (zum Beispiel einem FTSE All-World oder MSCI ACWI) lässt sich ein Weltportfolio sinnvoll aufbauen.
– Finanzfluss, ETF-Portfolio Guide
Dieser Ansatz bietet maximale Einfachheit und verhindert Verhaltensfehler wie das panische Umschichten in Krisenzeiten. Die Sicherheit liegt hier in der stoischen Disziplin und der breiten Marktabdeckung. Demgegenüber steht die Multi-ETF-Strategie, bei der Anleger gezielt verschiedene Bausteine kombinieren, z.B. einen ETF für Industrieländer, einen für Schwellenländer und vielleicht einen für Small Caps. Dieser Ansatz ist komplexer und erfordert regelmäßiges Rebalancing, um die gewünschte Gewichtung beizubehalten. Seine Stärke liegt jedoch in der Flexibilität und Kontrolle. Anleger können Regionen, Sektoren oder Faktoren nach eigener Überzeugung über- oder untergewichten und so ihr Portfolio aktiv gestalten.
Die Frage nach der „Sicherheit“ hat also zwei Dimensionen: operative Sicherheit (Einfachheit, weniger Fehlerquellen) und strukturelle Sicherheit (bessere Kontrolle über Klumpenrisiken). Der folgende Vergleich stellt die beiden Ansätze gegenüber:
| Kriterium | Ein-ETF-Lösung | Multi-ETF-Strategie |
|---|---|---|
| Einfachheit | Sehr hoch | Niedrig bis mittel |
| Rebalancing-Aufwand | Keiner | Regelmäßig erforderlich |
| Individuelle Anpassung | Nicht möglich | Vollständig möglich |
| Kosten (TER) | Günstig für einen Weltfonds | Je nach Auswahl |
Letztlich gibt es keine pauschal richtige Antwort. Die Ein-ETF-Lösung ist ideal für Anleger, die maximale Einfachheit suchen und bereit sind, die systemimmanenten Klumpenrisiken zu akzeptieren. Die Multi-ETF-Strategie eignet sich für Anleger, die bereit sind, mehr Aufwand zu betreiben, um ihr Portfolio präzise nach ihren eigenen Vorstellungen zu steuern und Risiken aktiv zu managen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Wahl zwischen MSCI und FTSE ist mehr als eine Frage des Schwellenländeranteils; Details wie die Länderklassifizierung (z.B. Südkorea) sind entscheidend für die Portfolio-Struktur.
- Für deutsche Anleger sind ETFs mit Domizil in Irland aufgrund eines vorteilhaften Doppelbesteuerungsabkommens mit den USA steuerlich effizienter als Produkte aus Luxemburg.
- Marktkapitalisierungsgewichtete Welt-ETFs haben ein hohes Klumpenrisiko im US-Tech-Sektor, das Anleger durch gezielte Beimischungen oder alternative Gewichtungsmethoden aktiv steuern können.
Globale ETFs jenseits des MSCI World: Welche Schwellenländer gehören in ein aggressives Portfolio?
Für Anleger mit einer höheren Risikotoleranz und einem längeren Anlagehorizont kann es sinnvoll sein, Schwellenländer (Emerging Markets) stärker zu gewichten, als es in einem Standard-Welt-ETF der Fall ist. Der Grund: Diese Märkte bieten potenziell höhere Wachstumsraten, sind aber auch mit höheren politischen und wirtschaftlichen Risiken verbunden. Selbst der FTSE All-World, der Schwellenländer bereits enthält, tut dies nur in homöopathischen Dosen. Trotz höherer Diversifikation machen die Emerging Markets im FTSE All-World nur etwa 10 % aus. Für ein aggressives, wachstumsorientiertes Portfolio ist das oft zu wenig.
Eine gezielte Übergewichtung von Schwellenländern erfordert eine Abkehr von der Ein-ETF-Lösung. Stattdessen wird ein Basisinvestment in einem Industrieländer-ETF (z.B. MSCI World) mit einem oder mehreren spezialisierten Schwellenländer-ETFs kombiniert. Dies ermöglicht eine präzise Steuerung des Risiko- und Renditeprofils. Doch auch hier lauern Fallstricke: Der Standard-ETF auf den MSCI Emerging Markets wird massiv von China dominiert, was wiederum ein neues Klumpenrisiko schafft.
Anleger, die dieses China-Risiko reduzieren oder noch gezieltere Wetten auf bestimmte Wachstumsregionen eingehen wollen, können auf spezialisierte Produkte zurückgreifen. Diese Strategien sind nicht für Anfänger geeignet, sondern richten sich an erfahrene Investoren, die bereit sind, sich intensiv mit der Materie auseinanderzusetzen.
Ihr Aktionsplan: Alternative Schwellenländer-Strategien prüfen
- Portfolio analysieren: Überprüfen Sie den aktuellen Schwellenländer- und China-Anteil in Ihrem bestehenden Portfolio.
- Spezial-ETFs identifizieren: Recherchieren Sie gezielt nach ETFs, die alternative Strategien abbilden, z.B. einen „MSCI Emerging Markets ex China“ ETF, um das China-Risiko zu reduzieren.
- Frontier Markets evaluieren: Prüfen Sie, ob eine kleine Beimischung von Frontier Markets (Länder an der Schwelle zum Schwellenland-Status wie Vietnam) zu Ihrer Risikotoleranz passt.
- Länderwetten abwägen: Bewerten Sie gezielte Länder-ETFs (z.B. auf Indien oder Brasilien), verstehen Sie aber das hohe spezifische Risiko einer solchen fokussierten Investition.
- Gewichtung festlegen: Definieren Sie eine klare Zielgewichtung für Ihre Schwellenländer-Allokation und setzen Sie diese diszipliniert durch Rebalancing um.
Ein aggressiveres Portfolio durch eine höhere Schwellenländerquote zu gestalten, kann eine potente Renditequelle sein. Es erfordert jedoch eine Abkehr von der Einfachheit und ein tiefes Verständnis für die inhärenten Risiken und die Notwendigkeit einer bewussten Diversifikation innerhalb der Schwellenländer selbst.