
Zusammenfassend:
- Die wichtigste Zutat für den Vermögensaufbau ist nicht die Höhe der Sparrate, sondern die Zeit. Früh anfangen schlägt hohe Einzahlungen.
- Der Zinseszinseffekt arbeitet nur dann optimal, wenn Erträge automatisch wieder angelegt werden. Thesaurierende ETFs sind dafür das ideale Werkzeug.
- Hohe Kosten (über 0,5 % pro Jahr) sind der grösste Feind Ihres Vermögens. Sie wirken wie eine ständige Bremse und können Ihre Endsumme um Zehntausende Euro reduzieren.
- Disziplin ist entscheidend: Richten Sie einen automatisierten Sparplan am Monatsanfang ein, um Emotionen und Konsumentscheidungen zu umgehen.
Jeder kennt das Gefühl: Man legt Geld auf dem Sparbuch zur Seite, doch am Ende des Jahres hat die Inflation die mickrigen Zinsen längst aufgefressen. Das Ersparte wächst nicht, es schmilzt. Viele glauben, der einzige Ausweg seien riskante Spekulationen oder ein Lottogewinn. Die üblichen Ratschläge wie der Abschluss eines Bausparvertrags oder einer teuren Lebensversicherung fühlen sich heute oft wie Relikte aus einer anderen Zeit an und liefern kaum noch Rendite.
Doch was, wenn die Lösung keine Magie, sondern reine Mathematik ist? Eine Kraft, so fundamental wie die Schwerkraft, die jeder für sich nutzen kann: der Zinseszinseffekt. Oft als „achtes Weltwunder“ zitiert, bleibt er für die meisten ein abstraktes Konzept. Aber was, wenn wir ihn nicht als Wunder betrachten, sondern als eine Art „Anlage-Physik“ mit klaren Regeln? Wenn wir verstehen, wie dieser Effekt funktioniert, können wir ihn gezielt einsetzen, um aus kleinen, regelmässigen Beträgen ein beachtliches Vermögen aufzubauen. Es geht nicht darum, den Markt zu schlagen, sondern ihn für sich arbeiten zu lassen.
Dieser Artikel ist Ihr Praxishandbuch für die Anlage-Physik. Wir werden nicht nur die Theorie beleuchten, sondern Ihnen die konkreten Hebel an die Hand geben. Sie erfahren, warum Geduld in den ersten Jahren wichtiger ist als hohe Beträge, wie Sie den Zinseszins-Motor mit den richtigen Fonds automatisieren, warum Kosten der unsichtbare Feind sind und wie Sie mit einfachen Regeln Ihre finanzielle Zukunft selbst in die Hand nehmen. Das Ziel ist klar: zu verstehen, wie aus 100 Euro monatlich in 30 Jahren tatsächlich über 100.000 Euro werden können.
Für alle, die das Prinzip lieber visuell erklärt bekommen, bietet das folgende Video von Finanzfluss eine hervorragende Zusammenfassung des Zinseszinseffekts und seiner unglaublichen Wirkung.
Um die dahinterstehenden Mechanismen Schritt für Schritt zu verstehen, haben wir diesen Leitfaden in acht zentrale Bausteine gegliedert. Jeder Abschnitt beleuchtet eine entscheidende Regel der „Anlage-Physik“, die Sie meistern müssen, um Ihr Ziel zu erreichen.
Inhaltsverzeichnis: Der Weg zu den 100.000 €: Die Gesetze des Zinseszinseffekts
- Warum Sie in den ersten 10 Jahren kaum Ergebnisse sehen und warum Sie trotzdem durchhalten müssen
- Wie richten Sie thesaurierende Fonds ein, damit der Zinseszins automatisch arbeitet?
- Früh anfangen mit wenig Geld oder spät mit viel: Was gewinnt am Ende?
- Die verheerende Wirkung von 2 % Kosten auf Ihren Zinseszinseffekt über 30 Jahre
- Wann verdoppelt sich Ihr Geld: Eine einfache Kopfrechenformel für den Alltag
- Wann brauchen Sie das Geld zurück: Warum Sie Geld für die nächsten 5 Jahre nicht an der Börse anlegen sollten
- Warum statistisch gesehen der Monatsanfang besser ist als die Monatsmitte (Pay-Yourself-First)
- ETF-Sparplan einrichten: Wie wählen Sie den richtigen Ausführungstag für maximalen Zinseszins?
Warum Sie in den ersten 10 Jahren kaum Ergebnisse sehen und warum Sie trotzdem durchhalten müssen
Die grösste Hürde beim langfristigen Vermögensaufbau ist nicht das fehlende Wissen, sondern die menschliche Ungeduld. In den ersten Jahren gleicht ein ETF-Sparplan einem Schneeball, den man mühsam einen Hügel hinaufrollt. Sie legen Monat für Monat 100 € zurück, aber nach fünf Jahren sehen Sie vielleicht nur 7.000 € auf Ihrem Depot – ein Grossteil davon Ihr eigenes, hart verdientes Geld. Der Zinseszinseffekt ist kaum sichtbar. Das ist der Moment, in dem viele aufgeben. Sie fühlen sich bestätigt in der deutschen Angst, dass die Börse nur ein Casino sei. Doch genau hier liegt der entscheidende Test für Ihren Disziplin-Muskel.
Was Sie in dieser Phase erleben, ist die physikalische Trägheit des Vermögensaufbaus. Die Rendite wird auf eine kleine Summe berechnet und ist daher selbst klein. Der eigentliche „Schneeball“ beginnt erst nach 10 bis 15 Jahren exponentiell zu wachsen. Dann arbeitet nicht mehr nur Ihr Geld, sondern vor allem das Geld Ihres Geldes. Historisch gesehen war das grösste Risiko für deutsche Sparer nicht die Investition in Aktien, sondern die Flucht davor. Langfristig hat der deutsche Aktienmarkt die Inflation deutlich geschlagen, wie eine Analyse zeigt: Die durchschnittliche DAX-Rendite von 7,1% seit 1971 steht einer Inflation von 2-3% gegenüber.
Um diese kritische Anfangsphase zu überstehen, helfen psychologische Tricks. Betrachten Sie Kurseinbrüche nicht als Verlust, sondern als „Schlussverkauf“, bei dem Ihre Sparrate mehr Anteile für dasselbe Geld kauft. Erinnern Sie sich an die Erholung des DAX nach der Finanzkrise 2008: Nach einem Einbruch von über 40 % wurden neue Höchststände erreicht. Das Wichtigste ist, nicht ständig ins Depot zu schauen. Ein Blick pro Quartal genügt. Ihr grösster Verbündeter ist die Zeit, nicht das Timing.
Wie richten Sie thesaurierende Fonds ein, damit der Zinseszins automatisch arbeitet?
Damit der Zinseszinseffekt seine volle Kraft entfalten kann, muss er automatisiert werden. Er muss wie ein Motor funktionieren, der sich selbst antreibt, ohne dass Sie eingreifen müssen. Das Geheimnis hierfür liegt in der Wahl des richtigen Fondstyps: thesaurierende ETFs. Im Gegensatz zu ausschüttenden Fonds, bei denen Ihnen die Erträge (Dividenden) auf Ihr Konto überwiesen werden, legen thesaurierende Fonds diese Gewinne sofort wieder im Fondsvermögen an. Sie kaufen damit automatisch neue Aktienanteile, die ab diesem Zeitpunkt ebenfalls wieder Erträge erwirtschaften. Dies ist der Zinseszins in seiner reinsten Form – völlig automatisch und ohne weiteres Zutun.
Ein konkretes Beispiel für deutsche Anleger: Ein thesaurierender ETF auf den MSCI World Index, wie der iShares Core MSCI World (WKN: A0RPWH), ist eine beliebte Wahl. Mit einem Fondsdomizil in Irland bietet er steuerliche Vorteile durch das Doppelbesteuerungsabkommen, was die Rendite optimiert. Bei einer historischen Rendite von rund 7,7 % und sehr geringen Kosten von nur 0,2 % pro Jahr arbeitet der Zinseszins hier fast ungestört.
Die Einrichtung eines solchen Sparplans ist in Deutschland denkbar einfach geworden, vor allem durch sogenannte Neo-Broker. Diese bieten oft kostenlose ETF-Sparpläne schon ab 1 € an und kümmern sich automatisch um die steuerlichen Aspekte in Deutschland. Die Wahl des richtigen Brokers hängt von den persönlichen Präferenzen ab, wie der folgende Vergleich zeigt.
Die folgende Tabelle, basierend auf Daten von WirtschaftsWoche, vergleicht zwei der beliebtesten Neo-Broker in Deutschland für ETF-Sparer.
| Kriterium | Trade Republic | Scalable Capital |
|---|---|---|
| Ordergebühr | 1€ pauschal | 0,99€ (Gettex) / Flatrate ab 2,99€ |
| ETF-Sparpläne | Kostenlos ab 1€ | Kostenlos ab 1€ |
| Handelsplätze | 1 (LS Exchange) | 2 (Gettex, Xetra) |
| Zinsen auf Guthaben | 2,0% unbegrenzt | 2,0% bis 100.000€ |
| Steuereinfachheit | Automatisch in Deutschland | Automatisch in Deutschland |
Früh anfangen mit wenig Geld oder spät mit viel: Was gewinnt am Ende?
Die wichtigste Variable in der Formel des Zinseszinseffekts ist nicht das Geld, sondern die Zeit. Der Zeit-Hebel ist die mächtigste Kraft, die Ihnen zur Verfügung steht. Um das zu verdeutlichen, stellen wir uns zwei Personen vor: Anna und Ben. Anna fängt mit 20 Jahren an und spart 100 € pro Monat. Ben wartet bis er 35 ist, hat aber ein höheres Gehalt und spart 300 € pro Monat. Beide legen ihr Geld zu einer angenommenen Rendite von 7 % an und hören mit 65 auf. Wer hat am Ende mehr?
Trotz ihrer deutlich geringeren Sparrate wird Anna am Ende mit rund 367.000 € ein weitaus grösseres Vermögen haben als Ben, der es „nur“ auf etwa 263.000 € schafft. Annas Geld hatte 15 Jahre mehr Zeit, um für sie zu arbeiten. Jeder Euro, den sie in ihren Zwanzigern investiert hat, hatte über 40 Jahre Zeit, sich zu vermehren. Diese Macht der Zeit ist unbezahlbar und kann durch keine noch so hohe Sparrate in späteren Jahren vollständig kompensiert werden.

Die Lektion ist klar: Der beste Zeitpunkt, um anzufangen, war gestern. Der zweitbeste ist heute. Selbst wenn Sie als Berufseinsteiger oder Student nur 25 oder 50 € im Monat erübrigen können, ist der Start entscheidend. Wie Berechnungen von Finanzfluss eindrucksvoll belegen, können aus 100 € monatlich über 45 Jahre bei 7% Rendite fast 367.000 € Endkapital werden. Der Schlüssel liegt darin, eine Gewohnheit zu etablieren und die Sparrate im Laufe der Zeit dynamisch anzupassen.
Ihr Plan zur dynamischen Sparrate
- Startpunkt setzen: Beginnen Sie mit einer machbaren monatlichen Sparrate, z.B. 50 €, direkt nach dem Berufseinstieg.
- Jährliche Anpassung: Erhöhen Sie die Sparrate jedes Jahr automatisch um 3 %, analog zu erwarteten Gehalts- oder Tariferhöhungen.
- Gehaltssprünge nutzen: Leiten Sie bei jeder Gehaltserhöhung oder Beförderung sofort 50 % des Netto-Zuwachses in Ihren Sparplan um.
- Sonderzahlungen investieren: Investieren Sie 70 % von Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld direkt, anstatt sie auf dem Girokonto zu lassen.
- Meilensteine definieren: Nehmen Sie sich vor, die Sparrate nach 10 Jahren zu verdoppeln, wenn Ihre finanzielle Situation es zulässt.
Die verheerende Wirkung von 2 % Kosten auf Ihren Zinseszinseffekt über 30 Jahre
Wenn die Zeit der Motor des Zinseszinseffekts ist, dann sind die Kosten die ständige, unsichtbare Reibung, die diesen Motor ausbremst. Ein scheinbar kleiner Unterschied bei den jährlichen Gebühren kann über Jahrzehnte hinweg eine absolut verheerende Wirkung entfalten. Dieser Kosten-Reibungsverlust ist der grösste Feind Ihres Vermögensaufbaus. Viele Anleger, die über ihre Hausbank in aktiv gemanagte Fonds investieren, sind sich dieser Gefahr nicht bewusst.
Ein typischer aktiver Fonds in Deutschland kostet schnell 1,5 % bis 2 % pro Jahr (Total Expense Ratio, TER). Dazu kommt oft ein Ausgabeaufschlag von 5 %, was bedeutet, dass von jedem investierten 100 € nur 95 € überhaupt angelegt werden. Ein günstiger ETF auf einen Weltindex kostet hingegen oft nur 0,2 % pro Jahr und hat keinen Ausgabeaufschlag. Der Unterschied klingt gering, aber über 30 Jahre ist er dramatisch. Aus potenziellen 122.000 € werden durch die hohen Kosten eines aktiven Fonds nur 95.000 €. Sie verlieren 27.000 € – allein durch Gebühren.
Dieser Verlust entsteht, weil die Kosten nicht nur einmalig anfallen. Sie werden jedes Jahr von Ihrem gesamten Vermögen abgezogen. Das Geld, das für Gebühren draufgeht, kann keine Zinseszinsen mehr für Sie erwirtschaften. Im Laufe von 30 Jahren kostet allein der anfängliche Ausgabeaufschlag von 5 % durch entgangene Zinseszinsen rund 20 % der möglichen Gesamtrendite. Der Kosten-Reibungsverlust frisst Ihr Vermögen langsam aber sicher von innen auf.
Die folgende, auf Daten von Finanzfluss basierende Tabelle, verdeutlicht den dramatischen Einfluss der Kosten auf eine 100-Euro-Sparrate über 30 Jahre.
| Produkt | TER/Jahr | Ausgabeaufschlag | 100€ Sparrate/30 Jahre | Verlust durch Kosten |
|---|---|---|---|---|
| Günstiger ETF | 0,2% | 0% | 122.000€ | Basis |
| Teurer ETF | 0,45% | 0% | 117.500€ | -4.500€ |
| Aktiver Fonds (Bank) | 1,52% | 5% | 95.000€ | -27.000€ |
| Tagesgeldkonto | 0% | 0% | 36.000€ (nach Inflation) | -86.000€ |
Wann verdoppelt sich Ihr Geld: Eine einfache Kopfrechenformel für den Alltag
Der Zinseszinseffekt fühlt sich oft abstrakt an. Um ihn greifbar zu machen, gibt es eine geniale Faustformel, die jeder im Kopf anwenden kann: die 72er-Regel. Sie ist Ihr persönlicher „Verdopplungs-Tacho“ für jede Art von Geldanlage. Die Formel ist verblüffend einfach: Teilen Sie die Zahl 72 durch den jährlichen Zinssatz (oder die erwartete Rendite in Prozent), und das Ergebnis ist die ungefähre Anzahl der Jahre, die es dauert, bis sich Ihr Kapital verdoppelt.
Diese einfache Rechnung hilft Ihnen, die langfristige Wirkung verschiedener Anlageformen sofort einzuschätzen. Legen Sie Ihr Geld in einen DAX-ETF mit einer historischen Durchschnittsrendite von 8 % an? Dann lautet die Rechnung 72 ÷ 8 = 9 Jahre. Ihr Geld verdoppelt sich also im Schnitt alle neun Jahre. Investieren Sie in eine Immobilie mit einer angenommenen Wertsteigerung von 3 % pro Jahr? Dann dauert es 72 ÷ 3 = 24 Jahre. Und Ihr Geld auf dem Tagesgeldkonto bei 0,5 % Zinsen? Es würde schockierende 144 Jahre dauern.

Die 72er-Regel ist ein mächtiges mentales Werkzeug. Sie hilft nicht nur bei Anlageentscheidungen, sondern auch dabei, Angebote von Bankberatern kritisch zu hinterfragen. Wenn Ihnen ein Produkt mit 2 % Rendite als „sicher und solide“ verkauft wird, können Sie sofort ausrechnen, dass eine Verdopplung 36 Jahre dauert – nach Inflation bleibt da kaum etwas übrig. Die Regel funktioniert auch für negative Effekte: Bei einer Inflationsrate von 3 % halbiert sich die Kaufkraft Ihres Geldes nach 72 ÷ 3 = 24 Jahren. Sie ist ein universelles Gesetz der Finanzmathematik.
Die 72er-Regel im deutschen Anlage-Alltag meistern
- Grundformel merken: 72 geteilt durch den Zinssatz (in %) ergibt die Jahre bis zur Verdopplung Ihres Kapitals.
- Beispiel DAX-ETF (8% Rendite): 72 ÷ 8 = 9 Jahre. Nach 18 Jahren hat sich Ihr Geld vervierfacht, nach 27 Jahren verachtfacht.
- Beispiel deutsche Immobilie (3% Wertzuwachs): 72 ÷ 3 = 24 Jahre. Ein sehr langer Zeithorizont für eine Verdopplung.
- Netto-Rendite beachten: Für eine realistische Berechnung ziehen Sie von der erwarteten Rendite etwa 1,5-2 % für Steuern und Inflation ab, bevor Sie die Regel anwenden.
- Erweiterungen nutzen: Nutzen Sie die 114er-Regel für eine Verdreifachung (114 ÷ Zinssatz) und die 70er-Regel, um den Kaufkraftverlust durch Inflation zu berechnen (70 ÷ Inflationsrate).
Wann brauchen Sie das Geld zurück: Warum Sie Geld für die nächsten 5 Jahre nicht an der Börse anlegen sollten
Die Börse ist ein Ort für langfristigen Vermögensaufbau, kein Sparkonto für kurzfristige Ziele. Eines der fundamentalsten Gesetze der Anlage-Physik lautet: Der Anlagehorizont muss zur Anlageklasse passen. Aktien und ETFs unterliegen kurzfristigen Schwankungen (Volatilität). Es ist absolut normal, dass die Kurse in einem Jahr um 20 % fallen, nur um im nächsten wieder zu steigen. Wer Geld, das er in den nächsten ein bis fünf Jahren für ein Auto, eine Renovierung oder eine Anzahlung benötigt, an der Börse anlegt, geht ein unkalkulierbares Risiko ein. Sie könnten gezwungen sein, in einer Verlustphase zu verkaufen.
Historische Daten für den deutschen Aktienmarkt sind hier eindeutig. Das sogenannte DAX-Renditedreieck zeigt, dass es immer wieder Phasen von fünf oder sogar zehn Jahren gab, in denen Anleger Verluste gemacht hätten, wenn sie zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen mussten. Die magische Grenze, ab der das Risiko drastisch sinkt, liegt deutlich höher. Die Statistik zeigt: Nach 13 Jahren Haltedauer war eine Anlage in den DAX historisch betrachtet immer im Plus, egal zu welchem Zeitpunkt man eingestiegen ist. Bei einem Horizont von 30 Jahren lag die Rendite im Schnitt sogar bei beeindruckenden 8,8 % pro Jahr.
Für eine solide Finanzplanung ist es daher unerlässlich, sein Geld nach Verfügbarkeit zu strukturieren. Das bewährte „3-Töpfe-System“ ist hierfür in Deutschland ein weit verbreitetes und sinnvolles Modell. Es trennt klar zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Zielen und ordnet jeder Kategorie das passende Finanzprodukt zu. So stellen Sie sicher, dass Ihr Notgroschen sicher und verfügbar ist, während Ihr langfristiges Vermögen ungestört an der Börse für Sie arbeiten kann.
Die folgende Tabelle, basierend auf Empfehlungen von Finanzportalen wie Biallo, skizziert das 3-Töpfe-System für deutsche Sparer.
| Topf | Zweck | Zeithorizont | Empfohlenes Produkt | Aktuelle Konditionen |
|---|---|---|---|---|
| Notgroschen | 3-6 Monatsgehälter | Sofort verfügbar | Tagesgeldkonto | 2,0-2,3% p.a. |
| Mittelfristige Ziele | Auto, Renovierung | 1-5 Jahre | Festgeld | 2,5-3,0% p.a. |
| Altersvorsorge | Vermögensaufbau | >10 Jahre | ETF-Sparplan | 6-8% p.a. (historisch) |
Das Wichtigste in Kürze
- Der Zeit-Hebel ist entscheidend: Je früher Sie anfangen, desto stärker wirkt der Zinseszins. Selbst kleine Beträge entwickeln über Jahrzehnte eine enorme Kraft.
- Kosten sind der grösste Feind: Achten Sie penibel auf niedrige Gebühren (unter 0,5% p.a.). Hohe Kosten fressen Ihre Rendite auf und können Ihr Endergebnis um Zehntausende Euro schmälern.
- Automatisierung ist der Schlüssel: Nutzen Sie thesaurierende ETFs und richten Sie einen automatischen Sparplan am Monatsanfang ein. Das schaltet Emotionen aus und garantiert Disziplin.
Warum statistisch gesehen der Monatsanfang besser ist als die Monatsmitte (Pay-Yourself-First)
Die erfolgreichsten Sparer behandeln ihre Sparrate nicht wie eine Restgrösse am Monatsende, sondern wie die wichtigste Rechnung von allen. Dieses Prinzip nennt sich „Pay Yourself First“ – bezahle dich selbst zuerst. Anstatt zu warten, was am Ende des Monats übrig bleibt, wird die Sparrate direkt nach Gehaltseingang per Dauerauftrag auf das Depot überwiesen. Das Geld ist „aus den Augen, aus dem Sinn“, bevor es für den alltäglichen Konsum ausgegeben werden kann.
Die Wahl des Ausführungstages für den Sparplan hat dabei nicht nur einen marginalen Renditevorteil, sondern vor allem einen enormen psychologischen Effekt. Analysen von Finanzfluss zeigen: Sparpläne, die am Monatsanfang (z.B. am 1. oder 2. des Monats) ausgeführt werden, haben eine um 23 % höhere Durchhalte-Quote als solche, die zur Monatsmitte (um den 15.) eingerichtet sind. Der Grund ist simpel: Am Monatsanfang ist das Geld frisch auf dem Konto und die „schmerzfreie“ Überweisung auf das Depot fällt leichter. Zur Monatsmitte konkurriert die Sparrate bereits mit anderen Ausgaben und der Verlockung, das Geld doch lieber auszugeben.
Dieser psychologische Trick ist weitaus wichtiger als der oft diskutierte, minimale Renditevorteil durch den „Monatsanfangseffekt“ an der Börse. Es geht darum, ein System zu schaffen, das die eigene Willensschwäche austrickst und Disziplin erzwingt. Die Automatisierung ist hierbei Ihr stärkster Verbündeter. Richten Sie einen Dauerauftrag ein, der einen Tag nach Ihrem Gehaltseingang die Sparrate auf Ihr Verrechnungskonto beim Broker überweist. Die Ausführung des ETF-Sparplans sollte dann unmittelbar danach erfolgen.
Diese einfache Umstellung von der Monatsmitte auf den Monatsanfang kann den Unterschied zwischen einem durchgehaltenen 30-Jahres-Plan und einem nach wenigen Jahren abgebrochenen Versuch ausmachen. Es ist ein kleiner Handgriff mit maximaler Wirkung auf Ihre finanzielle Disziplin.
ETF-Sparplan einrichten: Wie wählen Sie den richtigen Ausführungstag für maximalen Zinseszins?
Nachdem wir die psychologische Bedeutung des Monatsanfangs geklärt haben, stellt sich die technische Frage: Welchen genauen Tag soll ich wählen und wie flexibel sind die Broker? Die gute Nachricht ist, dass die meisten Neo-Broker in Deutschland mittlerweile eine hohe Flexibilität bei der Einrichtung von Sparplänen bieten. Es geht nicht mehr nur um den 1. oder 15. des Monats.
Einige Broker wie Scalable Capital bieten bis zu neun verschiedene Ausführungstage im Monat an, während andere wie Trade Republic sich auf zwei Termine konzentrieren. Diese Flexibilität erlaubt es Ihnen, den Sparplan perfekt auf Ihren Gehaltseingang abzustimmen. Der ideale Prozess ist: Gehalt kommt am 30. des Vormonats, der Dauerauftrag aufs Verrechnungskonto geht am 31. raus, und der Sparplan wird am 1. oder 2. des Monats ausgeführt. So liegt das Geld nie lange ungenutzt herum.
Eine weitere interessante Frage betrifft Sonderzahlungen wie das in Deutschland übliche Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Sollte man den Betrag auf einmal investieren (Einmalanlage) oder über mehrere Monate aufteilen (Cost-Averaging)? Statistisch gesehen ist die Antwort klar: Da die Märkte langfristig tendenziell steigen, bringt die sofortige Einmalanlage im Schnitt eine leicht höhere Rendite. Psychologisch kann es für nervöse Anleger jedoch angenehmer sein, den Betrag zu stückeln, um nicht das Gefühl zu haben, „genau am Höchstpunkt gekauft“ zu haben. Hier gilt: Die Strategie, bei der Sie nachts am besten schlafen, ist die richtige für Sie.
Die folgende Tabelle, basierend auf Daten von Handelsblatt und den Broker-Websites, gibt einen Überblick über die Flexibilität einiger deutscher Broker.
| Broker | Ausführungstage | Intervalle | Min. Sparrate | Änderung/Pause |
|---|---|---|---|---|
| Scalable Capital | 9 Tage (1.,4.,7.,10.,13.,16.,19.,22.,25.) | Monatlich, quartalsweise, halbjährlich, jährlich | 1€ | Jederzeit kostenlos |
| Trade Republic | 2 Tage (2., 16.) | Wöchentlich, 2-wöchentlich, monatlich, quartalsweise | 1€ | Jederzeit kostenlos |
| ING | 2 Tage (1., 15.) | Monatlich, zweimonatlich, quartalsweise | 1€ | Kostenlos online |
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