Dividenden-Aktien für passives Einkommen: Wie bauen Sie ein Portfolio auf, das jeden Monat 100 € ausschüttet?

Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Zusammenfassend:

  • Ein stabiler monatlicher Geldfluss entsteht nicht durch die Jagd nach der höchsten Rendite, sondern durch eine durchdachte Portfolio-Architektur.
  • Kombinieren Sie gezielt jährlich zahlende deutsche Aktien (z. B. im Mai) mit quartalsweise zahlenden US-Aktien, um einen lückenlosen Dividenden-Kalender zu erstellen.
  • Maximieren Sie Ihre Netto-Erträge, indem Sie konsequent deutsche Steuervorteile wie den Freistellungsauftrag und die Günstigerprüfung nutzen.

Der Blick auf den Kontoauszug, der eine unerwartete Gutschrift zeigt. Ein kleines, aber regelmäßiges passives Einkommen, das zuverlässig wie ein Uhrwerk auf Ihrem Konto eingeht. Für viele Anleger ist genau dieses Gefühl das ultimative Ziel. Die Dividende, dieser kleine Anteil am Unternehmenserfolg, verspricht einen stetigen Geldstrom, unabhängig von den täglichen Launen der Börse. Es ist der Genuss, die Früchte seiner Investitionen direkt zu ernten, nicht nur als abstrakten Wert im Depot, sondern als echten Euro und Cent.

Der gängige Ratschlag lautet oft, einfach Aktien mit der höchsten Dividendenrendite zu kaufen. Doch dieser Weg ist häufig mit versteckten Risiken gepflastert und führt selten zum gewünschten, gleichmäßigen Einkommensstrom. Viele Anleger in Deutschland kennen die Frustration: Die meisten heimischen Konzerne schütten nur einmal im Jahr aus, was zu einem unregelmäßigen Geldfluss führt. Die Jagd nach zweistelligen Renditen endet nicht selten in schmerzhaften Dividendenkürzungen, wenn das Geschäftsmodell des Unternehmens ins Wanken gerät.

Doch was, wenn das Geheimnis nicht in der Höhe der einzelnen Ausschüttung, sondern im intelligenten Design Ihres Zahlungsstroms liegt? Was, wenn Sie durch eine bewusste Portfolio-Architektur einen kontinuierlichen, monatlichen Geldsegen erschaffen könnten? Dieser Artikel bricht mit dem Mythos der reinen Renditejagd. Stattdessen zeigen wir Ihnen, wie Sie ein robustes und qualitätsorientiertes Dividendenportfolio aufbauen, das Ihnen das Gefühl gibt, jeden Monat eine kleine Gehaltserhöhung zu bekommen. Wir konzentrieren uns auf die strategische Kombination von Märkten und die intelligenten Stellschrauben des deutschen Steuersystems.

In den folgenden Abschnitten erfahren Sie, wie Sie Qualitätsunternehmen identifizieren, die Ausschüttungsrhythmen verschiedener Länder für sich nutzen und Ihr Einkommen steuerlich optimieren. Wir bauen gemeinsam das Fundament für ein Portfolio, das nicht nur Rendite verspricht, sondern vor allem eines liefert: finanzielle Gelassenheit und den Genuss eines regelmäßigen Cashflows.

Warum Unternehmen, die seit 25 Jahren die Dividende steigern, sicherer sind

Im Universum der Dividendenaktien gibt es eine besondere Kategorie von Unternehmen, die bei qualitätsbewussten Einkommens-Investoren hoch im Kurs stehen: die sogenannten Dividendenaristokraten. Dies sind Konzerne, die ihre Dividende seit mindestens 25 aufeinanderfolgenden Jahren nicht nur gezahlt, sondern kontinuierlich gesteigert haben. Diese bemerkenswerte Beständigkeit ist weit mehr als nur eine nette Geste gegenüber den Aktionären; sie ist ein starkes Indiz für ein außergewöhnlich robustes und widerstandsfähiges Geschäftsmodell.

Ein Unternehmen, das über ein Vierteljahrhundert hinweg seine Ausschüttungen erhöhen kann, hat bewiesen, dass es mehrere Wirtschaftszyklen, Krisen und technologische Umbrüche erfolgreich gemeistert hat. Es signalisiert ein diszipliniertes Management, das nachhaltig wirtschaftet und nicht kurzfristigen Gewinnen hinterherjagt. Diese Firmen verfügen typischerweise über starke Wettbewerbsvorteile, eine solide Bilanz und einen stetigen Cashflow, der es ihnen erlaubt, sowohl in das eigene Wachstum zu investieren als auch die Aktionäre am Erfolg zu beteiligen.

Ein Paradebeispiel aus Deutschland ist die Münchener Rück. Als einer der weltweit führenden Rückversicherer hat das Unternehmen eine lange Geschichte stabiler und steigender Dividendenzahlungen und gilt als Inbegriff von Resilienz. Während die durchschnittliche Dividendenrendite im DAX oft zwischen 2 % und 3 % liegt, bieten solche Qualitätsunternehmen vor allem eines: Sicherheit und Vorhersehbarkeit. Für einen Einkommens-Investor ist die Gewissheit, dass die Ausschüttung auch in schwierigen Zeiten nicht nur gezahlt, sondern wahrscheinlich sogar erhöht wird, von unschätzbarem Wert. Es ist das Fundament, auf dem ein verlässliches passives Einkommen aufgebaut wird.

Wie kombinieren Sie Aktien aus USA und Deutschland, um jeden Monat Geld zu erhalten?

Das Ziel, jeden Monat eine Dividendenzahlung zu erhalten, scheint für deutsche Anleger auf den ersten Blick schwierig. Die meisten DAX-Konzerne schütten traditionell nur einmal jährlich aus, meist im Frühjahr nach der Hauptversammlung. Dies führt zu einem ungleichmäßigen Geldfluss: eine große Zahlung im Mai, gefolgt von elf Monaten der Ebbe. Der Schlüssel zu einem stetigen monatlichen Einkommen liegt daher in der intelligenten geografischen Diversifikation und der Nutzung unterschiedlicher Ausschüttungs-Rhythmen.

Hier kommen die US-amerikanischen Unternehmen ins Spiel. In den USA ist es üblich, dass Dividenden quartalsweise gezahlt werden. Ein Konzern wie Coca-Cola oder Microsoft überweist seinen Aktionären also viermal im Jahr einen Anteil am Gewinn. Indem Sie deutsche und amerikanische Qualitätsaktien in Ihrer Portfolio-Architektur kombinieren, können Sie die „Dividenden-Lücken“ gezielt füllen und sich einen eigenen Zahlungsstrom designen. Einige spezialisierte US-Unternehmen, wie der bekannte Immobilien-Investment-Trust (REIT) Realty Income, zahlen ihre Dividende sogar monatlich.

Visualisierung eines diversifizierten Dividendenportfolios mit US und deutschen Aktien

Diese Visualisierung zeigt, wie durch die Kombination verschiedener Märkte ein diversifiziertes Portfolio entsteht. Die Kunst besteht darin, einen „Dividenden-Kalender“ zu erstellen. Sie wählen gezielt Unternehmen aus, deren Ausschüttungsmonate sich ergänzen. Eine deutsche Aktie wie die Allianz zahlt im Mai. Eine US-Aktie könnte im Januar, April, Juli und Oktober zahlen, eine andere im Februar, Mai, August und November. Durch eine geschickte Auswahl von nur wenigen, qualitativ hochwertigen Unternehmen aus beiden Ländern können Sie sicherstellen, dass in fast jedem Monat des Jahres Geld auf Ihrem Konto eingeht.

Quartalsweise vs. Jährliche Dividenden
Land Ausschüttung Beispielaktien Typische Monate
USA Quartalsweise Coca-Cola, Microsoft März, Juni, Sept., Dez.
Deutschland Jährlich Allianz, BASF Mai (nach HV)
REITs (USA) Monatlich Realty Income Jeden Monat

Dieses System verwandelt Ihr Depot von einer reinen Wertanlage in eine aktive Einkommensquelle. Der Fokus verschiebt sich von der reinen Maximierung der Jahresrendite hin zum Design eines zuverlässigen und genussvollen monatlichen Cashflows. Es ist die bewusste Gestaltung, die den Unterschied zwischen einem unregelmäßigen Bonus und einem verlässlichen passiven Einkommen ausmacht.

Ist die Dividende wirklich der neue Zins oder nur eine Entnahme aus der Substanz?

Die Analogie „Dividende ist der neue Zins“ ist populär, aber sie ist technisch ungenau und kann zu Missverständnissen führen. Kritiker weisen zu Recht darauf hin, dass eine Dividende im Kern eine Entnahme aus der Unternehmenssubstanz ist. Am Tag der Ausschüttung (dem „Ex-Tag“) wird der Aktienkurs um den Betrag der Dividende reduziert. Das Geld wird lediglich vom Firmenkonto auf das Konto des Aktionärs verschoben. Es entsteht also nicht „aus dem Nichts“ wie ein Zins auf einem Sparkonto. Das Gesamtvermögen des Anlegers bleibt in diesem Moment unverändert.

Wie boerse.de in seinem Dividenden-Ratgeber hervorhebt, ist die Natur der Dividende eine andere:

Dividenden sind Gewinnanteile, die von Aktiengesellschaften an ihre Aktionäre ausgeschüttet werden. Diese Ausschüttungen erfolgen meist quartalsweise oder jährlich, und dienen dazu, die Aktionäre am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Dividenden eignen sich als hervorragende Möglichkeit, um passives Einkommen aus Investitionen zu generieren, unabhängig von Kursschwankungen.

– boerse.de, boerse.de Dividenden-Ratgeber

Die wahre Kraft der Dividende zeigt sich jedoch über die Zeit. Ein gesundes Unternehmen erwirtschaftet kontinuierlich neue Gewinne. Die ausgeschüttete Dividende ist also nicht nur eine Substanzentnahme, sondern der realisierte Anteil an einem real erwirtschafteten Erfolg. Langfristig wächst das Unternehmen weiter und generiert neue Gewinne, die zukünftige Dividendenzahlungen und Kurssteigerungen ermöglichen.

Der enorme Unterschied wird bei einem Blick auf die deutsche Börsengeschichte deutlich. Eine Analyse der Performance von 2015 bis 2024 zeigt: Während der reine DAX-Kursindex eine jährliche Rendite von 4,25 % erzielte, brachte der DAX-Performanceindex (der die reinvestierten Dividenden berücksichtigt) eine Rendite von 7,34 % pro Jahr. Dieser Unterschied zeigt die immense Bedeutung von Dividenden für den langfristigen Vermögensaufbau. Die Dividende ist also kein Zins, sondern etwas viel Besseres: der greifbare Beweis für die Fähigkeit eines Unternehmens, nachhaltig Wert zu schaffen und diesen mit seinen Eigentümern zu teilen.

Der Fehler, nur auf die höchste Rendite zu schauen: Warum 10 % Dividende oft ein Warnsignal sind

Auf der Suche nach passivem Einkommen wirken Aktien mit einer Dividendenrendite von 8 %, 10 % oder mehr wie ein Lottogewinn. Doch erfahrene Einkommens-Investoren wissen: Eine außergewöhnlich hohe Rendite ist oft kein Zeichen für eine einmalige Chance, sondern ein ernstzunehmendes Warnsignal. Die Dividendenrendite berechnet sich aus der Dividende geteilt durch den Aktienkurs. Eine extrem hohe Rendite entsteht daher oft nicht durch eine hohe Ausschüttung, sondern durch einen stark gefallenen Aktienkurs – ein klares Zeichen, dass der Markt dem Unternehmen misstraut.

Unternehmen in Schwierigkeiten versuchen manchmal, Investoren mit einer hohen Dividende bei Laune zu halten, obwohl sie sich diese eigentlich nicht mehr leisten können. Das Ergebnis ist oft eine sogenannte Dividendenfalle: Der Anleger kauft die Aktie wegen der hohen Rendite, nur um kurz darauf eine drastische Kürzung oder komplette Streichung der Dividende zu erleben. Der Aktienkurs bricht daraufhin oft noch weiter ein, und der Anleger erleidet einen doppelten Verlust.

Warnsignale bei zu hohen Dividendenrenditen erkennen

Ein mahnendes Beispiel aus dem DAX ist der Fall Bayer. Der Konzern war lange für seine üppigen Ausschüttungen bekannt. Doch nach der teuren Übernahme von Monsanto und einer Welle von Schadensersatzklagen geriet das Geschäftsmodell unter Druck. Die Konsequenz: Die Dividende für das Geschäftsjahr 2023 wurde von 2,40 Euro auf nur noch 0,11 Euro pro Aktie gekürzt. Anleger, die kurz zuvor noch von der hohen Rendite gelockt wurden, sahen sich mit einem massiven Einbruch ihres Einkommens konfrontiert.

Ein qualitätsbewusster Investor schaut daher nicht nur auf die Rendite, sondern prüft die Nachhaltigkeit der Dividende. Wichtige Fragen sind: Ist die Ausschüttungsquote (Anteil der Dividende am Gewinn) nachhaltig? Deckt der freie Cashflow die Dividende? Ist die Verschuldung des Unternehmens im Rahmen? Eine gesunde Dividendenrendite für ein solides Unternehmen liegt oft im Bereich von 2 % bis 5 %. Alles, was deutlich darüber liegt, erfordert höchste Vorsicht.

Wann lohnt es sich, den Freistellungsauftrag für Dividenden zu nutzen?

Wer in Deutschland Dividenden oder andere Kapitalerträge erhält, muss darauf grundsätzlich die Abgeltungsteuer in Höhe von 25 % (plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) an die Bank abführen. Doch der Fiskus gewährt jedem Sparer einen Freibetrag, den sogenannten Sparer-Pauschbetrag. Durch das Einrichten eines Freistellungsauftrags bei Ihrer Depotbank können Sie sicherstellen, dass Ihre Dividendenerträge bis zu dieser Höhe komplett steuerfrei bleiben.

Der Sparer-Pauschbetrag ist ein entscheidendes Werkzeug für jeden Einkommens-Investor in Deutschland, um die Netto-Rendite zu maximieren. Aktuell beträgt der Sparer-Pauschbetrag 1.000 Euro pro Person und 2.000 Euro für zusammenveranlagte Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner. Das bedeutet: Alle Dividenden und sonstigen Kapitalerträge bis zu dieser Summe fließen Ihnen brutto für netto zu, ohne dass die Bank automatisch Steuern an das Finanzamt abführt.

Die Nutzung ist denkbar einfach, erfordert aber etwas Planung, insbesondere wenn Sie Konten und Depots bei mehreren Banken haben. Sie können den Gesamtbetrag von 1.000 Euro auf verschiedene Institute aufteilen. Es ist sinnvoll, den Betrag entsprechend der erwarteten Erträge zu verteilen. Erwarten Sie bei Bank A 300 Euro an Dividenden und bei Bank B 500 Euro, richten Sie bei A einen Freistellungsauftrag über 300 Euro und bei B einen über 500 Euro ein. So wird Ihr Freibetrag optimal ausgenutzt. Wichtig ist nur, dass die Summe aller Ihrer Freistellungsaufträge 1.000 Euro (bzw. 2.000 Euro) nicht übersteigt. Eine Anpassung ist in der Regel bis Mitte Dezember des laufenden Jahres möglich.

Ihr Aktionsplan für den Freistellungsauftrag: So sichern Sie sich steuerfreie Dividenden

  1. Status prüfen: Loggen Sie sich in Ihr Online-Banking ein und prüfen Sie bei jeder Bank, ob und in welcher Höhe bereits ein Freistellungsauftrag eingerichtet ist.
  2. Erträge schätzen: Überschlagen Sie, bei welcher Bank Sie im laufenden Jahr wie viele Dividenden und Zinsen erwarten.
  3. Optimal aufteilen: Passen Sie die Höhe der Freistellungsaufträge bei den einzelnen Banken an Ihre geschätzten Erträge an. Richten Sie den Auftrag dort ein, wo die Erträge anfallen.
  4. Steuer-ID bereithalten: Für die Einrichtung oder Änderung eines Freistellungsauftrags benötigen Sie Ihre persönliche Steueridentifikationsnummer.
  5. Jährlich überprüfen: Machen Sie es sich zur Gewohnheit, die Verteilung Ihrer Freistellungsaufträge einmal im Jahr zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen, zum Beispiel wenn Sie ein Depot umschichten.

Wie erhalten Sie Kapitalerträge komplett steuerfrei ausgezahlt, wenn Sie wenig verdienen?

Neben dem Sparer-Pauschbetrag gibt es für bestimmte Personengruppen in Deutschland eine noch weitreichendere Möglichkeit, Steuern auf Dividenden und Zinsen komplett zu vermeiden: die Nichtveranlagungs-Bescheinigung (NV-Bescheinigung). Dieses Instrument ist besonders interessant für Personen mit einem geringen Gesamteinkommen, wie zum Beispiel Studenten, Rentner oder Geringverdiener. Wenn das gesamte zu versteuernde Einkommen (inklusive Kapitalerträgen) unter dem gesetzlichen Grundfreibetrag liegt, müssen keine Steuern gezahlt werden.

Der Grundfreibetrag ist der Teil des Einkommens, der für jeden Bürger steuerfrei ist, um das Existenzminimum zu sichern. Für das Jahr 2025 liegt der Grundfreibetrag bei voraussichtlich 12.096 Euro für Einzelpersonen und 24.192 Euro für Verheiratete. Liegt Ihr gesamtes Jahreseinkommen unter dieser Grenze, können Sie beim Finanzamt eine NV-Bescheinigung beantragen. Diese Bescheinigung legen Sie Ihrer Bank vor, die daraufhin alle Kapitalerträge ohne Abzug der Abgeltungsteuer auszahlt – und zwar in unbegrenzter Höhe, also auch weit über den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro hinaus.

Ein praktisches Beispiel verdeutlicht den Vorteil:

Fallbeispiel: NV-Bescheinigung für eine Studentin

Eine Studentin hat im Jahr 2025 voraussichtlich Einkünfte aus einem Nebenjob von 6.000 Euro. Zusätzlich erwartet sie aus einem geerbten Aktiendepot Dividendenzahlungen in Höhe von 3.000 Euro. Ihr Gesamteinkommen von 9.000 Euro liegt deutlich unter dem Grundfreibetrag von 12.096 Euro. Normalerweise würde die Bank von den 3.000 Euro Dividenden nach Abzug des Sparer-Pauschbetrags (1.000 Euro) auf die restlichen 2.000 Euro Abgeltungsteuer einbehalten. Mit einer NV-Bescheinigung hingegen erhält sie die gesamten 3.000 Euro Dividende komplett steuerfrei ausgezahlt.

Die NV-Bescheinigung ist in der Regel für drei Jahre gültig und muss danach neu beantragt werden. Sie ist ein äußerst effektives Werkzeug für alle, deren Einkünfte unter dem Grundfreibetrag liegen, um die volle Frucht ihrer Kapitalanlagen ohne steuerliche Abzüge zu genießen.

Wie nutzen Sie die traditionell hohe Dividendenrendite deutscher Konzerne richtig?

Deutsche Konzerne sind für ihre Großzügigkeit bei Dividendenzahlungen bekannt. Die 40 im DAX gelisteten Unternehmen haben sich zu wahren Ausschüttungs-Champions entwickelt. Im Jahr 2024 erreichten die DAX-Dividendenzahlungen eine Rekordsumme von 52,9 Milliarden Euro. Insbesondere die Automobilhersteller und Chemiekonzerne locken oft mit Renditen, die weit über dem Marktdurchschnitt liegen.

Diese hohen Renditen können ein wichtiger Baustein in einer Einkommensstrategie sein, doch ihre Nutzung erfordert Augenmaß und eine qualitätsbewusste Herangehensweise. Der Fehler, blind die Aktien mit der höchsten prozentualen Rendite zu kaufen, kann, wie bereits diskutiert, schnell zur Falle werden. Der richtige Weg ist, diese hohen Ausschüttungen als das zu sehen, was sie sind: ein potenziell lukrativer, aber auch zyklischer Teil eines diversifizierten Portfolios.

Die folgende Tabelle zeigt einige der Top-Dividendenzahler im DAX für das Jahr 2024 und verdeutlicht, dass insbesondere in traditionellen deutschen Industriezweigen hohe Renditen zu finden sind.

Top-Dividendenzahler im DAX 2024 (Beispiele)
Unternehmen Dividendenrendite 2024 (ca.) Kategorie
Mercedes-Benz >7% Automobil
Volkswagen >7% Automobil
BASF >7% Chemie
Allianz ~5% Versicherung

Die korrekte Nutzung dieser hohen Renditen bedeutet, sie nicht zu jagen, sondern sie im Kontext zu bewerten. Ein Anleger sollte prüfen: Handelt es sich um ein Unternehmen mit einem stabilen Geschäftsmodell in einer reifen Branche (wie z.B. bei der Allianz) oder ist die hohe Rendite ein Resultat eines gefallenen Kurses aufgrund von Branchenproblemen oder unternehmensspezifischen Krisen? Deutsche Hochdividendenwerte können eine hervorragende Ergänzung sein, um die Gesamtrendite des Portfolios zu steigern, sollten aber stets durch stabilere, international diversifizierte Dividendenaktien (wie z.B. US-Dividendenaristokraten) ausbalanciert werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Qualität vor Rendite: Ein sicheres Dividendeneinkommen basiert auf Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen und langer Ausschüttungshistorie, nicht auf der Jagd nach der höchsten Prozentzahl.
  • Architektur des Geldflusses: Kombinieren Sie gezielt jährlich zahlende deutsche Aktien mit quartalsweise zahlenden US-Aktien, um einen kontinuierlichen, monatlichen Einkommensstrom zu erzeugen.
  • Steuern aktiv gestalten: Nutzen Sie konsequent die deutschen Steuervorteile wie den Sparer-Pauschbetrag (Freistellungsauftrag) und prüfen Sie, ob eine NV-Bescheinigung oder die Günstigerprüfung für Sie vorteilhaft ist.

Abgeltungsteuer optimieren: Wann lohnt sich die Günstigerprüfung statt der pauschalen 25 %?

Für die meisten Anleger in Deutschland ist mit der pauschalen Abgeltungsteuer von 25 % (plus Soli und ggf. Kirchensteuer) die steuerliche Pflicht auf Kapitalerträge erledigt. Die Bank führt den Betrag automatisch ab. Doch es gibt eine wichtige Ausnahme, die vielen Sparern bares Geld sparen kann: die Günstigerprüfung. Dieser Mechanismus ist besonders für Personen relevant, deren persönlicher Einkommensteuersatz unter den 25 % der Abgeltungsteuer liegt.

Die Günstigerprüfung kann im Rahmen der jährlichen Einkommensteuererklärung beantragt werden. Das Finanzamt prüft dann, ob eine Versteuerung der Kapitalerträge mit dem individuellen, niedrigeren Steuersatz für den Steuerpflichtigen günstiger wäre als die pauschale Abgeltungsteuer. Ist dies der Fall, wird der niedrigere Satz angewendet und die zu viel gezahlte Steuer wird erstattet. Dies betrifft typischerweise Personen mit einem geringeren zu versteuernden Einkommen, wie beispielsweise Auszubildende, Studenten, Teilzeitbeschäftigte oder Rentner.

Als Faustregel gilt: Die Günstigerprüfung lohnt sich ab einem persönlichen Steuersatz unter 25 %, was bei einem zu versteuernden Einkommen von unter ca. 18.000 Euro für Ledige (Stand 2024) der Fall ist. Um die Prüfung zu beantragen, muss in der Steuererklärung die Anlage KAP ausgefüllt und dort in Zeile 4 ein Kreuz gesetzt werden. Es ist wichtig, alle Kapitalerträge lückenlos anzugeben, auch wenn bereits Steuern abgeführt wurden. Die Steuerbescheinigungen der Banken liefern hierfür alle notwendigen Informationen.

Dieser Schritt ist ein zentrales Element der Steueroptimierung für Einkommens-Investoren. Er stellt sicher, dass Sie nicht mehr Steuern zahlen als unbedingt nötig und maximiert so Ihr Netto-Dividendeneinkommen. Während der Freistellungsauftrag und die NV-Bescheinigung im Vorfeld wirken, ist die Günstigerprüfung das Korrektiv im Nachhinein – ein oft übersehenes, aber sehr wirkungsvolles Werkzeug für einen intelligenten Umgang mit den eigenen Finanzen.

Jetzt, da Sie die strategischen Säulen für den Aufbau eines monatlichen Dividendenstroms kennen – von der Auswahl qualitätsvoller Unternehmen über die Architektur des Portfolios bis hin zur intelligenten Steueroptimierung – ist der nächste Schritt die Umsetzung. Beginnen Sie noch heute mit der Analyse Ihrer persönlichen Situation und errichten Sie das Fundament für Ihr eigenes, verlässliches passives Einkommen.

Geschrieben von Julia Vonstein, CFA-Charterholderin und ehemalige Fondsmanagerin. Expertin für globale Asset-Allocation, ETF-Strategien und makroökonomische Analysen der Börsenmärkte.