Deutsche Staatsanleihen oder Festgeld: Was ist sicherer, wenn die Bankpleiten zurückkehren?
Die wahre Sicherheit für Ihr Vermögen liegt nicht in der gesetzlichen Einlagensicherung, sondern in der strukturellen Unabhängigkeit vom Bankensystem.
- Festgeld bindet Sie an das Schicksal einer Bank; deutsche Staatsanleihen machen Sie zum direkten Gläubiger des Staates und Ihr Investment zum Sondervermögen.
- Auch „sichere“ Anleihen bergen Risiken wie Zinsänderungen und Inflation, die Sie aber im Gegensatz zu Bankrisiken aktiv steuern und kontrollieren können.
Empfehlung: Bauen Sie einen Sicherheitsbaustein auf, der nicht nur auf Garantien beruht, sondern auf Ihrem eigenen Verständnis und Ihrer Kontrolle über die systemischen Risiken.
Die Erinnerungen an Bankenpleiten und Finanzkrisen sind tief im Bewusstsein deutscher Anleger verankert. Wenn die Nachrichten erneut von wankenden Instituten berichten, stellt sich für sicherheitsorientierte Sparer eine fundamentale Frage: Wohin mit dem Geld, wenn man dem eigenen Kreditinstitut nicht mehr vollends vertraut? Die übliche Antwort verweist oft auf die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Doch was ist mit Vermögen darüber? Und was passiert, wenn das System selbst unter Druck gerät? Viele suchen dann nach der ultimativen Sicherheit, einem Hafen, der jedem Sturm trotzt.
In dieser Debatte stehen sich zwei Bollwerke gegenüber: das klassische Festgeldkonto und die deutsche Staatsanleihe, oft auch als Bundesanleihe bezeichnet. Auf den ersten Blick scheinen beide grundsolide. Das Festgeld bietet einen garantierten Zins und den Schutzschild der Einlagensicherung. Die Staatsanleihe wird von der Bundesrepublik Deutschland, einem Emittenten höchster Bonität, herausgegeben. Doch die wahre Natur von Sicherheit offenbart sich erst im Detail und unter Stressbedingungen. Die Abhängigkeit von einer Bank, selbst mit Einlagensicherung, ist ein systemisches Risiko, das bei Staatsanleihen, die als Sondervermögen im eigenen Depot liegen, nicht existiert.
Doch wenn die eigentliche Lösung nicht in der Wahl zwischen zwei Produkten, sondern im Erreichen einer strukturellen Unabhängigkeit vom Bankensystem liegt? Dieser Artikel geht einen Schritt weiter als der übliche Vergleich. Wir analysieren nicht nur die Produkteigenschaften, sondern die dahinterliegenden Strukturen. Es geht darum, Souveränität als Anleger zu erlangen, indem man die Risiken versteht, die über die bloße Bonität des Schuldners hinausgehen. Wir untersuchen, wie Zinsänderungen, Inflation und die falsche Vorstellung von Diversifikation Ihre Sicherheit untergraben können und wie Sie eine krisenfeste Liquiditäts-Architektur für Ihr Vermögen aufbauen.
Dieser Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden Aspekte, um eine fundierte Entscheidung für den Sicherheitsbaustein in Ihrem Portfolio zu treffen. Wir beleuchten die Mechanismen, die Anleihenkurse beeinflussen, zeigen den praktischen Weg zum Kauf und bewerten die Risiken, die oft im Kleingedruckten verborgen sind.
Inhaltsverzeichnis: Der ultimative Sicherheits-Check für Ihr Vermögen
- Warum können sichere Staatsanleihen an Wert verlieren, wenn die Zinsen steigen?
- Wie kaufen Sie eine Bundesanleihe direkt über Ihr Depot ohne Ausgabeaufschlag?
- Lohnen sich italienische Staatsanleihen für 2 % mehr Rendite oder ist das Risiko zu hoch?
- Die Gefahr negativer Realrenditen: Wenn die Anleihe sicher ist, aber die Kaufkraft schwindet
- Wie bauen Sie eine Leiter aus Anleihen mit verschiedenen Laufzeiten für regelmäßige Liquidität?
- Warum Anleihen im Depot Verluste abfedern, wenn Aktienkurse fallen
- ETF auf den €STR-Zins oder Bankkonto: Wo gibt es die fairsten Zinsen ohne Wechselstress?
- Echte Diversifikation im Portfolio: Warum 10 verschiedene ETFs noch lange keine Risikostreuung garantieren?
Warum können sichere Staatsanleihen an Wert verlieren, wenn die Zinsen steigen?
Für viele Anleger ist es ein Paradox: Man kauft eine deutsche Staatsanleihe, das Sinnbild für Sicherheit, und muss dann zusehen, wie ihr Wert im Depot sinkt. Dieses Phänomen ist kein Fehler im System, sondern eine grundlegende Marktmechanik, die auf dem Verhältnis von Zins und Kurs beruht. Eine Anleihe zahlt einen festen Zins, den sogenannten Kupon, über ihre gesamte Laufzeit. Stellen Sie sich vor, Sie kaufen eine Anleihe mit 1 % Zins. Wenn nun die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen anhebt und neue Anleihen mit 3 % Zins auf den Markt kommen, wird Ihre alte Anleihe unattraktiver. Wer würde noch Ihre Anleihe zum vollen Preis kaufen, wenn es eine neue mit höheren Zinsen gibt?
Um Ihre alte Anleihe für Käufer wieder attraktiv zu machen, muss ihr Preis (der Kurs) fallen. Der Kurs sinkt so weit, bis die Rendite Ihrer alten Anleihe (bestehend aus dem niedrigeren Kupon und dem günstigeren Kaufpreis) wieder mit der Rendite der neuen, höher verzinsten Anleihen konkurrieren kann. Dieser Effekt wird als Zinsänderungsrisiko bezeichnet. Er ist umso stärker, je länger die Restlaufzeit der Anleihe ist. Eine Anleihe mit 30 Jahren Laufzeit reagiert weitaus empfindlicher auf Zinsänderungen als eine mit nur 2 Jahren Restlaufzeit. Die historische Zinswende der EZB, bei der der Einlagenzins bis September 2023 auf 4,0 Prozent stieg, führte genau zu diesem Szenario und verursachte bei vielen Anleihebesitzern deutliche, wenn auch nur buchhalterische Verluste.
Wichtig ist jedoch zu verstehen: Dieser Wertverlust ist nur dann ein realer Verlust, wenn Sie die Anleihe vor ihrer Fälligkeit verkaufen. Halten Sie die Bundesanleihe bis zum Ende der Laufzeit, erhalten Sie den vollen Nennwert (also 100 %) zurück. Der zwischenzeitliche Kursverlust spielt dann keine Rolle mehr. Das Zinsänderungsrisiko ist also primär ein Liquiditäts- und Opportunitätskosten-Risiko, nicht aber ein Bonitätsrisiko wie bei einer drohenden Pleite des Emittenten.
Wie kaufen Sie eine Bundesanleihe direkt über Ihr Depot ohne Ausgabeaufschlag?
Der größte Vorteil von Staatsanleihen im Kontext der Bankensicherheit ist, dass Sie sie direkt erwerben und in Ihrem eigenen Wertpapierdepot verwahren können. Sie sind damit nicht nur Gläubiger des deutschen Staates, sondern halten die Anleihe auch als Sondervermögen. Im Falle einer Bankenpleite Ihres Depotanbieters fallen diese Papiere nicht in die Insolvenzmasse, sondern gehören weiterhin Ihnen. Dieser Aspekt der strukturellen Unabhängigkeit ist für Sicherheitsfanatiker entscheidend. Der Kauf selbst ist unkompliziert und ähnelt dem Kauf einer Aktie.
Der gesamte Prozess findet digital über Ihren Online-Broker statt, ohne dass Sie einen Bankberater benötigen oder Ausgabeaufschläge wie bei vielen Fonds zahlen müssen. Sie benötigen lediglich ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Neobroker. Die Deutsche Finanzagentur, die für die Emission der Bundeswertpapiere zuständig ist, unterstreicht deren Qualität für sicherheitsbewusste Anleger. Wie die Agentur selbst hervorhebt:
Dank der erstklassigen Bonität der Bundesrepublik Deutschland als Emittentin bieten alle Bundeswertpapiere eine hohe Sicherheit für die Rückzahlung und regelmäßigen Erträge des angelegten Geldes. Hinter ihnen steht die Wirtschaftskraft der größten Volkswirtschaft Europas mit ihren Steuereinnahmen und Vermögenswerten.
– Deutsche Finanzagentur, Überblick Bundeswertpapiere
Der Kaufprozess über ein Online-Depot gibt Ihnen die volle Kontrolle und Transparenz über Ihr Investment, was ein zentraler Baustein der Anlegersouveränität ist.

Die visuelle Darstellung unterstreicht die Einfachheit und Klarheit des digitalen Erwerbs. Mit wenigen Klicks können Sie Ihr Kapital direkt in die Hände des stabilsten Schuldners legen, den Deutschland zu bieten hat, und umgehen dabei das Gegenparteirisiko einer einzelnen Bank.
Ihr Aktionsplan für den direkten Anleihenkauf
- Wertpapierdepot eröffnen: Wählen Sie einen Broker, der den Handel von Einzelanleihen anbietet. Viele Direktbanken und Neobroker wie ING, Comdirect, Flatex oder Trade Republic sind hierfür geeignet.
- Bundeswertpapier identifizieren: Suchen Sie die gewünschte Anleihe über ihre Wertpapierkennnummer (WKN) oder ISIN. Die Deutsche Finanzagentur veröffentlicht Listen aller verfügbaren Papiere.
- Orderdetails festlegen: Rufen Sie die Ordermaske auf. Sie müssen den gewünschten Nennwert (z.B. 5.000 €) und den Handelsplatz (z.B. Xetra, Stuttgart) auswählen.
- Limit-Order verwenden: Um nicht zu einem unerwartet hohen Kurs zu kaufen, setzen Sie immer eine Limit-Order. Damit legen Sie den maximalen Preis fest, den Sie bereit sind zu zahlen.
- Kauf prüfen und bestätigen: Überprüfen Sie alle Angaben in der Ordervorschau (Stückzahl, Kurs, Gebühren) sorgfältig, bevor Sie den Kauf verbindlich ausführen.
Lohnen sich italienische Staatsanleihen für 2 % mehr Rendite oder ist das Risiko zu hoch?
Auf der Suche nach etwas mehr Ertrag im sicheren Zinsbereich blicken Anleger oft über die deutschen Grenzen hinaus. Insbesondere Staatsanleihen aus anderen Euro-Ländern wie Italien locken mit höheren Zinsen. Dieser Zinsaufschlag, auch „Spread“ genannt, ist jedoch kein Geschenk, sondern eine Risikoprämie. Die entscheidende Frage für einen sicherheitsorientierten Anleger lautet: Ist die zusätzliche Rendite das zusätzliche Risiko wert? Aktuell ist der Unterschied teils geringer als erwartet. So zeigt sich, dass für eine italienische Anleihe nur 0,2 Prozentpunkte mehr Zinsen gezahlt werden als für eine vergleichbare deutsche Bundesanleihe.
Das höhere Risiko bei italienischen Anleihen (Bonitätsnote oft im BBB-Bereich) im Vergleich zu deutschen (AAA-Rating) hat zwei Hauptkomponenten. Erstens, das Bonitätsrisiko: die Gefahr, dass der italienische Staat seine Schulden nicht mehr vollständig oder pünktlich bedienen kann. Obwohl ein Zahlungsausfall eines Euro-Landes unwahrscheinlich ist, ist er nicht unmöglich. Zweitens, das politische Risiko: Eine instabile politische Lage oder wirtschaftliche Probleme in Italien könnten die Kurse der Anleihen stark unter Druck setzen, viel stärker als bei deutschen Papieren. Während der Euro-Krise 2011/2012 brachen die Kurse südeuropäischer Anleihen massiv ein.
Der entscheidende Unterschied zum Festgeld oder auch zu deutschen Staatsanleihen ist die fehlende Sicherheitsnetz-Struktur. Bei Anleihen gibt es keine Einlagensicherung. Fällt der Emittent aus, droht der Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Rating-Agenturen bewerten dieses Ausfallrisiko. Für einen Anleger, dessen oberste Priorität die absolute Kapitalsicherheit ist, stellt der Griff zu Anleihen mit niedrigerem Rating einen fundamentalen Widerspruch dar. Man tauscht einen kleinen Zinsvorteil gegen ein, wenn auch geringes, aber existentes Risiko eines Kapitalverlusts ein. Für den wahren Sicherheitsfanatiker ist dies in der Regel kein akzeptabler Kompromiss.
Die Gefahr negativer Realrenditen: Wenn die Anleihe sicher ist, aber die Kaufkraft schwindet
Selbst wenn Sie die sicherste deutsche Staatsanleihe halten und am Ende der Laufzeit exakt Ihr eingesetztes Kapital zurückerhalten, lauert eine stille Gefahr: die Inflation. Die nominale Sicherheit – die Garantie, 1.000 Euro zurückzubekommen, wenn man 1.000 Euro investiert hat – ist nur die halbe Miete. Die wahre Sicherheit bemisst sich an der Kaufkraft, also daran, was Sie sich für diese 1.000 Euro in Zukunft noch leisten können. Wenn die Inflationsrate höher ist als der Zins, den Ihre Anleihe abwirft, erleiden Sie einen negativen Realzins. Ihr Geld wird nominal nicht weniger, aber seine reale Kaufkraft schwindet.
Dieses Phänomen der Kaufkraft-Erosion wurde in den letzten Jahren schmerzlich deutlich. Wie eine Analyse zeigt, lag die durchschnittliche Inflationsrate im Jahr 2022 bei 7,9 Prozent in Deutschland. Wer in dieser Zeit eine Anleihe mit 1 % Zinsen hielt, verlor real 6,9 % an Kaufkraft in nur einem Jahr. Das ist ein stiller, aber massiver Vermögensverlust, der die nominale Sicherheit der Anlage ad absurdum führt. Für einen Anleger, der sein Vermögen für den Ruhestand oder zukünftige Generationen erhalten will, ist der Schutz vor Inflation daher ebenso wichtig wie der Schutz vor einem Zahlungsausfall.

Die Visualisierung des schwindenden Geldwerts macht deutlich: Nominale Sicherheit ist eine Illusion, wenn die Kaufkraft dahinschmilzt. Bei der Wahl zwischen Festgeld und Staatsanleihen muss daher immer auch die erwartete Inflationsrate in die Entscheidung einfließen. Eine Anlage, die eine Rendite unterhalb der Inflationsrate bietet, ist im Grunde ein geplantes Verlustgeschäft. Der einzige Trost: Bei negativen Zinsen auf dem Bankkonto wäre der Verlust sogar noch höher und direkter gewesen. Dennoch bleibt die Herausforderung, eine Balance zwischen nominaler Sicherheit und dem Erhalt der realen Kaufkraft zu finden.
Wie bauen Sie eine Leiter aus Anleihen mit verschiedenen Laufzeiten für regelmäßige Liquidität?
Eine der elegantesten Strategien, um die Nachteile einzelner Anleihen – wie das Zinsänderungsrisiko und die feste Kapitalbindung – zu umgehen, ist der Aufbau einer Anleihenleiter (oder Zinsleiter). Anstatt Ihr gesamtes Geld in eine einzige Anleihe mit langer Laufzeit zu stecken, verteilen Sie es auf mehrere Bundesanleihen mit unterschiedlichen Fälligkeiten. Sie könnten beispielsweise je einen Teil Ihres Geldes in Anleihen anlegen, die in 1, 2, 3, 4 und 5 Jahren fällig werden. Diese Struktur bietet eine hervorragende Planbarkeit und Flexibilität.
Der Mechanismus ist einfach: Jedes Jahr wird eine Anleihe fällig und Sie erhalten den Nennwert zurück. Diese freigewordene Liquidität können Sie nun entweder für Ausgaben nutzen oder am „langen Ende“ der Leiter wieder anlegen, also in eine neue 5-jährige Anleihe investieren. Dadurch haben Sie einen regelmäßigen Geldfluss und können gleichzeitig von potenziell gestiegenen Zinsen profitieren, ohne bestehende Anleihen mit Verlust verkaufen zu müssen. Sie schaffen sich so eine eigene, vorhersehbare Liquiditäts-Architektur. Laut der Deutschen Finanzagentur ist eine solche „Bundes-Schatzleiter“ durch die Kombination von Bubills (1 Jahr), Schätzen (2 Jahre), Bobls (5 Jahre) und Bunds (7-30 Jahre) gut umsetzbar.
Diese Strategie ist dem „Festgeld-Hopping“, also der ständigen Jagd nach dem besten Neukundenangebot, in puncto Planbarkeit und Aufwand oft überlegen. Während Sie beim Festgeld an die Laufzeit gebunden sind und bei vorzeitiger Kündigung hohe Verluste riskieren, können Sie eine Anleihe jederzeit an der Börse verkaufen – wenn auch mit potenziellem Kursrisiko. Die Anleihenleiter minimiert dieses Verkaufsrisiko, da Sie durch die jährlichen Fälligkeiten ohnehin regelmäßig liquide Mittel zur Verfügung haben.
Die folgende Tabelle stellt die beiden Ansätze gegenüber und zeigt, wie die Anleihenleiter in vielen für sicherheitsorientierte Anleger wichtigen Punkten überlegen ist.
| Kriterium | Anleihenleiter | Festgeld-Hopping |
|---|---|---|
| Planbarkeit | Sehr hoch – feste Laufzeiten und Zinserträge | Mittel – abhängig von schwankenden Neukundenangeboten |
| Flexibilität | Hoch – vorzeitiger Verkauf an der Börse jederzeit möglich | Gering – Kapital ist bis zum Laufzeitende starr gebunden |
| Strukturelle Sicherheit | Sehr hoch – Sondervermögen im Depot, unabhängig von der Bank | Abhängig von der Einlagensicherung und der Bankenstabilität |
| Verwaltungsaufwand | Initialer Aufbau, danach geringer Aufwand | Kontinuierlich hoch durch ständige Kontoeröffnungen und -wechsel |
| Zinssicherheit | Zins für jede Anleihe bei Kauf fixiert | Zinsen für Neuabschlüsse sind variabel und unsicher |
Warum Anleihen im Depot Verluste abfedern, wenn Aktienkurse fallen
Für Anleger, die nicht nur auf Zinspapiere setzen, sondern auch in Aktien investiert sind, spielen hochwertige Staatsanleihen eine weitere, entscheidende Rolle: die des Stabilisators in Krisenzeiten. In Phasen von Panik und wirtschaftlicher Unsicherheit tendieren Anleger dazu, aus risikoreichen Anlagen wie Aktien zu flüchten und ihr Geld in sogenannte „sichere Häfen“ umzuschichten. Deutsche Staatsanleihen sind weltweit einer der wichtigsten sicheren Häfen. Diese Fluchtbewegung führt zu einer steigenden Nachfrage nach Bundesanleihen.
Nach dem einfachen Gesetz von Angebot und Nachfrage führt diese erhöhte Nachfrage zu steigenden Kursen bei den Anleihen. Während also Ihr Aktiendepot an Wert verliert, gewinnt der Anleiheteil Ihres Portfolios an Wert. Dieser Effekt wird als negative Korrelation bezeichnet. Die Kursgewinne bei den Anleihen können die Verluste bei den Aktien zumindest teilweise abfedern und das Gesamtdepot stabilisieren. Dies ist einer der fundamentalsten Gründe für eine Beimischung von Anleihen in einem diversifizierten Portfolio. Sie wirken wie ein Stoßdämpfer, der die schlimmsten Schwankungen glättet.
Dieses Verhalten ist historisch gut belegt. Ein wichtiger Indikator für die Wertentwicklung deutscher Staatsanleihen ist der Deutsche Rentenindex (REX), der die durchschnittliche Performance eines Korbes von Bundesanleihen misst. In vielen vergangenen Krisen stieg der REX, während der Deutsche Aktienindex (DAX) fiel. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese negative Korrelation keine Garantie ist. In bestimmten Szenarien, wie bei einem plötzlichen, starken Zinsanstieg aus Inflationsangst, können sowohl Aktien als auch Anleihen gleichzeitig fallen. Dennoch haben sich hochwertige Staatsanleihen über lange Zeiträume als verlässlicher Puffer in einem ausgewogenen Depot bewährt.
ETF auf den €STR-Zins oder Bankkonto: Wo gibt es die fairsten Zinsen ohne Wechselstress?
Für den sehr kurzfristig verfügbaren Teil des Vermögens, das klassische Tagesgeld, gibt es mittlerweile eine interessante Alternative aus der Welt der Wertpapiere: Geldmarkt-ETFs. Diese Exchange Traded Funds investieren in sehr kurzfristige Zinspapiere oder bilden einen Referenzzinssatz wie den €STR (€uro Short-Term Rate) ab. Der €STR ist der durchschnittliche Zinssatz, zu dem sich Banken im Euroraum über Nacht gegenseitig Geld leihen. Er gilt als sehr fair und transparent und liegt oft nahe am Einlagenzins der EZB. Ein ETF, der diesen Zins abbildet, bietet Anlegern quasi die Möglichkeit, ihr Geld zu einem Zinssatz zu „parken“, der sich täglich an die Marktkonditionen anpasst.
Der große Vorteil gegenüber dem klassischen Tages- oder Festgeldkonto ist die Flexibilität und Transparenz. Anstatt ständig die Bank wechseln zu müssen, um attraktive Neukundenzinsen zu ergattern, die nach wenigen Monaten wieder fallen, partizipiert man mit einem Geldmarkt-ETF kontinuierlich an der aktuellen Zinsentwicklung. Zudem wird der ETF wie eine Anleihe als Sondervermögen im Depot gehalten und ist nicht auf die 100.000-Euro-Einlagensicherung beschränkt. Dies bietet eine höhere strukturelle Sicherheit bei größeren Beträgen. Zwar können Spitzenangebote beim Festgeld kurzfristig höhere Renditen als Staatsanleihen bieten, doch dieser Vorteil ist oft mit dem Aufwand eines Bankwechsels und einer starren Kapitalbindung verbunden.
Es gibt mehrere solcher ETFs, beispielsweise von Anbietern wie Amundi oder Xtrackers, die den €STR abbilden. Die jährlichen Kosten (TER) sind mit etwa 0,10 % bis 0,15 % sehr gering. Diese Option kombiniert die tägliche Verfügbarkeit eines Tagesgeldkontos mit der strukturellen Sicherheit eines Wertpapiers. Für Anleger, die den Aufwand des „Festgeld-Hoppings“ scheuen und eine faire, marktgerechte Verzinsung für ihre liquide Reserve suchen, sind Geldmarkt-ETFs eine ernstzunehmende und sehr sichere Alternative zum traditionellen Bankkonto.
Das Wichtigste in Kürze
- Deutsche Staatsanleihen bieten durch ihre Verwahrung als Sondervermögen eine strukturelle Unabhängigkeit vom Bankensystem, die über die 100.000-Euro-Einlagensicherung hinausgeht.
- Das größte „stille“ Risiko für nominal sichere Anlagen wie Anleihen und Festgeld ist die Inflation, die die reale Kaufkraft Ihres Vermögens schmälert (negative Realrendite).
- Echte Diversifikation zur Risikosenkung bedeutet, in verschiedene Anlageklassen (z. B. Aktien und Anleihen) zu investieren, nicht nur in viele verschiedene Produkte derselben Klasse.
Echte Diversifikation im Portfolio: Warum 10 verschiedene ETFs noch lange keine Risikostreuung garantieren?
Im Streben nach Sicherheit verfallen viele Anleger dem Trugschluss, dass die Anzahl der Produkte im Depot gleichbedeutend mit Diversifikation ist. Ein Portfolio, das zehn verschiedene Aktien-ETFs auf unterschiedliche Länder und Branchen enthält, fühlt sich zwar breit gestreut an, ist es aber in seiner Essenz nicht. Alle diese ETFs gehören zur selben Anlageklasse: Aktien. In einer globalen Wirtschaftskrise oder einem Börsencrash werden sehr wahrscheinlich alle diese ETFs gleichzeitig an Wert verlieren. Dies ist keine echte Risikostreuung, sondern eine „Scheindiversifikation“.
Wahre Diversifikation bedeutet, das Vermögen auf Anlageklassen zu verteilen, die sich in unterschiedlichen Wirtschaftsszenarien möglichst unabhängig voneinander verhalten. Das klassische Beispiel hierfür ist das 60/40-Portfolio, bei dem 60 % in Aktien und 40 % in hochwertige Staatsanleihen investiert werden. Wie wir gesehen haben, neigen Anleihen dazu, im Wert zu steigen, wenn Aktien fallen. Sie agieren als Puffer und stabilisieren das Gesamtportfolio. Es geht also nicht darum, möglichst viele Papiere zu besitzen, sondern die richtigen, strukturell unterschiedlichen Anlageklassen zu kombinieren.
Die folgende Übersicht verdeutlicht den Unterschied zwischen einer oberflächlichen und einer echten Risikostreuung und deren Auswirkung in Krisenzeiten. Ein Portfolio aus nur zwei Anlageklassen kann einem Portfolio aus zehn Einzelwerten überlegen sein, wenn die richtigen Klassen gewählt wurden.
| Portfolio-Typ | Anzahl ETFs/Anlagen | Echte Diversifikation | Risiko in Krisen |
|---|---|---|---|
| 10 Aktien-ETFs (verschiedene Regionen/Branchen) | 10 | Gering (nur eine Anlageklasse) | Hoch – alle Positionen fallen tendenziell gemeinsam |
| 60% Welt-Aktien-ETF + 40% deutsche Staatsanleihen | 2 | Hoch (zwei unkorrelierte Anlageklassen) | Moderat – Anleihen federn Aktienverluste ab |
| Mix aus Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Immobilien | 4-5 | Sehr hoch (mehrere unterschiedliche Anlageklassen) | Niedrig – Risiken sind auf verschiedene Treiber verteilt |
Nachdem wir die Mechanismen, Risiken und Strategien von Staatsanleihen und Festgeld im Detail beleuchtet haben, wird deutlich: Die Wahl ist keine reine Geschmacksfrage. Sie ist eine strategische Entscheidung über das Maß an Kontrolle, Unabhängigkeit und echter Risikostreuung, das Sie für Ihr Vermögen anstreben. Analysieren Sie jetzt die Struktur Ihres Sicherheitsbausteins, um echte Unabhängigkeit und Krisenfestigkeit zu erreichen.