
Zusammenfassend:
- Die grössten Geld-Lecks sind nicht grosse Anschaffungen, sondern unsichtbare Abos und kleine, tägliche Gewohnheitsausgaben.
- Eine klare Finanz-Architektur wie die 50-30-20-Regel ist wirksamer als jeder kleinteilige Verzicht.
- Ein separates Tagesgeldkonto bei einer anderen Bank ist der beste Schutz für Ihren Notgroschen – vor allem vor Ihnen selbst.
- Der jährliche, aktive Wechsel von Verträgen (Strom, Versicherung) ist keine Option, sondern eine Pflicht für jeden Sparfuchs.
Hand aufs Herz: Kennen Sie das Gefühl, dass am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig ist? Sie haben nicht das Gefühl, über Ihre Verhältnisse zu leben, und doch ist das Konto am Monatsende leer. Viele greifen dann zum klassischen Haushaltsbuch, notieren jeden Cent und versuchen, durch Verzicht die Kontrolle zurückzugewinnen. Dieser Ansatz ist mühsam, frustrierend und scheitert oft nach wenigen Wochen. Er behandelt nur die Symptome, nicht die Ursache.
Das eigentliche Problem liegt tiefer. Es sind nicht die grossen, bewussten Entscheidungen, die Ihr Budget sprengen. Es sind die unsichtbaren Geld-Lecks und der finanzielle Kosten-Autopilot, die Ihr Geld unbemerkt abfliessen lassen. Daueraufträge für Dienste, die Sie kaum nutzen, die psychologische Falle kleiner Beträge und Verträge, die sich stillschweigend zu ungünstigen Konditionen verlängern – das sind die wahren Gegner Ihrer Sparrate. Es ist ein Systemfehler in Ihrem Haushaltsmanagement, kein persönliches Versagen.
Doch was, wenn die Lösung nicht in mehr Disziplin, sondern in einem besseren System liegt? Wenn es nicht darum geht, auf alles zu verzichten, sondern die verborgenen Kostenfallen aufzudecken und durch clevere Automatisierung für sich arbeiten zu lassen? Dieser Artikel wird Ihnen genau das zeigen. Wir decken die grössten Kostenfresser auf, geben Ihnen eine einfache Regel an die Hand, um Ihre Finanzen neu zu strukturieren, und zeigen Ihnen, mit welchen Kniffen Sie dem System ein Schnippchen schlagen – von der Steuererklärung bis zur richtigen Kontoführung.
Um diese versteckten Kosten systematisch aufzudecken und Ihre finanzielle Kontrolle zurückzugewinnen, haben wir diesen Leitfaden strukturiert. Jede Sektion widmet sich einem spezifischen Geld-Leck oder einer Strategie, um Ihr Haushaltsbudget nachhaltig zu optimieren.
Sommaire : Die Systemfehler in Ihrem Budget finden und beheben
- Warum Streaming-Dienste und Fitnessstudios Ihre Sparrate unbemerkt auffressen
- Wie nutzen Sie die 50-30-20-Regel, um Ihre Kosten in den Griff zu bekommen?
- Geräte kaufen oder mieten: Was ist auf Dauer wirklich günstiger für den Geldbeutel?
- Der Fehler der kleinen Ausgaben: Wie 4 € Kaffee am Tag zu einem Vermögen anwachsen
- Wann müssen Sie Strom und Versicherung kündigen, um die Neukunden-Boni mitzunehmen?
- Homeoffice-Pauschale oder Arbeitszimmer absetzen: Was bringt Ihnen am Ende mehr Geld zurück?
- Girokonto oder separates Tagesgeld: Wie schützen Sie den Notgroschen vor dem eigenen Konsum?
- Ihr Nettovermögen berechnen: Zählt das eigene Auto oder die Rentenversicherung wirklich zum Reichtum?
Warum Streaming-Dienste und Fitnessstudios Ihre Sparrate unbemerkt auffressen
Der gefährlichste Gegner für Ihr Budget ist der „Kosten-Autopilot“. Das sind all die monatlichen Abbuchungen für Abonnements, die Sie einmal abgeschlossen haben und die seitdem unbemerkt Ihr Konto belasten. Streaming, Musik, Fitnessstudio, Software-Lizenzen – einzeln wirken diese Beträge harmlos, doch in Summe entpuppen sie sich als massive Geld-Lecks. Eine Studie zeigt, dass Deutsche im Alter von 30 bis 49 Jahren im Schnitt 17,10 Euro pro Monat allein für Streaming-Dienste ausgeben. Aufs Jahr gerechnet sind das über 200 Euro.
Besonders tückisch sind „Abo-Leichen“ – Mitgliedschaften, die Sie bezahlen, aber kaum oder gar nicht nutzen. Das Paradebeispiel ist das Fitnessstudio. Analysen der Hanseatic Bank verdeutlichen das Problem: Etwa 4% der deutschen Fitnessstudio-Mitglieder nutzen ihr Abo nur einmal im Monat oder seltener. Das klingt nach wenig, summiert sich aber bundesweit auf 213,2 Millionen Euro verschwendetes Geld jährlich. Für den Einzelnen bedeutet das bei durchschnittlichen Jahreskosten von 480 Euro schnell einen Betrag, der sich über zehn Jahre auf fast 6.000 Euro summiert – der Gegenwert eines Luxusurlaubs, bezahlt für nichts.
Der erste Schritt zur Kostenkontrolle ist daher radikal einfach: Drucken Sie die Kontoauszüge der letzten drei Monate aus und markieren Sie JEDEN wiederkehrenden Posten. Fragen Sie sich bei jedem einzelnen: „Habe ich diesen Dienst im letzten Monat wirklich aktiv genutzt und brauche ich ihn im nächsten?“ Seien Sie ehrlich. Alles, was Sie nicht mit einem klaren „Ja“ beantworten, wird sofort gekündigt. Das ist keine Frage des Verzichts, sondern der bewussten Entscheidung.
Wie nutzen Sie die 50-30-20-Regel, um Ihre Kosten in den Griff zu bekommen?
Nachdem Sie die unnötigen Abos gekündigt haben, brauchen Sie eine neue Finanz-Architektur, die verhindert, dass neue Geld-Lecks entstehen. Die 50-30-20-Regel ist hierfür das perfekte, einfache Gerüst. Statt penibel jeden Cent zu verfolgen, teilen Sie Ihr monatliches Nettoeinkommen in drei grosse Töpfe auf. Dieses System verlagert den Fokus von kleinlichem Sparen auf eine strategische Zuweisung Ihrer Mittel und schafft so Klarheit und Kontrolle, ohne den Alltag zu belasten.
Die Aufteilung ist simpel und effektiv:
- 50 % für Fixkosten: Dieser grösste Teil deckt alle Ihre grundlegenden Bedürfnisse ab. Dazu gehören Miete oder Kreditrate, Nebenkosten, Versicherungen, Transportkosten und Lebensmittel.
- 30 % für Wünsche: Dieser Topf ist für alles, was Ihr Leben schöner macht: Hobbys, Restaurantbesuche, Urlaub, Shopping oder eben die Streaming-Dienste, die Sie wirklich nutzen.
- 20 % für Sparen und Investieren: Dieser Betrag geht direkt in Ihre finanzielle Zukunft. Er dient dem Aufbau eines Notgroschens, der Altersvorsorge (z.B. über einen ETF-Sparplan) und der Tilgung von Schulden (ausser Hypotheken).
Der entscheidende Trick dabei ist die Automatisierung. Richten Sie direkt nach Gehaltseingang Daueraufträge ein, die die 30%- und 20%-Anteile auf separate (Unter-)Konten überweisen. So ist das Geld für Wünsche und Sparen von Ihren Fixkosten getrennt. Sie sehen auf einen Blick, wie viel Budget für Freizeit wirklich übrig ist, und Ihr Sparziel erreichen Sie automatisch.

Die Visualisierung zeigt deutlich, wie diese Struktur Klarheit schafft. Anstatt aus einem einzigen grossen Topf zu leben, haben Sie klar definierte Budgets. Das macht Ausgabenentscheidungen einfacher und schützt Sie davor, versehentlich Geld auszugeben, das eigentlich für die Miete oder Ihre Altersvorsorge gedacht war.
Ihr Aktionsplan: Die 50-30-20-Regel mit deutschen Banking-Apps umsetzen
- Ausgaben trennen: Analysieren Sie Ihre Kontoauszüge und kategorisieren Sie alle Ausgaben der letzten drei Monate klar in Fixkosten (50%) und variable Wünsche (30%).
- Daueraufträge einrichten: Legen Sie direkt nach Gehaltseingang Daueraufträge an, die die 20% Sparrate und die 30% für Wünsche auf separate Unterkonten oder Tagesgeldkonten überweisen.
- Budgettöpfe nutzen: Verwenden Sie die Funktionen moderner Banking-Apps wie N26, Vivid oder C24, um virtuelle „Töpfe“ für Ihre Budgets anzulegen und die Aufteilung zu automatisieren.
- Sparziele definieren: Legen Sie fest, wofür die 20% verwendet werden sollen – zum Beispiel 10% für den Notgroschen, 10% in einen ETF-Sparplan.
- Quartalsweise prüfen: Kontrollieren Sie alle drei Monate, ob die Prozentsätze noch zu Ihrer Lebenssituation passen (z.B. nach einer Gehaltserhöhung) und passen Sie die Beträge an.
Geräte kaufen oder mieten: Was ist auf Dauer wirklich günstiger für den Geldbeutel?
Die Frage, ob man technische Geräte wie Smartphones, Laptops oder sogar Haushaltsgeräte kaufen oder mieten sollte, wird immer relevanter. Mieten lockt mit niedrigen monatlichen Raten und dem Versprechen, immer die neueste Technik zu nutzen. Kaufen hingegen bedeutet hohe Anfangskosten, aber dafür gehört das Gerät Ihnen. Für den reinen Sparfuchs ist die Antwort meist eindeutig: Langfristig ist der Kauf fast immer günstiger. Ein Mietvertrag über 24 Monate übersteigt oft den Neupreis des Geräts, ohne dass Sie am Ende einen Restwert besitzen.
Mieten kann nur in sehr spezifischen Fällen sinnvoll sein: wenn Sie ein Gerät nur für einen kurzen, klar definierten Zeitraum benötigen (z.B. eine spezielle Kamera für ein Projekt) oder wenn Sie beruflich zwingend immer das allerneuste Modell benötigen und die Kosten steuerlich absetzen können. Für den privaten Gebrauch ist das „Pay-per-Use“-Modell oft eine teure Bequemlichkeitsfalle. Eine solidere Strategie ist der Kauf von qualitativ hochwertigen Geräten, die länger halten, oder der gezielte Kauf von Vorjahresmodellen oder generalüberholter „Refurbished“-Ware, was oft bis zu 40% des Neupreises spart.
Die grösste finanzielle Hebelwirkung haben jedoch nicht Entscheidungen über einzelne Geräte, sondern grosse, strukturelle Weichenstellungen. Eine davon ist die Wahl des Wohnortes, besonders in Zeiten des Homeoffice. Hierzu liefert Sally Peters vom Institut für Finanzdienstleistungen (iff) eine eindrucksvolle Zahl, die zum Nachdenken anregt:
Wer die Möglichkeit hat, im Homeoffice zu arbeiten, kann sich im Umland umschauen. Eine Analyse zeigt: Es lässt sich bis zu 41% Wohnungsmiete sparen, wenn man eine Stunde Fahrzeit aus der Stadt rauszieht.
– Sally Peters, Institut für Finanzdienstleistungen (iff)
Dieser Punkt macht deutlich: Während wir über 10 Euro Mietkosten für ein Smartphone nachdenken, schlummert bei den Wohnkosten oft ein Sparpotenzial von mehreren hundert Euro pro Monat. Eine solche Entscheidung hat einen weitaus grösseren Einfluss auf Ihr Nettovermögen als jede Konsumentscheidung.
Der Fehler der kleinen Ausgaben: Wie 4 € Kaffee am Tag zu einem Vermögen anwachsen
„Ach, die paar Euro machen doch nichts aus.“ Dieser Gedanke ist eine der grössten psychologischen Fallen auf dem Weg zur Kostenkontrolle. Es ist die „Latte-Macchiato-Falle“: Kleine, fast unbemerkte tägliche Ausgaben, die sich über die Zeit zu erstaunlichen Summen addieren. Der Kaffee auf dem Weg zur Arbeit, das belegte Brötchen vom Bäcker, die Zeitschrift am Kiosk – einzeln betrachtet sind sie unbedeutend, doch ihre Regelmässigkeit macht sie zu einem stillen Budget-Killer.
Die Mathematik dahinter ist ernüchternd. Wie Berechnungen der Sparkasse aufzeigen, summieren sich beispielsweise 4 Euro, die täglich ausgegeben werden, auf 1.460 Euro pro Jahr. Das ist mehr als ein Monats-Nettogehalt für viele Menschen – ausgegeben für Dinge, an die man sich am Abend schon nicht mehr erinnert. Hier geht es nicht darum, sich nie wieder etwas zu gönnen. Es geht darum, sich die kumulative Wirkung dieser unbewussten Ausgaben klarzumachen.
Anstatt sich nun mit einer App zu kasteien und jeden Kaffee zu tracken, gibt es eine viel wirksamere, psychologisch fundierte Methode, die vom Beratungsdienst Geld und Haushalt empfohlen wird: die Anti-Budget-Methode für Spontanausgaben. Sie funktioniert so:
Fallbeispiel: Die Anti-Budget-Methode mit Bargeld
Anstatt alle kleinen Ausgaben digital zu verfolgen, legen Sie einen festen Betrag pro Woche für solche Spontankäufe fest (z.B. 25 Euro). Diesen Betrag heben Sie am Montag in bar ab und stecken ihn in ein separates Fach Ihres Portemonnaies. Alle Kaffees, Snacks und Spontankäufe werden ausschliesslich von diesem Bargeld bezahlt. Der Vorteil ist doppelt: Sie haben eine klare, visuelle und haptische Kontrolle über Ihr verbleibendes Budget. Ist das Geld weg, ist das Budget für die Woche aufgebraucht. Studien belegen, dass die physische Handlung des Bezahlens mit Bargeld einen „Zahlschmerz“ auslöst, der bei der kontaktlosen Kartenzahlung fehlt. Laut Geld und Haushalt führt diese Methode zu einer nachweislichen Reduktion der Ausgaben um bis zu 20%.
Diese Methode ist ein perfekter „System-Fix“. Sie bekämpft die Unachtsamkeit digitaler Zahlungen mit der bewussten Wahrnehmung von Bargeld und setzt ein klares, leicht zu kontrollierendes Limit, ohne dass Sie jeden einzelnen Beleg sammeln müssen.
Wann müssen Sie Strom und Versicherung kündigen, um die Neukunden-Boni mitzunehmen?
Ein weiterer Bereich, in dem der Kosten-Autopilot unbemerkt Geld verbrennt, sind laufende Verträge für Strom, Gas, Internet und Versicherungen. Anbieter locken Neukunden mit attraktiven Boni und günstigen Preisen im ersten Jahr. Wer jedoch aus Bequemlichkeit im Vertrag bleibt, rutscht oft ab dem zweiten Jahr in einen teureren Standardtarif. Loyalität wird hier nicht belohnt, sondern bestraft. Der aktive, jährliche Wechsel ist daher für jeden Sparfuchs absolute Pflicht.
Glücklicherweise hat der Gesetzgeber die Rechte der Verbraucher in den letzten Jahren gestärkt. Seit März 2022 können viele Verträge, wie für Internet oder Fitnessstudios, nach der initialen Mindestlaufzeit von meist 24 Monaten einfach monatlich gekündigt werden. Das senkt die Hürde für einen Wechsel erheblich. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die Kündigungsfristen im Blick zu behalten. Hier ist ein kurzer Überblick über die wichtigsten Stichtage in Deutschland:
- Kfz-Versicherung: Der absolute Klassiker. Der Stichtag für die Kündigung ist fast immer der 30. November, um zum 1. Januar des Folgejahres zu wechseln. Ein Wechsel kann oft mehrere hundert Euro pro Jahr sparen.
- Strom & Gas: Die Kündigungsfrist beträgt meist einen Monat zum Ende der Vertragslaufzeit. Tragen Sie sich eine Erinnerung drei Monate vor Vertragsende in den Kalender, um in Ruhe vergleichen zu können.
- Sonderkündigungsrecht: Das ist Ihre stärkste Waffe! Jedes Mal, wenn Ihr Anbieter den Preis erhöht, haben Sie ein sofortiges Sonderkündigungsrecht. Nutzen Sie es konsequent.
Setzen Sie sich einmal im Jahr, zum Beispiel im Oktober, hin und überprüfen Sie all diese Verträge. Nutzen Sie dafür Vergleichsportale wie Verivox oder Check24. Der Zeitaufwand von ein bis zwei Stunden amortisiert sich durch die Ersparnis von oft mehreren hundert Euro pro Jahr mehr als deutlich. Das ist kein „Sparen“ im Sinne von Verzicht, sondern das clevere Einfordern von Geld, das Ihnen zusteht.
Homeoffice-Pauschale oder Arbeitszimmer absetzen: Was bringt Ihnen am Ende mehr Geld zurück?
Die Steuererklärung ist für viele ein lästiges Übel, aber für Sparfüchse ist sie eine Goldgrube. Besonders im Bereich Homeoffice hat der Staat Möglichkeiten geschaffen, sich einen Teil der Kosten vom Finanzamt zurückzuholen. Die zentrale Frage lautet dabei: Soll ich die einfache Homeoffice-Pauschale nutzen oder ein vollwertiges Arbeitszimmer absetzen? Die Antwort hängt von Ihrer individuellen Wohn- und Arbeitssituation ab und kann einen Unterschied von hunderten Euro bei der Steuererstattung ausmachen.
Die Homeoffice-Pauschale ist die einfache Lösung. Sie können für jeden Tag, den Sie überwiegend von zu Hause gearbeitet haben, 6 Euro geltend machen, gedeckelt bei maximal 210 Tagen pro Jahr. Das ergibt eine maximale Pauschale von 1.260 Euro. Dafür müssen Sie keine Nachweise über Kosten erbringen und benötigen auch kein separates Zimmer. Es reicht ein Schreibtisch in der Ecke des Wohnzimmers. Diese Pauschale wird in die Werbungskostenpauschale von 1.230 Euro (Stand 2023) eingerechnet, lohnt sich also erst, wenn Ihre gesamten Werbungskosten diesen Betrag übersteigen.
Das Arbeitszimmer abzusetzen ist komplizierter, kann sich aber mehr lohnen. Voraussetzung ist ein separater, abschliessbarer Raum, der fast ausschliesslich beruflich genutzt wird. Wenn das Arbeitszimmer den „Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen Tätigkeit“ darstellt, können Sie alle anteiligen Kosten (Miete, Strom, Heizung, Reinigung) unbegrenzt absetzen. Ist es nicht der Mittelpunkt, aber Sie haben keinen anderen Arbeitsplatz, ist der Abzug auf 1.250 Euro pro Jahr begrenzt. Der folgende Vergleich zeigt die Unterschiede auf einen Blick:
| Kriterium | Homeoffice-Pauschale | Arbeitszimmer |
|---|---|---|
| Maximalbetrag | 1.260€/Jahr (6€ x 210 Tage) | 1.250€ oder unbegrenzt |
| Voraussetzungen | Keine besonderen | Mittelpunkt der Tätigkeit oder kein anderer Arbeitsplatz |
| Nachweis | Einfache Erklärung | Grundriss, Fotos, Belege für anteilige Kosten |
| Steuerersparnis (bei 45.000€ zu verst. Einkommen) | ca. 420€ | ca. 415€ – 500€+ |
Fazit: Für die meisten Angestellten, die nur gelegentlich im Homeoffice sind, ist die Pauschale der einfachste und oft ausreichendste Weg. Wer jedoch ein dediziertes Arbeitszimmer hat und hohe anteilige Miet- und Nebenkosten nachweisen kann, sollte den Aufwand des Absetzens in Betracht ziehen, da hier das Sparpotenzial deutlich höher sein kann.
Girokonto oder separates Tagesgeld: Wie schützen Sie den Notgroschen vor dem eigenen Konsum?
Einen Notgroschen aufzubauen, ist die Basis finanzieller Stabilität. Er ist Ihr Puffer für unvorhergesehene Ausgaben wie eine Autoreparatur oder den Austausch der Waschmaschine. Die meisten Experten, wie auch die von Finanzfluss, empfehlen als Expertenstandard, mindestens drei Netto-Monatsgehälter als Notgroschen zurückzulegen. Doch wohin mit diesem Geld? Viele lassen es einfach auf dem Girokonto liegen – ein fataler Systemfehler.
Liegt der Notgroschen auf dem Girokonto, vermischt er sich mit Ihrem täglichen Ausgabengeld. Der Kontostand wirkt dadurch künstlich hoch, was zu unbedachten Käufen verleitet. Sie geben Geld aus, das eigentlich für Notfälle reserviert war. Der psychologische Trick, um sich selbst auszutricksen, ist die räumliche Trennung. Der Notgroschen gehört auf ein separates Tagesgeldkonto, idealerweise bei einer komplett anderen Bank als Ihr Girokonto. Diese kleine Hürde hat einen grossen Effekt:
- Mentale Trennung: Das Geld ist „aus den Augen, aus dem Sinn“. Sie sehen es nicht bei jedem Login ins Online-Banking und kommen nicht in Versuchung, es für spontane Wünsche anzuzapfen.
- Physische Hürde: Um an das Geld zu kommen, müssen Sie es aktiv von der einen Bank auf die andere überweisen. Dieser kleine Zeitverzug reicht oft aus, um Impulskäufe zu überdenken.
- Zinssicherheit: Tagesgeldkonten bieten, anders als die meisten Girokonten, wieder Zinsen. So wird Ihr Notgroschen nicht nur geschützt, sondern vermehrt sich sogar langsam.
Richten Sie einen monatlichen Dauerauftrag von Ihrem Girokonto auf das Tagesgeldkonto ein. Beginnen Sie mit einem kleinen Betrag, den Sie nicht spüren, z.B. 5-10% Ihres Nettoeinkommens. Automatisieren Sie den Prozess, sodass Sie gar nicht mehr darüber nachdenken müssen. So bauen Sie Ihren finanziellen Schutzwall stetig auf, ohne dass er im Alltagsgetümmel untergeht.
Das Wichtigste in Kürze
- Auditieren Sie den Autopiloten: Der grösste Feind Ihrer Sparrate sind nicht bewusste Ausgaben, sondern ungenutzte Abos und Verträge, die im Hintergrund laufen. Kündigen Sie radikal alles, was Sie nicht aktiv nutzen.
- Bauen Sie eine Finanz-Architektur: Die 50-30-20-Regel und die Trennung von Konten (Giro, Tagesgeld) schaffen ein System, das Sie vor sich selbst schützt und Sparen automatisiert.
- Nutzen Sie psychologische Tricks: Bekämpfen Sie die Falle der kleinen Ausgaben, indem Sie für Spontankäufe ein wöchentliches Bargeld-Budget nutzen. Der physische „Zahlschmerz“ ist Ihr Verbündeter.
Ihr Nettovermögen berechnen: Zählt das eigene Auto oder die Rentenversicherung wirklich zum Reichtum?
Nachdem Sie die Geld-Lecks in Ihrem Haushalt gestopft und eine solide Finanz-Architektur aufgebaut haben, stellt sich die Frage: Wie messe ich meinen Fortschritt? Die ultimative Kennzahl für Ihre finanzielle Gesundheit ist das Nettovermögen. Es ist die ehrliche Bilanz Ihres Besitzes und zeigt Ihnen, wo Sie wirklich stehen. Es geht dabei nicht darum, „reich“ zu sein, sondern darum, finanzielle Souveränität zu erlangen. Die Berechnung ist simpel: Addieren Sie alle Ihre Vermögenswerte und ziehen Sie alle Ihre Schulden ab.
Vermögenswerte (Assets):
- Guthaben auf Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten
- Wert Ihrer Depots (Aktien, ETFs)
- Rückkaufswert von privaten Renten- oder Lebensversicherungen
- Marktwert von Immobilien (abzüglich der Restschuld)
- Andere wertvolle Gegenstände (z.B. Edelmetalle, Kunst)
Schulden (Liabilities):
- Restschulden von Krediten (Immobilien, Auto, Konsum)
- Dispo-Schulden auf dem Girokonto
- Studienkredite (z.B. BAföG)
Ein häufiger Fehler ist, bestimmte Dinge falsch zu bewerten. Das eigene Auto ist zum Beispiel in den meisten Fällen kein Vermögenswert, der im Wert steigt, sondern ein Konsumgut mit massivem Wertverlust. Es zählt nur mit seinem aktuellen, meist geringen Wiederverkaufswert in die Bilanz. Ebenso gehören Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung nicht zum Nettovermögen, da sie nicht veräusserbar sind. Es geht um das, was Ihnen heute real gehört. Die regelmässige Berechnung Ihres Nettovermögens (z.B. einmal im Jahr) ist der beste Kompass, um zu sehen, ob Ihre Spar- und Investitionsstrategien Früchte tragen.
Beginnen Sie noch heute damit, einen dieser Systemfehler in Ihrem Haushalt zu beheben und die Kontrolle zurückzugewinnen. Ihr zukünftiges Ich wird es Ihnen danken.
Häufig gestellte Fragen zum Nettovermögen
Zählt die gesetzliche Rente zum Nettovermögen?
Nein, Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung gehören NICHT zum Nettovermögen, da sie nicht kapitalisierbar sind. Sie sind ein Anspruch auf zukünftige Zahlungen, aber kein heute verfügbarer Vermögenswert.
Wie bewerte ich eine Lebensversicherung?
Für die Berechnung des Nettovermögens zählt ausschliesslich der aktuelle Rückkaufswert der Police, also der Betrag, den Sie heute bei einer Kündigung erhalten würden. Die prognostizierte Ablaufleistung in der Zukunft ist irrelevant.
Gehört das selbstgenutzte Eigenheim dazu?
Ja, das selbstgenutzte Eigenheim ist ein wesentlicher Teil des Nettovermögens. Sie setzen den aktuellen, realistischen Marktwert an und ziehen davon die noch offene Restschuld Ihres Immobilienkredits ab.