Globale ETFs jenseits des MSCI World: Welche Schwellenländer gehören in ein aggressives Portfolio?
Die passive Investition in einen „Welt-ETF“ führt oft zu einem gefährlichen US-Klumpenrisiko, das die Renditechancen eines aggressiven Portfolios begrenzt.
- Standardindizes wie der MSCI World haben einen USA-Anteil von fast 70 %, was die globale Diversifikation untergräbt.
- Eine strategische Neugewichtung mit gezielt ausgewählten Regionen- und Schwellenländer-ETFs kann dieses Risiko korrigieren und neue Wachstumspotenziale erschließen.
Empfehlung: Bauen Sie Ihr Portfolio aktiv um, indem Sie die Standardindizes dekonstruieren und durch eine durchdachte Allokation, z. B. nach BIP-Gewichtung, eine echte globale Streuung erreichen.
Viele Anleger, die auf der Suche nach überdurchschnittlichen Renditen sind, setzen auf globale ETF-Portfolios. Der gängige Ratschlag lautet oft, einfach in einen MSCI World oder FTSE All-World zu investieren und für den „Extra-Kick“ einen Schwellenländer-ETF beizumischen. Diese Strategie scheint auf den ersten Blick einfach und diversifiziert. Doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich eine erhebliche Schwäche: eine massive Übergewichtung von US-amerikanischen Aktien, die fast 70 % des Portfolios ausmachen können. Dieses sogenannte Klumpenrisiko widerspricht dem eigentlichen Ziel einer echten globalen Streuung und macht das Portfolio stark von der Entwicklung eines einzigen Marktes abhängig.
Die Standardlösung, dieses Ungleichgewicht durch die simple Beimischung eines MSCI Emerging Markets ETF zu korrigieren, greift oft zu kurz. Sie berücksichtigt weder die spezifischen Chancen und Risiken einzelner Regionen noch die fundamentalen Unterschiede zwischen den Indexanbietern. Was wäre, wenn der Schlüssel zu einem wirklich aggressiven und renditestarken Portfolio nicht in der blinden Beimischung, sondern in einer bewussten Neukonstruktion liegt? Anstatt die vom Index vorgegebene Struktur passiv zu akzeptieren, könnten Sie zum Architekten Ihrer eigenen Rendite werden, indem Sie die globalen Märkte gezielt nach Ihren Vorstellungen zusammensetzen.
Dieser Artikel führt Sie über die Grenzen der Standard-ETF-Strategien hinaus. Wir dekonstruieren die gängigen Welt-Indizes, zeigen Ihnen, wie Sie die richtigen Bausteine für Asien oder Südamerika finden, und analysieren die realen Risiken, wie staatliche Eingriffe in China. Sie erfahren, wie Sie eine fundierte Entscheidung zwischen einer Ein-ETF-Lösung und einem Multi-Regionen-Portfolio treffen und warum die Fokussierung auf Details wie die unterschiedliche Länderklassifizierung von MSCI und FTSE entscheidend für Ihren Erfolg sein kann. Machen Sie sich bereit, Ihr Verständnis von globalem passivem Investieren neu zu definieren.
Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, haben wir diesen Leitfaden in präzise Themenblöcke unterteilt. Die folgende Übersicht führt Sie durch die strategischen Überlegungen, die für den Aufbau eines überlegenen globalen ETF-Portfolios notwendig sind.
Sommaire : Ein Leitfaden zur strategischen Konstruktion Ihres globalen ETF-Portfolios
- Warum im „Welt-ETF“ fast 70 % USA stecken und wie Sie das korrigieren
- Wie finden Sie den richtigen ETF für Asien oder Südamerika ohne zu hohe Kosten?
- Einen ETF für alles oder 3 Regionen-ETFs mischen: Was bringt mehr Rendite nach Gebühren?
- Die Gefahr staatlicher Eingriffe in China: Was müssen Sie bei Schwellenländer-ETFs akzeptieren?
- Lohnt sich der Einstieg in Schwellenländer jetzt, wo der Dollar stark ist?
- DAX vs. S&P 500: Welcher Index hat in den letzten 20 Jahren wirklich mehr Rendite gebracht?
- Warum Südkorea im MSCI ein Schwellenland ist, im FTSE aber ein Industrieland
- ETF-Sparplan einrichten: Wie wählen Sie den richtigen Ausführungstag für maximalen Zinseszins?
Warum im „Welt-ETF“ fast 70 % USA stecken und wie Sie das korrigieren
Die Bezeichnung „Welt-ETF“ suggeriert eine ausgewogene, globale Diversifikation. Die Realität sieht jedoch anders aus. Indizes, die nach Marktkapitalisierung gewichtet sind, wie der populäre MSCI World, spiegeln die aktuelle Börsenbewertung der Unternehmen wider. Da die US-Börsen die mit Abstand größten der Welt sind, führt dies unweigerlich zu einer massiven Dominanz amerikanischer Aktien. Aktuelle Indexdaten zeigen oft einen USA-Anteil von über 60% im breiteren MSCI ACWI IMI. Für einen Anleger, der ein aggressives und global ausgerichtetes Portfolio anstrebt, stellt dieses US-Klumpenrisiko eine erhebliche strategische Schwäche dar. Die Performance des gesamten „Welt“-Portfolios hängt überproportional stark vom Schicksal eines einzigen Landes und seiner Währung ab.
Glücklicherweise gibt es intelligente Strategien, um diese Unwucht zu korrigieren. Anstatt die marktkapitalisierte Gewichtung passiv hinzunehmen, können Anleger eine Index-Dekonstruktion vornehmen. Ein bewährter Ansatz ist die Neugewichtung des Portfolios nach der Wirtschaftskraft der Länder, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Dieser Ansatz geht davon aus, dass die langfristige wirtschaftliche Bedeutung eines Landes ein besserer Indikator für zukünftige Renditen ist als seine aktuelle Börsenbewertung.

Ein prominentes Beispiel für diesen Ansatz aus Deutschland ist das Konzept von Gerd Kommer. Durch eine BIP-Gewichtung wird das Klumpenrisiko USA drastisch reduziert, beispielsweise von über 60 % auf rund 45 %. Gleichzeitig wird der Anteil der Schwellenländer, die in Standardindizes oft nur etwa 10 % ausmachen, auf einen strategisch relevanteren Anteil von rund 20 % verdoppelt. Diese bewusste Allokation schafft eine ausgewogenere globale Grundlage und eröffnet Chancen, die in einem standardmäßigen, US-lastigen Portfolio verborgen bleiben.
Wie finden Sie den richtigen ETF für Asien oder Südamerika ohne zu hohe Kosten?
Sobald Sie sich entscheiden, Ihr Portfolio durch gezielte Beimischung von Regionen-ETFs zu optimieren, stehen Sie vor der nächsten Herausforderung: der Auswahl der richtigen Produkte. Insbesondere für Nischen wie einzelne asiatische Länder oder Südamerika kann das Angebot unübersichtlich und die Kostenstruktur entscheidend sein. Der erste Fokus sollte auf der Gesamtkostenquote (TER) liegen. Die TER von ETFs auf Schwellenländeraktien liegt zwischen 0,11 % und 0,65 % pro Jahr, eine Spanne, die über die Jahre einen erheblichen Renditeunterschied ausmachen kann. Ein günstiger ETF ist hier oft die bessere Wahl, solange er den gewünschten Index präzise abbildet.
Der zweite, ebenso wichtige Faktor sind die Transaktionskosten, insbesondere bei einem Sparplan. Für den deutschen Markt haben sich in den letzten Jahren Neo-Broker als extrem kostengünstige Option etabliert. Sie ermöglichen es, auch spezialisierte ETFs ohne Ausführungsgebühren zu besparen, was bei traditionellen Banken oft nicht der Fall ist. Die Wahl des richtigen Brokers hat direkten Einfluss auf Ihre Nettorendite.
Die folgende Übersicht zeigt einen exemplarischen Kostenvergleich für ETF-Sparpläne bei in Deutschland beliebten Anbietern, der verdeutlicht, wie stark sich die Konditionen unterscheiden können.
| Broker | Kostenlose ETF-Sparpläne | Kosten pro Ausführung | Mindestsparrate |
|---|---|---|---|
| Scalable Capital | Alle ETFs | 0€ | 1€ |
| Trade Republic | Alle ETFs | 0€ | 1€ |
| ING | Ausgewählte ETFs | 1,75% der Sparrate | 50€ |
Die Auswahl des richtigen ETFs für spezifische Regionen erfordert daher einen zweistufigen Ansatz: Zuerst die Identifikation eines kosteneffizienten ETFs mit niedriger TER, der den Zielmarkt gut abbildet. Zweitens die Wahl eines Brokers, der den Sparplan auf diesen ETF ohne oder mit minimalen Ordergebühren ausführt. Nur die Kombination aus beidem sichert Ihnen langfristig den maximalen Ertrag.
Einen ETF für alles oder 3 Regionen-ETFs mischen: Was bringt mehr Rendite nach Gebühren?
Die Kernfrage für fortgeschrittene Anleger lautet: Lohnt sich der Aufwand, ein Portfolio aus mehreren regionalen ETFs (z. B. Nordamerika, Europa, Schwellenländer) selbst zusammenzubauen, oder ist ein einziger „All-World“-ETF die überlegene Lösung? Eine pauschale Antwort gibt es nicht; die Entscheidung hängt von Ihrer Portfoliogröße, Ihrer Risikobereitschaft und Ihrer Bereitschaft zum aktiven Management ab. Ein Multi-ETF-Ansatz bietet maximale Kontrolle über die regionale Allokation, erfordert aber auch regelmäßiges Rebalancing, um die Zielgewichtung beizubehalten. Dies kann zusätzliche Kosten und steuerliche Implikationen bei Umschichtungen nach sich ziehen.
Demgegenüber steht die Einfachheit eines einzigen ETFs, der die Welt abdeckt. Hier entfällt das Rebalancing, aber Sie akzeptieren die vom Indexanbieter vorgegebene, oft US-lastige Gewichtung. Die Renditefrage ist komplex: Ein selbst gemischtes Portfolio kann durch eine geschickte, antizyklische Gewichtung eine höhere Rendite erzielen. Gleichzeitig können die gewichteten Gesamtkosten (TER) eines 3-ETF-Portfolios niedriger oder höher sein als die eines All-in-One-Produkts. Ab einer bestimmten Portfoliogröße, oft ab etwa 10.000 Euro, kann der Kostenvorteil und die Flexibilität eines Multi-ETF-Ansatzes den zusätzlichen Aufwand rechtfertigen.

Um diese strategische Entscheidung fundiert zu treffen, müssen Sie verschiedene Faktoren gegeneinander abwägen. Die folgende Checkliste hilft Ihnen dabei, die für Sie passende Strategie zu identifizieren.
Ihr Plan zur Strategieentscheidung: Ein ETF vs. Multi-ETF
- Berechnen Sie die jährlichen Rebalancing-Kosten bei Ihrem Broker für ein Multi-ETF-Portfolio.
- Vergleichen Sie die TER eines All-World-ETF mit der gewichteten Durchschnitts-TER Ihres geplanten 3-ETF-Portfolios.
- Bewerten Sie ehrlich Ihre Bereitschaft und Disziplin für ein aktives Portfolio-Management (mind. 1x jährlich Rebalancing).
- Prüfen Sie mögliche steuerliche Auswirkungen (Gewinnrealisierung) bei Umschichtungen in Ihrem Multi-ETF-Portfolio.
- Treffen Sie Ihre Entscheidung basierend auf Ihrer Portfoliogröße – oft wird ein Multi-ETF-Ansatz erst ab ca. 10.000 € wirklich sinnvoll.
Letztendlich ist die Wahl zwischen einem und mehreren ETFs eine Abwägung zwischen Kontrolle und Komfort. Für einen aggressiven Anleger, der seine Rendite-Architektur selbst gestalten will, ist der Multi-ETF-Ansatz oft der Weg, der die größten Chancen bietet.
Die Gefahr staatlicher Eingriffe in China: Was müssen Sie bei Schwellenländer-ETFs akzeptieren?
Schwellenländer versprechen hohes Wachstumspotenzial, doch dieses geht Hand in Hand mit signifikanten politischen Risiken. Nirgendwo wird dies deutlicher als in China, dem mit Abstand größten Land in den meisten Schwellenländer-Indizes. Im MSCI Emerging Market Index machen chinesische Aktien oft rund 38% aus. Diese hohe Konzentration bedeutet, dass politische Entscheidungen in Peking massive Auswirkungen auf die Performance eines gesamten Schwellenländer-ETFs haben können. Anleger müssen sich bewusst sein, dass sie in ein System investieren, in dem die Regierung jederzeit und unvorhersehbar in die Wirtschaft eingreifen kann.
Ein drastisches Beispiel hierfür war die Regulierung des chinesischen Bildungssektors im Jahr 2021. Über Nacht erklärte die Regierung private Nachhilfeunternehmen zu Non-Profit-Organisationen, was deren Geschäftsmodell zerstörte und die Aktienkurse ins Bodenlose stürzen ließ. Anleger in breiten China- oder Schwellenländer-ETFs erlitten erhebliche Verluste. Dieses Ereignis ist kein Einzelfall. Ähnliche Risiken bestehen in vielen autokratisch regierten Schwellenländern. Ein noch extremeres Beispiel sind russische Aktien: Nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs wurden russische Wertpapiere vom Handel ausgesetzt, was für Anleger in entsprechenden ETFs einem Totalverlust gleichkam.
Fallbeispiel: Die Unberechenbarkeit politischer Risiken
Die vergangenen Jahre waren für Anleger in Schwellenländern eine Nervenprobe. Die drastischen staatlichen Eingriffe in den chinesischen Technologiesektor und der Handelsstopp für russische Wertpapiere nach den westlichen Sanktionen zeigten schmerzhaft auf, dass das politische Risiko in diesen Märkten keine theoretische, sondern eine sehr reale und existenzielle Bedrohung für das investierte Kapital darstellt. Wer in Schwellenländer investiert, muss solche „Tail-Risks“ akzeptieren und in seine Portfoliostrategie einkalkulieren.
Ein aggressives Portfolio zu bauen bedeutet nicht, diese Risiken zu ignorieren, sondern sie bewusst zu managen. Das kann bedeuten, statt eines allgemeinen Schwellenländer-ETFs gezielt in ETFs zu investieren, die China untergewichten („Emerging Markets ex-China“), oder das China-Engagement auf einen kleineren, kalkulierten Teil des Portfolios zu begrenzen. Die Akzeptanz von potenziell totalen Verlusten in bestimmten Marktsegmenten ist der Preis für die Teilhabe an den überdurchschnittlichen Wachstumschancen.
Lohnt sich der Einstieg in Schwellenländer jetzt, wo der Dollar stark ist?
Die Frage nach dem richtigen Timing für ein Investment in Schwellenländer beschäftigt viele Anleger, insbesondere in Phasen eines starken US-Dollars. Da die meisten Rohstoffe und internationalen Geschäfte in Dollar abgerechnet werden, kann ein starker Dollar die Schwellenländer belasten. Für Euro-Anleger bedeutet dies jedoch auch einen potenziellen Vorteil: Bei einem starken Dollar erhalten Sie für Ihre Euros mehr Anteile an Schwellenländer-ETFs. Ein Einstieg kann sich also gerade dann lohnen, wenn man von einer zukünftigen Abschwächung des Dollars ausgeht, was einen zusätzlichen Währungsgewinn bringen würde.
Langfristig sind jedoch nicht kurzfristige Währungsschwankungen, sondern die fundamentalen Wachstumstreiber entscheidend. Und hier sprechen die Prognosen eine klare Sprache: Die wirtschaftliche Dynamik verlagert sich zunehmend von den Industrie- in die Schwellenländer. Prognosen gehen davon aus, dass Schwellenländer bis 2035 60% des globalen BIP ausmachen könnten. Ein Portfolio, das diesen wachsenden Teil der Weltwirtschaft ignoriert, verzichtet langfristig auf erhebliche Renditechancen. Der aktuelle starke Dollar kann daher als strategische Einstiegschance betrachtet werden, um sich für dieses zukünftige Wachstum zu positionieren.
Für Anleger, die das Währungsrisiko aktiv steuern möchten, gibt es verschiedene Ansätze:
- Währungsgesicherte ETFs (EUR-hedged): Diese Produkte sichern das Investment gegen Schwankungen des US-Dollars ab, verursachen aber zusätzliche Kosten (typischerweise 0,2-0,3 % p.a.), die die Rendite schmälern.
- Dollar-Cost-Averaging: Durch regelmäßige Sparplanausführungen kaufen Sie sowohl in Phasen eines starken als auch eines schwachen Dollars und glätten so den durchschnittlichen Einstiegskurs.
- Langfristiger Anlagehorizont: Über Zeiträume von 15 Jahren und mehr gleichen sich Währungsschwankungen tendenziell aus und die fundamentale Wertentwicklung der Unternehmen rückt in den Vordergrund.
Anstatt den perfekten Einstiegszeitpunkt zu suchen, sollten aggressive Anleger den Fokus auf die langfristige strategische Positionierung legen. Der aktuelle Währungszyklus bietet eine taktische Gelegenheit, die langfristige Vision eines global diversifizierten Portfolios kostengünstig umzusetzen.
DAX vs. S&P 500: Welcher Index hat in den letzten 20 Jahren wirklich mehr Rendite gebracht?
Deutsche Anleger neigen zu einem sogenannten „Home Bias“ – einer übermäßigen Konzentration auf den heimischen Aktienmarkt, den DAX. Gleichzeitig blicken viele fasziniert auf die beeindruckende Performance des amerikanischen S&P 500. Die Diskussion, welcher der beiden Indizes „besser“ ist, verfehlt jedoch den Kern einer intelligenten globalen Anlagestrategie. Ein aggressives Portfolio sollte sich weder auf den Heimatmarkt beschränken noch alles auf eine einzige ausländische Wirtschaftsmacht setzen. Die wahre Stärke liegt in der globalen Diversifikation.
Der Blick in die Vergangenheit zeigt, warum eine breitere Streuung entscheidend ist. Während der S&P 500 in den letzten zehn Jahren eine herausragende Performance zeigte und viele andere Märkte in den Schatten stellte, war dies nicht immer so. In anderen Dekaden führten europäische oder asiatische Märkte die globalen Renditerankings an. Auch die einst hochgelobten Schwellenländer konnten ihre Versprechen in der jüngeren Vergangenheit nicht immer einlösen. Tatsächlich schnitt der MSCI Emerging Markets Index in den vergangenen zehn Jahren rund 130 Prozentpunkte schlechter ab als der MSCI World, der stark vom S&P 500 getrieben wurde.
Diese Entwicklung zeigt zwei Dinge: Erstens ist die vergangene Performance kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Zweitens kann die Konzentration auf den Gewinner von gestern (z. B. den S&P 500) dazu führen, die Gewinner von morgen (vielleicht Schwellenländer oder Europa) zu verpassen. Eine Langzeitbetrachtung seit 1994 verdeutlicht dies: Während sich ein Investment in den MSCI World verzehnfachte, konnte sich das in Schwellenländer investierte Geld nur verfünffachen. Die naive Annahme, dass Schwellenländer per se eine höhere Rendite bringen, wurde in der jüngeren Vergangenheit widerlegt.
Die Lehre daraus ist nicht, Schwellenländer zu meiden, sondern eine echte, strategische Diversifikation anzustreben, anstatt zwischen Heimatliebe (DAX) und dem Glanz des jüngsten Gewinners (S&P 500) zu schwanken. Ein klug aufgebautes Portfolio partizipiert an allen Regionen der Welt und gewichtet sie so, dass es nicht von der Performance eines einzelnen Marktes abhängig ist.
Warum Südkorea im MSCI ein Schwellenland ist, im FTSE aber ein Industrieland
Für Anleger, die ihr Portfolio aus mehreren regionalen ETFs selbst konstruieren, lauert eine oft übersehene Falle in den Details der Index-Methodik. Die beiden großen Indexanbieter, MSCI und FTSE, klassifizieren Länder nicht immer identisch. Das prominenteste Beispiel ist Südkorea: eine hochentwickelte, technologiegetriebene Wirtschaft, die von FTSE als Industrieland (Developed Market) eingestuft wird, von MSCI jedoch weiterhin als Schwellenland (Emerging Market) geführt wird. Der Grund für die Einstufung durch MSCI liegt unter anderem in Kriterien wie der eingeschränkten Konvertierbarkeit der Währung (Won) für ausländische Investoren.
Diese unterschiedliche Klassifizierung hat erhebliche praktische Konsequenzen. Wenn ein Anleger einen MSCI World ETF (der Südkorea nicht enthält) mit einem MSCI Emerging Markets ETF kombiniert, ist Südkorea korrekt gewichtet im Portfolio enthalten. Kombiniert er jedoch einen FTSE Developed World ETF (der Südkorea enthält) mit einem MSCI Emerging Markets ETF (der Südkorea ebenfalls enthält), führt dies zu einer Doppelgewichtung und damit zu einem unbeabsichtigten Klumpenrisiko. Im umgekehrten Fall – Kombination eines MSCI World mit einem FTSE Emerging Markets ETF – würde Südkorea komplett im Portfolio fehlen.
Diese Diskrepanzen betreffen nicht nur Südkorea. Auch Polen wird von FTSE als Industrieland, von anderen Anbietern jedoch als Schwellenland eingestuft. Die folgende Tabelle verdeutlicht die unterschiedlichen Zuordnungen und deren potenzielle Auswirkungen.
Die Unterschiede in der Länderklassifizierung zwischen den großen Indexanbietern können zu unbeabsichtigten Übergewichtungen oder Lücken im Portfolio führen, wie eine vergleichende Analyse der Indexzusammensetzungen zeigt.
| Land | MSCI | FTSE | Auswirkung |
|---|---|---|---|
| Südkorea | Schwellenland | Industrieland | Kann fehlen oder doppelt gewichtet werden |
| Polen | Schwellenland | Industrieland | Unterschiedliche Indexzuordnung |
| Griechenland | Schwellenland | Industrieland | Abweichende Gewichtung |
Die wichtigste Regel für die Konstruktion eines Multi-ETF-Portfolios lautet daher: Bleiben Sie innerhalb einer Index-Familie! Kombinieren Sie ausschließlich ETFs, die auf Indizes von MSCI basieren, oder ausschließlich solche, die auf Indizes von FTSE aufbauen. Nur so stellen Sie sicher, dass Ihr Portfolio geografisch vollständig und ohne ungewollte Überschneidungen ist. Diese Detailverliebtheit ist ein Markenzeichen eines echten Portfolio-Architekten.
Das Wichtigste in Kürze
- Standard-Welt-ETFs haben ein hohes US-Klumpenrisiko, das die globale Diversifikation untergräbt.
- Eine strategische Neukonstruktion des Portfolios mit Regionen-ETFs und alternativen Gewichtungen (z.B. BIP) ermöglicht höhere Renditechancen.
- Kostenminimierung (TER, Brokergebühren) und die Beachtung von Index-Details (MSCI vs. FTSE) sind für den langfristigen Erfolg entscheidend.
ETF-Sparplan einrichten: Wie wählen Sie den richtigen Ausführungstag für maximalen Zinseszins?
Bei der Einrichtung eines ETF-Sparplans konzentrieren sich viele Anleger auf vermeintliche Optimierungen, wie die Wahl des „besten“ Ausführungstages im Monat. Die Theorie besagt, dass die Kurse zur Monatsmitte tendenziell niedriger sein könnten als zum Monatsanfang, wenn viele Gehälter fließen. Studien zu diesem Thema zeigen jedoch, dass der Effekt über einen langen Anlagehorizont statistisch vernachlässigbar ist. Der Versuch, durch die Wahl des richtigen Tages einen Renditevorteil zu erzielen, ist eine Form von Market Timing, die dem Grundgedanken des passiven Investierens widerspricht.
Ein ETF-Spezialist lenkt den Fokus von dieser Mikro-Optimierung auf die Faktoren, die wirklich einen Unterschied machen: Konsistenz und Kosten. Viel wichtiger als der Ausführungstag ist die Höhe der Sparrate und die Disziplin, diese konsequent beizubehalten. Langfristig ist es die Zeit im Markt, nicht das Timing des Marktes, die den Zinseszinseffekt maximiert. Analysen bei Finanztip zeigen, dass Sie mit einem breitgestreuten Aktien-ETF langfristig mit einer durchschnittlichen Rendite von sechs Prozent pro Jahr rechnen können – ein Ergebnis, das durch die Wahl des Ausführungstages kaum beeinflusst wird.

Der weitaus größere Hebel zur Renditesteigerung liegt in der Minimierung der Kosten. Gebühren wirken wie eine stetige Bremse auf den Zinseszinseffekt. Ein einfaches Rechenbeispiel verdeutlicht dies: Bei einer monatlichen Sparrate von 100 Euro über 15 Jahre mit einer angenommenen Rendite von 5 % pro Jahr können schon 1,5 % Gebühren pro Ausführung den Endgewinn um rund 400 Euro schmälern. Dieser Betrag übersteigt jeden potenziellen Gewinn durch die Wahl des „perfekten“ Kauftages bei Weitem. Konzentrieren Sie Ihre Energie also darauf, einen günstigen Broker und kosteneffiziente ETFs zu wählen, anstatt sich in Details zu verlieren, die langfristig keine Rolle spielen.
Fragen und Antworten zu Schwellenländer-ETFs
Warum klassifiziert MSCI Südkorea als Schwellenland?
MSCI stuft Südkorea trotz seiner hochentwickelten Wirtschaft weiterhin als Schwellenland ein. Ein Hauptgrund dafür sind Kriterien wie die eingeschränkte Konvertierbarkeit der nationalen Währung (Won) für ausländische Investoren, was die Marktzugänglichkeit nach MSCI-Standards limitiert. FTSE hingegen gewichtet die wirtschaftliche Entwicklung stärker und stuft das Land als Industrienation ein.
Wie vermeidet man Doppelgewichtung von Südkorea?
Die einfachste und sicherste Methode, um eine unbeabsichtigte Doppelgewichtung oder das Fehlen eines Landes wie Südkorea zu vermeiden, ist die Verwendung von ETFs, die alle auf Indizes desselben Anbieters basieren. Kombinieren Sie also nur ETFs aus der MSCI-Familie (z.B. MSCI World + MSCI EM) oder nur ETFs aus der FTSE-Familie (z.B. FTSE Developed + FTSE EM).
Welche anderen Länder werden unterschiedlich klassifiziert?
Neben Südkorea ist Polen ein weiteres bekanntes Beispiel. FTSE stuft Polen bereits als Industrieland ein, während es bei MSCI und anderen Anbietern noch als Schwellenland gilt. Auch Griechenland wird von den Anbietern unterschiedlich zugeordnet. Diese Unterschiede unterstreichen die Notwendigkeit, sich vor dem Aufbau eines Multi-ETF-Portfolios genau mit der Methodik der zugrundeliegenden Indizes zu befassen.