Geld auf einlagengesicherten Konten im Ausland: Wie sicher sind Hochzins-Banken in Osteuropa wirklich?
Entgegen der Annahme, die 100.000-Euro-Garantie sei innerhalb der EU überall gleich, hängt die wahre Sicherheit Ihres Geldes von der Finanzkraft und der rechtlichen Struktur des jeweiligen nationalen Sicherungsfonds ab.
- Ein hoher Zins im Ausland ist nur so gut wie die Bonität des Landes und seines Einlagensicherungssystems, das im Krisenfall die Entschädigung tatsächlich leisten muss.
- Es besteht ein fundamentaler Unterschied, ob ein Staat direkt für Einlagen haftet oder ob es sich um einen privat finanzierten Fonds der Banken handelt.
Empfehlung: Prüfen Sie vor einer Anlage im Ausland nicht nur den Zinssatz und das Länderrating, sondern auch die Deckungsquote und die rechtliche Ausgestaltung des nationalen Sicherungssystems, um das tatsächliche Risiko einschätzen zu können.
Die Jagd nach attraktiven Zinsen führt deutsche Sparer immer häufiger über die Landesgrenzen hinaus. Plattformen wie WeltSparen oder Zinspilot locken mit Tages- und Festgeldangeboten aus Frankreich, Malta oder osteuropäischen Ländern, die die heimischen Konditionen oft deutlich übertreffen. Das beruhigende Argument ist stets dasselbe: Dank der EU-weit harmonisierten Einlagensicherung sei das Geld bis zu einer Höhe von 100.000 Euro pro Kunde und Bank genauso sicher wie in Deutschland. Doch diese weitverbreitete Annahme ist eine gefährliche Vereinfachung.
Die Sicherheit einer Bankeinlage ist ein vielschichtiges Konstrukt, das weit über die reine Existenz einer EU-Richtlinie hinausgeht. Die wahre Frage ist nicht, *ob* eine Garantie auf dem Papier existiert, sondern *wie* sie im Ernstfall durchgesetzt wird. Die entscheidenden Faktoren sind die wirtschaftliche Stärke des jeweiligen Landes, die finanzielle Ausstattung des nationalen Sicherungsfonds und – ein oft übersehener, aber kritischer Punkt – die rechtliche Frage, wer am Ende wirklich haftet: ein privater Verband der Banken oder der Staat selbst mit seiner gesamten Finanzkraft. Für Zinsjäger ist es daher unerlässlich, hinter die Kulissen der Hochglanzprospekte zu blicken und die juristischen und ökonomischen Realitäten zu verstehen.
Dieser Leitfaden analysiert die feinen, aber entscheidenden Unterschiede in der europäischen Einlagensicherung. Wir beleuchten, wie die Entschädigung in der Praxis funktioniert, wo die Fallstricke bei Fremdwährungen lauern und welche Strategien Sie anwenden können, um die Sicherheit Ihres Vermögens zu maximieren, ohne auf Rendite verzichten zu müssen. Es ist an der Zeit, die Risiken differenziert zu betrachten.
Inhaltsverzeichnis: Die wahre Sicherheit von Auslandsanlagen verstehen
- Warum die 100.000 € Garantie in Frankreich genauso gilt wie in Deutschland
- Wie kommen Sie an Ihr Geld, wenn eine maltesische Bank pleitegeht (Dauer und Sprache)?
- Haftet der Staat oder nur ein privater Bankenverband: Wo liegt der feine Unterschied?
- Die Falle bei Fremdwährungskonten: Warum 10 % Zinsen in Türkischer Lira ein Verlustgeschäft sind
- Wann müssen Sie Ihr Vermögen aufteilen, um nirgends die 100.000 € Grenze zu reißen?
- Lohnen sich italienische Staatsanleihen für 2 % mehr Rendite oder ist das Risiko zu hoch?
- Warum Neukundenangebote oft Lockvögel sind und wann sich der ständige Bankwechsel lohnt
- Tagesgeld oder Festgeld: Wohin mit dem Notgroschen bei sinkenden Leitzinsen?
Warum die 100.000 € Garantie in Frankreich genauso gilt wie in Deutschland
Die Grundlage für das Vertrauen in europäische Banken ist die EU-Richtlinie 2014/49/EU, die eine gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Kunde und Bank vorschreibt. Dieser Betrag ist in der gesamten EU harmonisiert. Ein Konto bei einer französischen Bank ist somit durch das französische System, den Fonds de Garantie des Dépôts et de Résolution (FGDR), in gleicher Höhe geschützt wie ein Konto in Deutschland durch die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB). Der entscheidende Punkt für deutsche Sparer ist jedoch die praktische Abwicklung im Entschädigungsfall. Hier greift ein Kooperationsmechanismus, der den Prozess erheblich vereinfacht.
Sollte eine französische Bank insolvent werden, müssen Sie sich nicht an die französischen Behörden wenden. Die deutsche EdB agiert als „Abwicklungsagentur“ für den französischen FGDR. Das bedeutet, die EdB benachrichtigt Sie automatisch auf Deutsch, stellt Ihnen die notwendigen Antragsformulare in Ihrer Sprache zur Verfügung und zahlt die Entschädigung innerhalb der gesetzlichen Frist von sieben Arbeitstagen direkt auf Ihr deutsches Referenzkonto aus. Dieser reibungslose Ablauf zwischen den Sicherungssystemen großer, stabiler EU-Länder wie Deutschland (S&P-Rating: AAA) und Frankreich (S&P-Rating: AA) sorgt dafür, dass die Garantie nicht nur auf dem Papier besteht, sondern auch in der Praxis unkompliziert durchgesetzt wird.
Interessanterweise ist der französische Sicherungsfonds sogar etwas besser kapitalisiert als der deutsche. Wie eine aktuelle Analyse der Deckungsquoten zeigt, lag diese in Frankreich bei 0,73 %, während Deutschland einen Wert von 0,68 % aufwies. Dies unterstreicht, dass die Sicherheit in etablierten EU-Wirtschaften auf einem vergleichbar hohen Niveau liegt.
Die Sorge vor einer Anlage in Frankreich ist für deutsche Sparer daher unbegründet, solange es sich um Euro-Konten bei lizenzierten Kreditinstituten handelt. Der Prozess ist so gestaltet, dass Sie von der Insolvenz bis zur Auszahlung vollständig in Deutschland und in deutscher Sprache betreut werden.
Wie kommen Sie an Ihr Geld, wenn eine maltesische Bank pleitegeht (Dauer und Sprache)?
Während der Entschädigungsprozess zwischen großen Ländern wie Deutschland und Frankreich reibungslos funktioniert, können bei Bankenpleiten in kleineren EU-Staaten wie Malta praktische Hürden auftreten. Auch hier gilt die 100.000-Euro-Garantie, und die Auszahlungsfrist von sieben Arbeitstagen ist gesetzlich verankert. Die Realität der Abwicklung kann sich jedoch komplexer gestalten. Im Falle einer maltesischen Bankenpleite wird der dortige „Depositor Compensation Scheme“ (DCS) aktiv, sobald die maltesische Finanzaufsicht (MFSA) den Entschädigungsfall feststellt.
Für deutsche Kunden übernimmt zwar auch hier die deutsche EdB die Erstkommunikation, doch der eigentliche Antragsprozess findet oft direkt beim maltesischen DCS statt. Das bedeutet konkret: Sie müssen das Antragsformular wahrscheinlich online und in englischer Sprache ausfüllen. Zusätzlich müssen Dokumente wie eine Kopie des Personalausweises, aktuelle Kontoauszüge und Ihre deutsche Steuer-Identifikationsnummer digital hochgeladen werden. Obwohl die EU-Regularien eine schnelle Entschädigung vorsehen, können solche bürokratischen und sprachlichen Hürden den Prozess für den einzelnen Sparer erschweren und potenziell verzögern.
Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit zeigt, dass die Einlagensicherung als letztes Mittel fungiert. Als die Sberbank Europe mit Sitz in Österreich im März 2022 in Schieflage geriet, wurde der Entschädigungsfall ausgerufen. Eine drohende Insolvenz und die Auszahlung durch das Sicherungssystem konnten jedoch abgewendet werden. Wie eine Analyse des Falls zeigt, gelang es durch den Verkauf von Vermögenswerten, die gesamte Entschädigungssumme von 926 Millionen Euro aufzubringen, ohne den Fonds selbst zu belasten. Dies illustriert die sogenannte Haftungskaskade: Zuerst wird versucht, die Forderungen aus der Substanz der Bank selbst zu decken, bevor der nationale Sicherungsfonds einspringt.
Für Anleger bedeutet das: Die rechtliche Garantie ist vorhanden, aber die Bequemlichkeit und Geschwindigkeit der Abwicklung sind nicht mit der in Deutschland vergleichbar. Es erfordert mehr Eigeninitiative und die Bereitschaft, mit ausländischen Behörden auf Englisch zu kommunizieren.
Haftet der Staat oder nur ein privater Bankenverband: Wo liegt der feine Unterschied?
Ein entscheidender, oft übersehener Aspekt der Einlagensicherung ist die Rechtsform des Sicherungssystems. Es macht einen fundamentalen Unterschied, ob es sich um eine staatliche Einrichtung mit expliziter Staatsgarantie handelt oder um einen privatwirtschaftlichen Fonds, der von den Banken selbst finanziert wird. In Deutschland existieren beide Systeme nebeneinander: die gesetzliche Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) und der freiwillige Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB).
Die gesetzliche Sicherung bis 100.000 Euro wird durch die EdB gewährleistet. Zwar wird auch sie durch Beiträge der Banken finanziert, doch im Extremfall wird davon ausgegangen, dass der deutsche Staat (mit seinem AAA-Rating) einspringen würde, um einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern – eine Art implizite Staatsgarantie. Anders verhält es sich bei der freiwilligen Sicherung privater Banken. Dieser Fonds ist eine rein privatwirtschaftliche Einrichtung. Sein Schutzumfang ist nicht gesetzlich garantiert und kann angepasst werden. So wurde der Schutz für Privatpersonen laut einer Reform des Bundesverbands deutscher Banken auf 3 Millionen Euro bis 2025 und danach auf 1 Million Euro reduziert.

Diese Unterscheidung ist im europäischen Kontext noch wichtiger. Wenn Sie Geld in einem Land anlegen, dessen Sicherungssystem rein privat organisiert ist und dessen Staatshaushalt eine schlechtere Bonität aufweist, ist das Risiko ungleich höher. Ein privater Fonds kann in einer systemischen Krise, in der mehrere Banken gleichzeitig ausfallen, schnell an seine finanziellen Grenzen stoßen. Wenn der Staat dann nicht willens oder in der Lage ist, den Fonds zu stützen, ist der Rechtsanspruch der Sparer nur so viel wert wie das verbleibende Vermögen des Fonds. Der Fall der Greensill Bank in Deutschland hat gezeigt, dass auch private Fonds funktionieren können – hier wurden bis zu 3 Milliarden Euro ausgezahlt –, doch dies geschah in einem stabilen wirtschaftlichen Umfeld.
Die entscheidende Frage für Anleger lautet daher immer: Wer steht am Ende der Haftungskette? Ein finanzstarker Staat oder ein begrenzter, privater Topf? Die Antwort auf diese Frage ist ein wesentlicher Indikator für die wahre Sicherheit Ihres Geldes.
Die Falle bei Fremdwährungskonten: Warum 10 % Zinsen in Türkischer Lira ein Verlustgeschäft sind
Besonders verlockend erscheinen Angebote für Festgeldkonten in Nicht-Euro-Ländern, die mit extrem hohen Zinssätzen werben. Ein Konto in Türkischer Lira mit 10 % Zinsen klingt auf den ersten Blick wie eine einmalige Chance. Doch solche Angebote bergen eine erhebliche Gefahr: das Währungsrisiko. Die hohen Zinsen sind oft nur eine Kompensation für die erwartete Abwertung der lokalen Währung gegenüber dem Euro. Für einen deutschen Sparer, der sein Geld am Ende wieder in Euro zurücktauschen möchte, kann dies zu einem erheblichen Verlustgeschäft führen.
Betrachten wir ein konkretes Rechenbeispiel. Sie legen 10.000 Euro für ein Jahr in Türkischer Lira an. Nach einem Jahr erhalten Sie 10 % Zinsen, also ein Guthaben im Gegenwert von 11.000 Euro in Lira. Wenn die Türkische Lira in diesem Zeitraum jedoch gegenüber dem Euro an Wert verliert, schmilzt Ihr Gewinn dahin. Eine aktuelle Wechselkursanalyse von Januar bis November 2024 zeigt eine Abwertung von rund 14,5 %. Ihr Guthaben von 11.000 Euro ist real nur noch 9.405 Euro wert (11.000 € – 14,5 %). Hinzu kommt, dass die Zinserträge in Deutschland mit der Kapitalertragsteuer (25 % plus Soli und ggf. Kirchensteuer) versteuert werden müssen. Der Zinsgewinn von 1.000 Euro wird also um ca. 264 Euro geschmälert. Aus dem vermeintlichen Traumzins wird so ein realer Verlust.
Die folgende Kalkulation verdeutlicht, wie aus einem hohen Zinsgewinn ein schmerzhafter Nettoverlust wird, wenn das Währungsrisiko ignoriert wird. Dieses Risiko ist bei Anlagen in politisch oder wirtschaftlich instabilen Ländern besonders hoch.
| Position | Betrag/Rate | Auswirkung in Euro |
|---|---|---|
| Anlagesumme | 10.000 € | 10.000 € |
| Zinsen (10% p.a.) | +10% | +1.000 € |
| Währungsverlust | -14,5% | -1.450 € |
| Kapitalertragsteuer auf Zinsen | 26,375% | -263,75 € |
| Nettoverlust | -713,75 € |
Für sicherheitsorientierte Anleger sind Konten in Fremdwährungen daher in der Regel keine sinnvolle Option. Die 100.000-Euro-Einlagensicherung schützt zwar vor der Pleite der Bank, aber sie schützt Sie in keiner Weise vor den Verlusten, die durch Währungsschwankungen entstehen können.
Wann müssen Sie Ihr Vermögen aufteilen, um nirgends die 100.000 € Grenze zu reißen?
Die effektivste Strategie zur Maximierung der Sicherheit ist die Diversifikation – nicht nur über verschiedene Anlageklassen, sondern auch über verschiedene Banken und Länder. Die Regel ist einfach: Die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro gilt pro Kunde und pro Kreditinstitut. Wer mehr als diesen Betrag als Sichteinlage oder Festgeld parken möchte, muss sein Vermögen strategisch aufteilen, um den vollen Schutz zu gewährleisten. Dabei gibt es einige wichtige Regeln zu beachten.
Die offensichtlichste Strategie ist die Verteilung des Geldes auf Banken mit unterschiedlichen Banklizenzen. Achtung: Manche Banken treten unter verschiedenen Markennamen auf (z.B. in Deutschland die Deutsche Bank und die Postbank), gehören aber zum selben Institut. In diesem Fall gilt die 100.000-Euro-Grenze für alle Konten zusammen. Bei Gemeinschaftskonten, beispielsweise von Ehepartnern, verdoppelt sich der Schutz auf 200.000 Euro, da jedem Kontoinhaber 100.000 Euro zustehen. Eine weitere wichtige Regel betrifft Sondersituationen: Nach einem Immobilienverkauf, einer Erbschaft oder einer Scheidung gilt für sechs Monate ein vorübergehend erhöhter Schutz von bis zu 500.000 Euro, um dem Sparer Zeit zu geben, das Geld sicher neu zu verteilen.
Für eine sinnvolle Diversifikation über Ländergrenzen hinweg empfiehlt es sich, nur in Staaten mit sehr hoher Kreditwürdigkeit zu investieren. Laut Finanztip gehören dazu neben Deutschland derzeit die Niederlande, Luxemburg, Österreich, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland. Diese Länder kombinieren eine starke Bonität mit funktionierenden Sicherungssystemen.
Ihr Plan zur strategischen Vermögensaufteilung für maximale Sicherheit
- Regel 1: Pro Bank und Person maximal 100.000 € anlegen, um unter der gesetzlichen Sicherungsgrenze zu bleiben.
- Regel 2: Bei Gemeinschaftskonten den Schutz auf 200.000 € verdoppeln, da jedem Inhaber 100.000 € zustehen.
- Regel 3: Verschiedene Banklizenzen nutzen und darauf achten, dass Marken nicht zum selben Mutterkonzern gehören.
- Regel 4: Über Länder mit exzellenter Bonität (AA-Rating oder besser) diversifizieren, um Klumpenrisiken zu vermeiden.
- Regel 5: Den vorübergehend erhöhten Schutz von bis zu 500.000 € für 6 Monate nach besonderen Lebensereignissen (z.B. Immobilienverkauf) nutzen.
Eine kluge Aufteilung des Vermögens ist keine übertriebene Vorsicht, sondern eine professionelle Risikomanagement-Strategie, die im Krisenfall den entscheidenden Unterschied machen kann.
Lohnen sich italienische Staatsanleihen für 2 % mehr Rendite oder ist das Risiko zu hoch?
Auf der Suche nach Rendite stoßen Anleger nicht nur auf ausländische Tagesgelder, sondern auch auf Staatsanleihen von EU-Ländern mit schwächerer Bonität. Italienische Staatsanleihen bieten oft eine deutlich höhere Rendite als deutsche Bundesanleihen. Doch ist dieser Zinsaufschlag das zusätzliche Risiko wert? Die Antwort liegt in einem fundamentalen Unterschied: Staatsanleihen sind keine Bankeinlagen und unterliegen daher nicht der Einlagensicherung. Das investierte Kapital ist vollständig vom Risiko eines Staatsbankrotts betroffen.
Der direkte Vergleich der Bonität macht das Risiko deutlich. Während Deutschland von Ratingagenturen wie S&P die Bestnote AAA erhält, wird Italien mit BBB bewertet. Dieser Unterschied spiegelt die höhere Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls wider. Eine italienische Staatsanleihe mit 4,5 % Rendite mag verlockend klingen, doch im Krisenfall gibt es kein Sicherungsnetz. Fällt der Staat aus, droht der Totalverlust. Im Gegensatz dazu ist ein Festgeld bei einer italienischen Bank bis 100.000 Euro durch den italienischen Einlagensicherungsfonds geschützt. Zwar hängt auch dessen Stabilität indirekt von der Finanzkraft des Staates ab, doch es existiert eine erste Verteidigungslinie, die bei einer Anleihe komplett fehlt.
Der folgende Risikovergleich stellt die unterschiedlichen Anlageformen gegenüber und zeigt, dass die höhere Rendite einer italienischen Staatsanleihe direkt mit dem Verzicht auf jegliche Einlagensicherung erkauft wird. Anleger müssen sich bewusst sein, dass sie hier ein direktes staatliches Ausfallrisiko eingehen.
| Anlageform | Rendite p.a. | Schutz im Krisenfall | Rating-Abhängigkeit |
|---|---|---|---|
| Italienische Staatsanleihe | ca. 4,5% | Keine Einlagensicherung | Direkt vom Staatsrating abhängig |
| Italienische Bank (Festgeld) | ca. 2,5% | 100.000 € Einlagensicherung | Indirekt vom Staatsrating abhängig |
| Deutsche Bundesanleihe | ca. 2,5% | AAA-Rating Deutschland | Höchste Sicherheit |
Für sicherheitsorientierte Sparer, deren Priorität der Kapitalerhalt ist, sind Staatsanleihen von Ländern mit schwächerem Rating keine adäquate Alternative zu einlagengesicherten Bankkonten. Der Mehrertrag steht in keinem Verhältnis zum eingegangenen Totalausfallrisiko.
Warum Neukundenangebote oft Lockvögel sind und wann sich der ständige Bankwechsel lohnt
Sogenanntes „Zinshopping“, also der ständige Wechsel zu Banken mit den besten Neukundenangeboten, ist eine beliebte Strategie von Zinsjägern. Diese Aktionszinsen sind oft zeitlich befristet und sollen Kunden anlocken, bevor sie nach wenigen Monaten auf den deutlich niedrigeren Bestandskundenzins fallen. Ein prominentes Beispiel war die schwedische Ikano Bank, die Anfang 2024 ein Angebot von 4,21 Prozent Zinsen auf Tagesgeld einführte, dieses aber nach kurzer Zeit wieder einstellte. Solche Angebote sind reine Marketinginstrumente.
Ob sich der Aufwand des ständigen Bankwechsels lohnt, lässt sich mit einer einfachen Kosten-Nutzen-Analyse berechnen. Man muss den erwarteten Mehrertrag gegen den investierten Zeitaufwand aufrechnen. Ein Bankwechsel inklusive VideoIdent-Verfahren, Kontoeröffnung und Anpassung des Freistellungsauftrags kann schnell 1,5 bis 2 Stunden in Anspruch nehmen. Handelt es sich um eine Auslandsbank ohne automatischen Steuerabzug, kommt der Aufwand für das Ausfüllen der Anlage KAP in der Steuererklärung hinzu. Rechnet man den Netto-Mehrertrag (Zinsdifferenz nach Steuern) auf den Zeitaufwand um, erhält man einen fiktiven „Stundenlohn“.
Die Faustregel lautet: Das Zinshopping lohnt sich oft nur bei größeren Anlagesummen, bei denen der Zinsvorteil den administrativen Aufwand deutlich übersteigt. Ein „Stundenlohn“ von unter 50 Euro ist für viele Anleger nicht attraktiv genug, um den Prozess regelmäßig zu wiederholen. Man erkauft sich den kleinen Zinsvorteil mit einem nicht zu unterschätzenden persönlichen Verwaltungsaufwand. Es ist eine bewusste Entscheidung zwischen maximaler Rendite und persönlicher Bequemlichkeit.
Letztendlich muss jeder Sparer selbst entscheiden, ob der potenzielle Mehrertrag den Aufwand rechtfertigt. Für viele ist eine solide, langfristige Lösung bei einer Bank mit faireren Bestandskundenzinsen die entspanntere und nachhaltigere Strategie.
Das Wichtigste in Kürze
- Die EU-weite 100.000-Euro-Garantie ist nur die Basis; die wahre Sicherheit hängt von der Bonität des Landes und der Finanzkraft seines nationalen Sicherungsfonds ab.
- Ein entscheidender Faktor ist, ob ein Staat direkt haftet (implizite Staatsgarantie) oder ob es sich um einen rein privatwirtschaftlichen Fonds handelt, dessen Mittel begrenzt sind.
- Hohe Zinsen in Fremdwährungen sind trügerisch, da das Währungsrisiko die Rendite vollständig aufzehren und sogar zu Verlusten führen kann.
Tagesgeld oder Festgeld: Wohin mit dem Notgroschen bei sinkenden Leitzinsen?
Die strategische Entscheidung zwischen Tagesgeld und Festgeld für den Notgroschen oder andere kurzfristig verfügbare Mittel hängt maßgeblich von der erwarteten Zinsentwicklung ab. In einem Umfeld sinkender Leitzinsen, wie es von der Europäischen Zentralbank (EZB) eingeleitet wurde, verliert das Tagesgeld an Attraktivität. Banken geben die Zinssenkungen schnell an ihre Kunden weiter, sodass die Rendite auf flexiblen Konten schmilzt. In dieser Situation kann es sinnvoll sein, sich die aktuell noch höheren Zinsen mit einem Festgeld für eine bestimmte Laufzeit zu sichern.
Allerdings bindet man mit Festgeld sein Kapital und verliert an Flexibilität. Eine clevere Alternative, um das Beste aus beiden Welten zu kombinieren, ist die sogenannte „Zinstreppe“ oder „Leiterstrategie“. Dabei wird der anzulegende Betrag in mehrere Teile aufgeteilt und in Festgelder mit unterschiedlichen Laufzeiten (z.B. 6, 12 und 24 Monate) investiert. So wird immer wieder ein Teil des Geldes fällig und kann zu den dann aktuellen Konditionen neu angelegt werden. Diese rollierende Strategie bietet einen Kompromiss aus höheren Zinsen und regelmäßiger Verfügbarkeit.
Die aktuelle Prognose der EZB deutet darauf hin, dass nach einer Phase der Senkungen eine Stabilisierung eintreten könnte. Laut aktueller EZB-Prognose werden keine weiteren Senkungen nach Dezember 2025 erwartet. Das bedeutet, dass es sich jetzt noch lohnen kann, längere Laufzeiten abzuschließen, um von den derzeitigen Konditionen zu profitieren. Für den eigentlichen Notgroschen (drei bis sechs Monatsgehälter) sollte jedoch immer ein Teil auf einem täglich verfügbaren Tagesgeldkonto verbleiben, um auf unvorhergesehene Ausgaben sofort reagieren zu können.
Für eine fundierte Entscheidung sollten Sie Ihre persönliche Liquiditätsplanung mit der prognostizierten Zinsentwicklung abgleichen. Eine gut strukturierte Zinstreppe kann dabei helfen, die Rendite zu optimieren, ohne die notwendige Flexibilität für den Notgroschen zu opfern.