Veröffentlicht am April 17, 2024

Entgegen dem Versprechen der Sicherheit ist der „Garantiezins“ klassischer Lebensversicherungen oft eine mathematische Illusion, die durch hohe Kosten ausgehebelt wird.

  • Die Garantie gilt nur für den sogenannten „Sparanteil“ – also Ihren Beitrag nach Abzug aller, oft erheblicher, Kosten.
  • In den ersten Jahren ist der Wert Ihrer Police durch die hohen Abschlusskosten fast immer niedriger als die Summe Ihrer Einzahlungen.

Empfehlung: Berechnen Sie den tatsächlichen Rückkaufswert Ihrer Police und prüfen Sie den „ewigen Widerrufsjoker“ als potenziell lukrativere Alternative zur einfachen Kündigung.

In Deutschland gilt die Kapitallebensversicherung seit Generationen als Inbegriff der sicheren Altersvorsorge. Ein Fels in der Brandung, ein Versprechen auf garantierte Zinsen und eine sorgenfreie Zukunft. Doch dieses Bild hat tiefe Risse bekommen. Viele Versicherte stellen heute ernüchtert fest, dass am Ende der Laufzeit oft enttäuschend wenig übrig bleibt – manchmal sogar weniger, als die Inflation in der Zwischenzeit an Kaufkraft vernichtet hat. Die übliche Erklärung, die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt seien schuld, greift dabei zu kurz.

Das eigentliche Problem ist systemischer Natur und liegt in der Struktur der Produkte selbst verborgen. Es ist eine Geschichte von versteckten Kosten, irreführenden Garantien und einer Komplexität, die es dem normalen Kunden fast unmöglich macht, die wahre Rendite seiner Anlage zu erkennen. Als Versicherungsmathematiker sehe ich es als meine Pflicht an, die Formeln hinter den Werbebroschüren zu entlarven und Ihnen die ungeschönte Wahrheit zu präsentieren. Die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob die Zinsen niedrig sind, sondern wie viel von Ihrem eingezahlten Geld überhaupt die Chance bekommt, verzinst zu werden.

Dieser Artikel ist eine Abrechnung mit dem Mythos der garantierten Sicherheit. Wir werden die Kostenstruktur dieser Verträge Schicht für Schicht freilegen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie selbst nachrechnen können, ob Sie Ihr Geld zurückbekommen, und analysieren knallhart, wann es sich trotzdem lohnen kann, einen alten Vertrag zu behalten. Am Ende werden Sie verstehen, warum der „garantierte Zins“ oft nur ein Lockvogel ist und welche Alternativen Ihnen wirklich mehr Rente bringen.

Um Ihnen eine klare Orientierung durch diese komplexe Materie zu geben, gliedert sich der folgende Artikel in präzise Abschnitte. Jeder Teil beleuchtet einen kritischen Aspekt, der für Ihre finanzielle Entscheidung von entscheidender Bedeutung ist.

Warum sich die Garantie nur auf den Sparanteil nach Kosten bezieht (und das fast nichts ist)

Das Kernversprechen einer klassischen Lebensversicherung ist der „Garantiezins“. Dieser Begriff suggeriert, dass Ihre gesamten Einzahlungen sicher sind und mit einem festen Satz verzinst werden. Hier liegt die erste und fundamentalste Täuschung. Die Garantie bezieht sich niemals auf Ihren vollen Beitrag, sondern ausschliesslich auf den sogenannten Sparanteil. Bevor auch nur ein Cent Zinsen erwirtschaften kann, findet ein systematischer Aderlass statt, der Ihr Kapital von Beginn an reduziert.

Stellen Sie sich Ihren Monatsbeitrag von beispielsweise 100 Euro als einen vollen Eimer Wasser vor. Bevor dieser Eimer jedoch in das grosse Sparbecken fliesst, werden mehrere Schöpfkellen entnommen. Zuerst die Abschluss- und Vertriebskosten, die oft auf die ersten fünf Jahre verteilt werden und Tausende von Euro betragen können. Dann die laufenden Verwaltungskosten für die Vertragsführung. Und schliesslich der Anteil für den Risikoschutz (z. B. eine Todesfallleistung). Nur der klägliche Rest, der nach diesem Prozess übrig bleibt, ist der Sparanteil, auf den der magere Garantiezins von aktuell oft nur 0,25 % angewendet wird.

Dieser Mechanismus hat eine fatale Konsequenz: In den ersten Jahren Ihrer Vertragslaufzeit ist der Wert Ihrer Police negativ oder stagniert. Sie zahlen Monat für Monat ein, aber Ihr Vertragsguthaben wächst nicht, weil Ihre Beiträge primär zur Deckung der immensen Anfangskosten verwendet werden. Die Garantie wirkt also wie ein Sicherheitsnetz mit riesigen Löchern. Sie sichert nur einen Bruchteil Ihrer Einlage, während der grösste Teil bereits den Gebühren zum Opfer gefallen ist.

Wie rechnen Sie aus, ob Sie überhaupt Ihre eingezahlten Beiträge garantiert zurückbekommen?

Die ernüchternde Wahrheit ist, dass eine Lebensversicherung über viele Jahre ein Verlustgeschäft sein kann. Um dies zu überprüfen, müssen Sie den aktuellen Rückkaufswert Ihrer Police anfordern und ihn mit der Summe Ihrer bisher eingezahlten Beiträge vergleichen. Der Rückkaufswert ist der Betrag, den Ihnen die Versicherung bei einer vorzeitigen Kündigung auszahlen würde. In den jährlichen Standmitteilungen Ihres Versicherers finden Sie diese entscheidende Kennzahl.

Ein konkretes Rechenbeispiel verdeutlicht das Desaster: Angenommen, Sie zahlen 100 Euro monatlich in einen Vertrag mit 4.500 Euro Abschlusskosten. Nach 10 Jahren haben Sie 12.000 Euro eingezahlt. Aufgrund der hohen Kosten und der niedrigen Zinsen könnte der Rückkaufswert jedoch nur bei 8.460 Euro liegen. Sie hätten also einen realen Verlust von 3.540 Euro gemacht, obwohl Sie ein Jahrzehnt lang gespart haben. Erst nach vielen weiteren Jahren könnte der Vertragswert die Summe Ihrer Einzahlungen vielleicht überschreiten – die sogenannte Break-Even-Marke.

Grafische Darstellung der Break-Even-Entwicklung einer Lebensversicherung über Jahre

Zusätzlich zu den regulären Kosten droht bei einer Kündigung oft ein sogenannter Stornoabzug. Versicherer argumentieren, dass ihnen durch die vorzeitige Vertragsauflösung Kosten entstehen, die sie an den Kunden weitergeben. Dieser Abzug kann erheblich sein, wie ein reales Beispiel der Verbraucherzentrale zeigt, bei dem einem Kunden durch den Stornoabzug rund 3.100 Euro vorenthalten wurden. Die Berechnung des Rückkaufswertes ist somit der ultimative Lackmustest, der die Werbeversprechen der Versicherer mit der harten Realität Ihrer Zahlen konfrontiert.

Steuerfreiheit vs. mickrige Zinsen: Wann sollten Sie eine uralte Kapitallebensversicherung trotzdem behalten?

Angesichts der niederschmetternden Renditen scheint die Kündigung oft der einzig logische Schritt. Doch Vorsicht ist geboten, denn in bestimmten Fällen kann es sinnvoll sein, an einem alten Vertrag festzuhalten. Dies gilt insbesondere für sogenannte Altverträge, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden. Der entscheidende Vorteil dieser Policen liegt in der Steuerfreiheit: Die Erträge bei Ablauf oder Kündigung nach 12 Jahren Laufzeit sind komplett steuerfrei.

Dieser Steuervorteil kann eine niedrige Rendite kompensieren, vor allem wenn der Garantiezins des Vertrages noch bei attraktiven 3 % oder sogar 4 % liegt, wie es bei Verträgen aus den 1990er Jahren der Fall war. Bei Verträgen, die nach 2005 abgeschlossen wurden, müssen die Erträge hingegen zur Hälfte mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden (vorausgesetzt, der Vertrag lief mindestens 12 Jahre und die Auszahlung erfolgt nach dem 62. Lebensjahr). Diese steuerliche Schlechterstellung macht neuere Verträge deutlich unattraktiver.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Kriterien für Ihre Entscheidung zusammen:

Entscheidungskriterien: Altvertrag behalten oder kündigen
Kriterium Für Behalten Für Kündigung
Garantiezins Über 3% (Altverträge vor 2000) Unter 2% (nach 2007)
Restlaufzeit Unter 5 Jahre Über 10 Jahre
Alter des Versicherten Über 60 Jahre Unter 50 Jahre
Steuervorteil Vertrag vor 2005, steuerfrei bei Ablauf Nach 2005, volle Besteuerung

Selbst die Finanzaufsicht BaFin nimmt die Rentabilität für Kunden ins Visier. Wie die BaFin-Exekutivdirektorin Julia Wiens beim Strategiemeeting Lebensversicherung 2024 betonte:

Wenn die Effektivkosten so hoch sind, müssen die Versicherer prüfen, ob zumindest für diejenigen Kundinnen und Kunden das Renditeziel mit hinreichender Wahrscheinlichkeit erreicht wird, die ihren Vertrag ab dem genannten Zeitpunkt kündigen

– Julia Wiens, BaFin-Exekutivdirektorin beim Strategiemeeting Lebensversicherung 2024

Die Gefahr des Verkaufs: Was passiert, wenn Ihre Versicherung den Bestand an einen Abwickler verkauft?

Ein oft übersehenes Risiko für Besitzer von Lebensversicherungen ist der Verkauf ganzer Vertragsbestände an spezialisierte Abwicklungsplattformen, auch Run-Off-Plattformen genannt. Wenn ein Versicherer seine unrentablen Altverträge loswerden möchte, kann er sie an einen solchen Investor verkaufen. Für den Kunden ändert sich auf dem Papier zunächst nichts – der Vertrag läuft weiter zu den ursprünglich vereinbarten Konditionen. Doch die Realität sieht oft anders aus.

Das Geschäftsmodell dieser Abwickler ist nicht, neue Kunden zu gewinnen, sondern die bestehenden Verträge so kostengünstig wie möglich zu verwalten und auslaufen zu lassen. Dies führt oft zu einer drastischen Kürzung der Überschussbeteiligung. Während der ursprüngliche Versicherer noch ein Interesse daran hatte, durch attraktive Überschüsse Kunden zu halten und neue zu gewinnen, hat der Abwickler dieses Interesse nicht. Sein Ziel ist die reine Gewinnmaximierung aus dem bestehenden Bestand. Für die Versicherten bedeutet das in der Regel noch niedrigere Auszahlungen am Ende der Laufzeit.

Die hohe Stornoquote bei Lebensversicherungen beschleunigt diesen Trend. Verlassen viele „gesunde“ Verträge einen Bestand, wird das verbleibende Kollektiv für den ursprünglichen Versicherer unattraktiver und die Wahrscheinlichkeit eines Verkaufs steigt. Nach Angaben der BaFin lag die durchschnittliche jährliche Stornoquote für fondsgebundene Lebensversicherungen im Jahr 2022 bei 3,14 Prozent. Sie sind also nicht nur den niedrigen Zinsen und hohen Kosten ausgesetzt, sondern auch dem Risiko, dass Ihr Vertrag in die Hände eines reinen „Verwerters“ gerät, dessen Interessen den Ihren diametral entgegenstehen.

Wann ist der Widerruf („Ewiger Widerrufsjoker“) besser als die Kündigung?

Wenn Sie mit Ihrer Lebensversicherung unzufrieden sind, ist die Kündigung nicht die einzige und oft auch nicht die beste Option. Für viele Verträge, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, gibt es eine weitaus lukrativere Alternative: den Widerruf, auch als „ewiger Widerrufsjoker“ bekannt. Der Grund dafür sind fehlerhafte Widerrufsbelehrungen in den damaligen Vertragsunterlagen. Durch Urteile des Bundesgerichtshofs (BGH) wurde festgelegt, dass bei solchen Fehlern die Widerrufsfrist nie zu laufen begonnen hat und der Vertrag somit auch heute noch widerrufen werden kann.

Der finanzielle Unterschied zur Kündigung ist enorm. Bei einer Kündigung erhalten Sie nur den oft mageren Rückkaufswert, von dem möglicherweise noch ein Stornoabzug einbehalten wird. Beim erfolgreichen Widerruf hingegen muss die Versicherung den Vertrag so rückabwickeln, als hätte er nie bestanden. Das bedeutet, Sie erhalten all Ihre eingezahlten Beiträge zurück, zuzüglich der von der Versicherung tatsächlich erwirtschafteten Zinsen. Lediglich die Kosten für den reinen Risikoschutz und ein Teil der Verwaltungskosten dürfen abgezogen werden – die hohen Abschluss- und Vertriebskosten jedoch nicht.

Symbolische Darstellung des finanziellen Unterschieds zwischen Widerruf und Kündigung

Im Ergebnis können Kunden durch einen Widerruf oft mehrere Tausend Euro mehr erhalten als bei einer Kündigung. Die Prüfung, ob Ihr Vertrag für den Widerrufsjoker infrage kommt, sollte daher ein obligatorischer Schritt sein, bevor Sie eine Kündigung in Erwägung ziehen. Spezialisierte Anwälte und Dienstleister können die Erfolgsaussichten prüfen, wobei die Kosten oft von einer bestehenden Rechtsschutzversicherung übernommen werden. Der Widerruf ist ein mächtiges Werkzeug, um sich gegen die unfairen Kostenstrukturen alter Verträge zur Wehr zu setzen.

Tagesgeldzins 3 % bei Inflation 4 %: Warum Sie real immer noch Geld verlieren

Viele Anleger weichen angesichts der mageren Renditen von Lebensversicherungen auf vermeintlich sichere Alternativen wie Tagesgeld aus. Wenn die Bank 3 % Zinsen bietet, scheint das auf den ersten Blick attraktiv. Doch dieser Nominalzins ist nur die halbe Wahrheit. Um die tatsächliche Wertentwicklung Ihres Geldes zu beurteilen, müssen Sie die Inflationsrate berücksichtigen. Die Realrendite ist das, was nach Abzug der Teuerungsrate von Ihrem Zinsertrag übrig bleibt.

Die Rechnung ist einfach und brutal: Bei einem Tagesgeldzins von 3 % und einer Inflationsrate von 4 % machen Sie real einen Verlust von 1 % pro Jahr. Ihr Geld auf dem Konto wird zwar nominell mehr, aber seine Kaufkraft sinkt. Sie können sich davon weniger leisten als im Vorjahr. Dieses Prinzip gilt umso mehr für klassische Lebensversicherungen, deren Verzinsung oft weit unter der Inflationsrate liegt. Laut Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute wurde für 2022 eine Inflationsrate von 6,1 % in Deutschland prognostiziert, während die marktdurchschnittliche Verzinsung von Lebensversicherungen bei nur 2,1 % lag. Das ist ein realer Kaufkraftverlust von 4 % in nur einem Jahr.

Die Versicherungslobby argumentiert gerne, dass sich die Inflation über lange Zeiträume ausgleicht. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) behauptet: „Die aktuelle Teuerungsrate nagt auch am Wert der Altersvorsorge. Beim langfristigen Sparen fällt der Effekt aber kaum ins Gewicht“. Diese Aussage ist aus mathematischer Sicht höchst fragwürdig. Jeder negative Realzins schmälert das Endkapital unwiederbringlich. Über Jahrzehnte summiert sich dieser Effekt zu einem gewaltigen Betrag. Wer die Inflation ignoriert, betreibt eine gefährliche Form der Selbsttäuschung.

Provisionsberatung oder Honorartarif: Wo bleibt mehr Rente für Sie übrig?

Ein Hauptgrund für die hohen Kosten von Lebensversicherungen ist das traditionelle Vergütungsmodell: die Provisionsberatung. Der Vermittler erhält für den Abschluss eines Vertrags eine hohe Provision vom Versicherungsunternehmen. Diese Kosten werden Ihnen als Kunde über die Vertragslaufzeit indirekt in Rechnung gestellt und schmälern Ihre Rendite erheblich. Der Berater hat also einen Anreiz, Ihnen möglichst teure Produkte mit langer Laufzeit zu verkaufen, da seine Provision davon abhängt.

Die Alternative ist die Honorarberatung. Hier bezahlen Sie den Berater direkt für seine Dienstleistung mit einem festen Honorar. Im Gegenzug empfiehlt er Ihnen sogenannte Nettotarife oder Nettopolicen. Das sind Versicherungsprodukte ohne eingerechnete Abschluss- und Vertriebsprovisionen. Die Kostenstruktur ist dadurch deutlich schlanker und transparenter. Obwohl Sie anfangs ein Honorar zahlen müssen, ist diese Variante über die Laufzeit von 20 oder 30 Jahren fast immer die weitaus günstigere.

Fallstudie: BaFin-Massnahme gegen zu hohe Provisionen

Ein prägnantes Beispiel für die Problematik versteckter Kosten ist eine Massnahme der BaFin gegen die Generali. Die Generali ist der erste Versicherer am deutschen Markt, der überhöhte Kosten für fondsgebundene Lebensversicherungen an seine Kunden zurückerstatten muss. Es handelte sich dabei um Provisionszahlungen der Fondsgesellschaften an die Generali Leben, sogenannte Kickbacks. Dieser Fall zeigt, dass selbst über die offensichtlichen Abschlusskosten hinaus weitere verdeckte Provisionen die Rendite der Kunden schmälern können.

Die Gegenüberstellung der Kostenbelastung über 30 Jahre macht den Unterschied deutlich:

Kostenbelastung: Provisionstarif vs. Nettotarif über 30 Jahre
Kostenart Provisionstarif Nettotarif
Abschlusskosten 4-5% der Beitragssumme 0% (separates Honorar)
Laufende Provisionen 3-5% jährlich 0%
Beraterhonorar 0€ (indirekt über Kosten) 1.500-3.000€ einmalig
Gesamtkosten über 30 Jahre 15.000-25.000€ 5.000-10.000€

Das Wichtigste in Kürze

  • Die „Garantie“ einer Lebensversicherung gilt nur für den Sparanteil nach Abzug hoher Kosten und ist daher irreführend.
  • Die Realrendite nach Inflation ist bei klassischen Policen oft negativ; Sie verlieren an Kaufkraft.
  • Der „ewige Widerrufsjoker“ kann für Verträge von 1994-2007 eine finanziell weitaus bessere Alternative zur einfachen Kündigung sein.

Fondspolice oder ETF-Sparplan: Wann lohnt sich der Steuermantel trotz hoher Abschlusskosten?

Als modernere Alternative zur klassischen Police gilt die fondsgebundene Lebensversicherung (Fondspolice). Hier wird Ihr Geld in Investmentfonds angelegt, was höhere Renditechancen, aber auch höhere Risiken birgt. Der Hauptvorteil, mit dem Versicherer werben, ist der sogenannte „Steuermantel“: Gewinne innerhalb der Police sind während der Ansparphase steuerfrei, und bei Auszahlung nach 12 Jahren und dem 62. Lebensjahr wird nur die Hälfte der Erträge mit dem persönlichen Steuersatz besteuert. Dies scheint ein Vorteil gegenüber einem ETF-Sparplan zu sein, bei dem auf Gewinne die Abgeltungsteuer (ca. 26,38 %) anfällt.

Doch auch hier fressen die hohen Kosten den Steuervorteil oft wieder auf. Eine Fondspolice hat ebenfalls hohe Abschluss- und Verwaltungskosten, die ein ETF-Sparplan in dieser Form nicht kennt. Der Steuervorteil der Police greift erst dann wirklich, wenn die Rendite nach Kosten noch hoch genug ist. Ein ETF-Sparplan ist dagegen maximal flexibel, transparent und kostengünstig. Sie können jederzeit Anteile verkaufen und sind nicht an eine feste Vertragslaufzeit gebunden.

Auch die Nachricht, dass der Garantiezins in der Lebensversicherung 2025 erstmals seit 30 Jahren steigt (von 0,25 % auf 1,0 %), ändert nichts an diesem Grundproblem. Eine geringfügige Anhebung kann die erdrückende Last der Kosten und die Auswirkungen der Inflation nicht kompensieren. Die Entscheidung zwischen Fondspolice und ETF-Sparplan ist letztlich eine Wette darauf, ob der Steuervorteil die höheren Kosten und die mangelnde Flexibilität über die gesamte Laufzeit ausgleichen kann. Für die meisten Anleger ist der direkte Weg über einen kostengünstigen ETF-Sparplan die rentablere und transparentere Wahl.

Ihr Plan zur Entscheidung: Fondspolice vs. ETF-Sparplan

  1. Prüfen Sie Ihren persönlichen Steuersatz: Bei über 42% Grenzsteuersatz kann die Fondspolice nach 12 Jahren vorteilhaft sein.
  2. Berechnen Sie die Effektivkosten: Nur bei unter 1,5% p.a. kann der Steuervorteil die Kosten kompensieren.
  3. Berücksichtigen Sie Ihre Flexibilitätsbedürfnisse: ETF-Sparpläne sind jederzeit ohne Verluste kündbar.
  4. Vergleichen Sie Nettopolicen: Diese haben deutlich geringere Kosten als Provisionstarife.
  5. Bedenken Sie die Komplexität: ETF-Sparpläne sind transparenter und einfacher zu verstehen.

Die Zeiten, in denen man blind auf das Sicherheitsversprechen einer Lebensversicherung vertrauen konnte, sind vorbei. Eine kritische, mathematisch fundierte Analyse ist unerlässlich. Berechnen Sie den wahren Wert Ihrer Police und vergleichen Sie alle Optionen – nur so treffen Sie eine Entscheidung, die Ihnen am Ende wirklich mehr Rente bringt.

Häufig gestellte Fragen zu Lebensversicherungen

Welche Verträge sind vom BGH-Urteil betroffen?

Lebensversicherungen, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden. Kunden müssen mindestens die Hälfte ihrer Beiträge zurückerhalten. Davon abgezogen werden dürfen die Verwaltungs-, nicht aber die Abschlusskosten. Auch der Stornoabzug ist nicht zulässig.

Wie hoch ist der finanzielle Vorteil beim Widerruf?

Je nach Vertragslaufzeit und eingezahlten Beiträgen können Kunden mehrere tausend Euro mehr erhalten als bei einer normalen Kündigung.

Welche Kosten entstehen beim Widerruf?

In der Regel übernimmt die Rechtsschutzversicherung die Anwalts- und Gerichtskosten, falls vorhanden.

Geschrieben von Stefanie Klein, Zertifizierte Finanzplanerin (CFP) und Honorarberaterin. Spezialisiert auf Altersvorsorge, Versicherungsanalysen und privaten Vermögensaufbau ohne Interessenkonflikte.