Wie hoch muss der Notgroschen sein: Reichen 3 Monatsgehälter bei Familie und Eigenheim wirklich aus?

Veröffentlicht am Mai 15, 2024

Die weitverbreitete 3-Monatsgehälter-Regel für den Notgroschen ist für viele Haushalte in Deutschland eine gefährliche Fehleinschätzung.

  • Strukturelle Risiken wie die Sanierungspflicht für Eigenheime können unvorhergesehene Kosten von Zehntausenden von Euro verursachen.
  • Ihr persönlicher Bedarf hängt von Faktoren wie Job-Sicherheit (Sozialleistungen) und Lebensmodell (Selbstständigkeit) ab, nicht von einer pauschalen Formel.

Empfehlung: Führen Sie eine dynamische Risikobewertung durch, anstatt blind einer veralteten Faustregel zu vertrauen, um die wahre Krisenfestigkeit Ihrer Finanzen zu ermitteln.

Das Gefühl, einen gut gefüllten Notgroschen auf dem Konto zu haben, ist für sicherheitsbewusste Menschen unbezahlbar. Er ist das finanzielle Sicherheitsnetz, das uns bei Jobverlust, unerwarteten Reparaturen oder gesundheitlichen Problemen auffängt. Fragt man nach der idealen Höhe, lautet die Standardantwort fast immer gleich: Drei bis sechs Netto-Monatsgehälter sollten es sein. Diese Faustregel ist so verbreitet, dass sie kaum noch hinterfragt wird. Sie bietet eine einfache, greifbare Zielmarke und vermittelt ein trügerisches Gefühl der Kontrolle und Sicherheit.

Doch was, wenn diese Regel für die Realität vieler Familien in Deutschland, insbesondere für Eigenheimbesitzer und Selbstständige, längst nicht mehr ausreicht? Was, wenn dieses vermeintliche Sicherheitsnetz bei der ersten echten Belastungsprobe reißt? Die Wahrheit ist, dass eine statische Formel die dynamischen und oft verborgenen Risiken eines modernen Haushalts nicht abbilden kann. Die eigentliche Frage lautet nicht, wie viele Monate Ihr Puffer abdeckt, sondern wie krisenfest Ihre finanzielle Reserve wirklich ist. Es geht um eine Abkehr von pauschalen Ratschlägen hin zu einer persönlichen, dynamischen Risikobewertung.

Dieser Artikel bricht mit der traditionellen Sichtweise. Wir werden aufzeigen, warum die 3-Monats-Regel eine gefährliche Illusion sein kann und wie Sie Ihren wahren Bedarf ermitteln. Sie erfahren, wie Sie Ihren Notgroschen vor sich selbst schützen, welche smarten Alternativen es zu totem Kapital auf dem Konto gibt und wie Sie die Reserve nach einem Notfall schnell und effizient wieder auffüllen. Es ist Zeit, die Kontrolle über Ihre finanzielle Vorsorge auf ein neues, wirklich sicheres Fundament zu stellen.

Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, haben wir diesen Leitfaden strukturiert. Er führt Sie schrittweise von der Analyse Ihrer individuellen Risiken bis hin zu konkreten Umsetzungsstrategien für eine wahrhaft stabile finanzielle Zukunft.

Warum Selbstständige und Hausbesitzer den doppelten Notgroschen brauchen

Die pauschale 3-Monats-Regel ignoriert eine entscheidende Variable: strukturelle Risiken. Für Angestellte in einer Mietwohnung mag dieser Puffer für kurzfristige Engpässe ausreichen, doch für Hausbesitzer und Selbstständige stellt er eine grobe Unterschätzung der potenziellen finanziellen Schockwellen dar. Diese Gruppen sind nicht nur von den üblichen Lebensrisiken wie Jobverlust oder Krankheit betroffen, sondern tragen zusätzliche, oft unsichtbare finanzielle Lasten mit erheblichem Ausmaß.

Für Hausbesitzer ist das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ein perfektes Beispiel. Die Notwendigkeit einer energetischen Sanierung, etwa der Austausch einer alten Heizungsanlage, ist kein kleiner, planbarer Posten mehr. Die Kosten für eine neue Wärmepumpe können, je nach Gebäudezustand, schnell Dimensionen erreichen, die einen typischen Notgroschen sprengen. Laut einer Analyse von Thermondo betragen die Kosten für eine neue Wärmepumpe im Altbau zwischen 9.000 und 40.000 Euro. Selbst bei einem guten Einkommen übersteigt eine solche Summe drei Netto-Monatsgehälter bei Weitem und verwandelt eine gesetzliche Pflicht in eine finanzielle Krise.

Hausbesitzer plant Sanierungskosten mit Taschenrechner und Dokumenten

Glücklicherweise gibt es in Deutschland staatliche Unterstützung, die diese Last abfedern kann. Für selbstnutzende Wohneigentümer werden seit 2024 die Kosten für den Heizungstausch nach GEG-Vorgaben signifikant bezuschusst. Wie der Verband Wohneigentum NRW berichtet, ist eine Förderung von bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten möglich. Dies reduziert das Risiko, ändert aber nichts an der Tatsache, dass ein erheblicher Eigenanteil sofort flüssig sein muss. Für Selbstständige potenziert sich das Risiko zusätzlich durch unregelmäßige Einkünfte und das Fehlen eines sozialen Netzes wie der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Ein Auftragseinbruch oder eine längere Krankheit kann die Einnahmen auf null reduzieren, während die Fixkosten weiterlaufen. Ein dynamischer Notgroschen von sechs bis zwölf Monaten der Betriebskosten plus Lebenshaltungskosten ist hier keine Übervorsicht, sondern unternehmerische Notwendigkeit.

Girokonto oder separates Tagesgeld: Wie schützen Sie den Notgroschen vor dem eigenen Konsum?

Ein Notgroschen, der aufgebaut wurde, ist nur die halbe Miete. Die zweite, oft schwierigere Herausforderung besteht darin, ihn vor dem größten Feind zu schützen: dem alltäglichen Konsum und der eigenen Bequemlichkeit. Wenn die finanzielle Reserve auf demselben Girokonto liegt wie das Gehalt, verschwimmt die Grenze zwischen Notfallkapital und verfügbarem Budget. Ein kurzer Blick auf den Kontostand suggeriert einen finanziellen Spielraum, der in Wahrheit nicht für Spontankäufe, sondern für echte Krisen gedacht ist. Diese ständige Verfügbarkeit macht den Notgroschen psychologisch angreifbar.

Die effektivste Strategie, um diese mentale Falle zu umgehen, ist die physische und mentale Trennung. Richten Sie für Ihren Notgroschen ein separates Konto ein, idealerweise bei einer anderen Bank als der, bei der Sie Ihr Girokonto führen. Diese kleine Hürde – ein anderer Login, eine andere App – schafft eine bewusste Barriere. Sie zwingt Sie, innezuhalten und zu reflektieren, ob eine Ausgabe wirklich ein Notfall ist oder nur ein Wunsch. Ein Tagesgeldkonto ist hierfür das ideale Instrument. Es ist täglich verfügbar, bietet aber im Gegensatz zum Girokonto keine direkte Zahlungsfunktion wie eine EC-Karte.

Um den Schutz weiter zu erhöhen und den Aufbau zu automatisieren, helfen folgende Strategien:

  • Konto bewusst benennen: Viele Banken erlauben es, Konten individuell zu benennen. Nennen Sie es nicht „Tagesgeld“, sondern „Krisen-Tresor“, „Zukunfts-Sicherheit“ oder „Plan B“. Diese psychologische Benennung stärkt die Disziplin.
  • Dauerauftrag einrichten: Richten Sie direkt nach Gehaltseingang einen automatischen Dauerauftrag auf Ihr Notgroschen-Konto ein. So wird Sparen zur festen Gewohnheit, bevor das Geld für anderes ausgegeben werden kann („Pay yourself first“).
  • Sonderzahlungen nutzen: Verwenden Sie unerwartete Einnahmen oder Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld gezielt, um den Notgroschen schneller aufzubauen oder wieder aufzufüllen.

Ein Tagesgeldkonto schützt Ihr Geld nicht nur vor Ihnen selbst, sondern auch vor dem Wertverlust durch Nullzinsen. Aktuell bieten viele Banken wieder attraktive Zinsen auf Tagesgeld, die zwar die Inflation nicht immer vollständig ausgleichen, aber den Kaufkraftverlust zumindest abmildern. So bleibt Ihr Sicherheitsnetz nicht nur intakt, sondern auch stabil.

Rahmenkredit als Notgroschen-Ersatz: Wann ist Verschuldung klüger als totes Kapital auf dem Konto?

Die Vorstellung, eine große Summe Geldes quasi ungenutzt auf einem Tagesgeldkonto liegen zu haben, während die Inflation an dessen Kaufkraft nagt, führt viele zu einer provokanten Frage: Gibt es eine intelligentere Alternative? Hier kommt der Rahmenkredit, auch Abrufkredit genannt, ins Spiel. Er funktioniert wie ein Dispokredit, ist aber nicht an Ihr Girokonto gekoppelt und bietet in der Regel deutlich niedrigere Zinsen. Die Bank gewährt Ihnen eine Kreditlinie, die Sie bei Bedarf flexibel nutzen können. Zinsen fallen nur auf den tatsächlich abgerufenen Betrag an. Klingt das nicht wie der perfekte Notgroschen-Ersatz – maximale Flexibilität ohne totes Kapital?

Die Antwort ist, wie so oft in der Finanzwelt, ein klares „Es kommt darauf an“. Ein Rahmenkredit kann für hochdisziplinierte Personen mit stabilem Einkommen und exzellenter Bonität eine sinnvolle Ergänzung, aber selten ein vollständiger Ersatz sein. Der größte Vorteil ist die Effizienz: Statt 15.000 Euro auf dem Tagesgeld zu parken, könnten Sie dieses Geld in ertragreichere Anlagen wie ETFs investieren und im Notfall auf den günstigen Kredit zurückgreifen. Psychologisch ist dieser Ansatz jedoch anspruchsvoll. Die Hemmschwelle, für einen Notfall Schulden aufzunehmen, ist gerade in Deutschland hoch, wie Expertenanalysen zur Finanzkultur immer wieder bestätigen.

Wie eine vergleichende Analyse von Finanztip zeigt, unterscheiden sich die beiden Ansätze in fundamentalen Punkten. Der größte Nachteil des Rahmenkredits ist seine fehlende Krisenfestigkeit. In einer schweren Wirtschaftskrise oder bei Verlust des Arbeitsplatzes kann die Bank die Kreditlinie kündigen – genau dann, wenn Sie sie am dringendsten benötigen. Ein Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto ist hingegen Ihr Eigentum und zu 100% krisensicher und verfügbar.

Notgroschen vs. Rahmenkredit: Eine Gegenüberstellung der wichtigsten Kriterien
Kriterium Notgroschen auf Tagesgeld Rahmenkredit
Verfügbarkeit Sofort verfügbar Nach Kreditprüfung verfügbar
Kosten Keine (ggf. Opportunitätskosten) Zinsen bei Inanspruchnahme
Psychologischer Effekt Sicherheitsgefühl Möglicher Stress durch Schulden
Krisenresistenz 100% sicher Bank kann kündigen

Ein hybrider Ansatz kann die Lösung sein: Halten Sie einen kleineren, aber soliden Basis-Notgroschen von z. B. drei Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto und sichern Sie sich zusätzlich einen Rahmenkredit für extreme Notfälle, die diese Summe übersteigen. So kombinieren Sie die psychologische Sicherheit und Krisenfestigkeit des Guthabens mit der Kapitaleffizienz des Kredits. Verschuldung ist hier nicht leichtfertig, sondern ein strategisches Instrument im Krisenmanagement.

Der Fehler, den Notgroschen für den Urlaub zu nutzen: Was ist wirklich ein Notfall?

Ein prall gefülltes Notfallkonto kann verführerisch sein. Der lang ersehnte Urlaub, das neue Sofa oder das neueste Smartphone scheinen plötzlich in greifbarer Nähe. Doch genau hier liegt die größte Gefahr für die eigene finanzielle Sicherheit: die Fehlinterpretation des Begriffs „Notfall“. Ein Notgroschen ist kein Sparkonto für Wünsche, sondern eine zweckgebundene Versicherung gegen existenzbedrohende Ereignisse. Jeder Euro, der für Konsum ausgegeben wird, reißt ein Loch in Ihr Sicherheitsnetz.

Um diszipliniert zu bleiben, benötigen Sie eine klare, unmissverständliche Definition eines Notfalls. Eine exzellente Entscheidungshilfe ist hier die „3-U-Regel“. Bevor Sie Geld vom Notfallkonto anrühren, stellen Sie sich ehrlich drei Fragen:

  • Ist die Ausgabe Unvermeidbar? Kann die Ausgabe aufgeschoben oder durch eine günstigere Alternative ersetzt werden? Eine defekte Heizung im Winter ist unvermeidbar, ein neues Auto, weil das alte unmodern wirkt, ist es nicht.
  • Ist die Ausgabe Unerwartet? War die Ausgabe absolut nicht planbar? Ein plötzlicher Motorschaden ist unerwartet. Die jährliche Kfz-Steuer oder die lange geplante Zahnspange für das Kind sind es nicht – sie gehören in die reguläre Budgetplanung.
  • Ist die Ausgabe Unaufschiebbar? Muss sofort gehandelt werden, um größeren Schaden abzuwenden? Ein Wasserschaden erfordert sofortiges Handeln. Der Wunsch nach neuen Möbeln kann warten.

Nur wenn Sie alle drei Fragen mit „Ja“ beantworten können, handelt es sich um einen legitimen Notfall. Diese einfache, aber strikte Methode schützt Sie vor emotionalen Kurzschlussreaktionen. Ein weiterer wichtiger Aspekt der dynamischen Risikobewertung ist die Berücksichtigung des deutschen Sozialsystems. Im Falle eines unverschuldeten Jobverlusts fallen Sie nicht auf null. Wie Finanzfluss erläutert, kann man in Deutschland Arbeitslosengeld I erhalten, das etwa 60% des vorherigen Nettogehalts entspricht. Ihr Notgroschen muss also nicht die vollen 100% Ihrer Lebenshaltungskosten decken, sondern primär die verbleibenden 40% sowie eventuelle Einmalkosten. Dies zu wissen, ermöglicht eine präzisere und oft beruhigendere Planung.

Indem Sie zwischen echten Krisen und aufschiebbaren Wünschen trennen, geben Sie Ihrem Notgroschen seine wahre Macht zurück: die eines verlässlichen Ankers in stürmischen Zeiten, nicht die eines Sparschweins für den nächsten Urlaub.

Wie füllen Sie den Topf schnell wieder auf, nachdem die Waschmaschine kaputt ging?

Ein Notfall ist eingetreten, der Puffer hat seine Schuldigkeit getan und ein Loch in Ihre Reserve gerissen. Der erste Impuls ist oft Erleichterung, doch die eigentliche Aufgabe beginnt erst jetzt: das schnelle und disziplinierte Wiederauffüllen des Notgroschens. Ein geschwächtes Sicherheitsnetz macht Sie anfällig für den nächsten unvorhergesehenen Schlag. Das Ziel muss sein, so schnell wie möglich wieder die volle Krisenfestigkeit zu erreichen. Betrachten Sie diese Phase nicht als lästige Pflicht, sondern als einen „Wiederauffüll-Sprint“.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer Kombination aus radikaler, aber temporärer Ausgabenreduktion und der Aktivierung zusätzlicher Einnahmequellen. Es geht nicht darum, Ihren Lebensstil dauerhaft zu ändern, sondern für einen begrenzten Zeitraum alle Hebel in Bewegung zu setzen. Ein effektiver Plan kann aus den folgenden Schritten bestehen:

  1. Temporäre Konsum-Diät: Analysieren Sie alle variablen Ausgaben und setzen Sie den Rotstift an. Kündigen Sie für einige Monate Streaming-Abos und nutzen Sie stattdessen kostenlose Mediatheken. Streichen Sie Restaurantbesuche und setzen Sie auf günstiges Kochen zu Hause. Jeder eingesparte Euro fließt direkt in den Notgroschen.
  2. Verkauf ungenutzter Gegenstände: Jeder Haushalt birgt ungenutztes Kapital. Verkaufen Sie alte Bücher, nicht mehr getragene Kleidung oder ungenutzte Elektronik auf Plattformen wie ReBuy, Vinted oder Kleinanzeigen. Das schafft nicht nur Platz, sondern generiert auch schnelle Einnahmen.
  3. Steuererklärung machen: Viele schieben die Steuererklärung vor sich her. Doch gerade jetzt ist sie ein mächtiges Werkzeug. Die durchschnittliche Steuerrückerstattung in Deutschland beträgt laut Statistiken oft über 900 Euro – eine gewaltige Finanzspritze für Ihre Reserve.
  4. Zusätzliche Einnahmen generieren: Prüfen Sie die Möglichkeit, für wenige Monate einen steuer- und sozialabgabenfreien Minijob (bis 538 Euro) anzunehmen. Vielleicht können Sie auch ein Hobby (z.B. Fotografie, Texte schreiben) kurzfristig monetarisieren.

Diese Phase erfordert Disziplin, aber mit einem klaren Ziel vor Augen – der Wiederherstellung Ihrer vollen finanziellen Unabhängigkeit – lässt sich die Motivation hochhalten. Es ist ein kurzfristiger Sprint für eine langfristige Sicherheit.

Ihr Plan zur finanziellen Schadenskontrolle: Eine Checkliste

  1. Schaden bewerten: Ermitteln Sie exakt, wie viel Geld aus dem Notgroschen entnommen wurde und was die neue Zielsumme ist.
  2. Budget einfrieren: Setzen Sie alle nicht-essenziellen Ausgaben für 30 Tage auf null. Kündigen oder pausieren Sie Abonnements sofort.
  3. Liquidität aktivieren: Identifizieren Sie ungenutzte Gegenstände zum Verkauf und stellen Sie sie innerhalb einer Woche online. Planen Sie die Steuererklärung als festen Termin ein.
  4. Sparrate maximieren: Leiten Sie Ihren Sparplan-Dauerauftrag temporär vollständig auf das Notgroschen-Konto um. Jeder übrige Euro am Monatsende wird manuell überwiesen.
  5. Fortschritt visualisieren: Erstellen Sie ein einfaches Diagramm, das zeigt, wie sich der Topf wieder füllt. Feiern Sie kleine Meilensteine (z.B. alle 1.000 €).

Wie nutzen Sie die 50-30-20-Regel, um Ihre Kosten in den Griff zu bekommen?

Bevor ein Notgroschen aufgefüllt werden kann, muss er erst einmal aufgebaut werden. Für viele stellt sich hier die Frage: Wie viel kann ich realistischerweise jeden Monat sparen, ohne meinen Lebensstandard komplett aufzugeben? Eine der bekanntesten und einfachsten Methoden zur Budgetierung ist die 50-30-20-Regel. Sie bietet einen klaren Rahmen, um die eigenen Finanzen zu strukturieren und Sparziele systematisch zu erreichen. Die Regel ist simpel: Ihr Nettoeinkommen wird in drei Kategorien aufgeteilt.

50% für Grundbedürfnisse (Fixkosten): Die Hälfte Ihres Einkommens ist für alle unverzichtbaren Ausgaben vorgesehen. Dazu gehören Miete oder Kreditrate, Nebenkosten, Lebensmittel, Transport zur Arbeit und Versicherungen. Dies sind die Kosten, die Sie zum Leben benötigen.

30% für persönliche Wünsche (variable Kosten): Dieser Teil Ihres Budgets ist für alles, was das Leben angenehmer macht, aber nicht überlebenswichtig ist. Hobbys, Restaurantbesuche, Urlaub, Shopping oder Streaming-Dienste fallen in diese Kategorie. Hier haben Sie den größten Spielraum für Einsparungen.

20% für Sparen und Investieren: Die verbleibenden 20% sind für Ihre finanzielle Zukunft bestimmt. Dieses Geld wird nicht ausgegeben, sondern dient dem Vermögensaufbau, der Altersvorsorge und – an allererster Stelle – dem Aufbau Ihres Notgroschens.

Um dies greifbarer zu machen: Das durchschnittliche Nettohaushaltseinkommen in Deutschland lag 2021 bei 3.813 Euro. Nach der 50-30-20-Regel würden rund 1.907 Euro für Grundbedürfnisse, 1.144 Euro für persönliche Wünsche und 763 Euro für Sparziele zur Verfügung stehen. Das zeigt, welch beachtliche Summe selbst bei einem Durchschnittseinkommen monatlich für den Notgroschen zurückgelegt werden kann. Wichtig ist jedoch die richtige Priorisierung innerhalb der 20%-Sparrate. Bevor Sie in ETFs oder andere Anlagen investieren, gilt eine eiserne Regel:

  • Zuerst: Der Aufbau des Notgroschens auf Ihre individuell ermittelte Zielsumme hat absolute Priorität.
  • Dann: Beginnen oder erhöhen Sie Investitionen für langfristige Ziele wie die Altersvorsorge.
  • Zuletzt: Bedienen Sie mittelfristige Sparziele wie einen Bausparvertrag oder das Ansparen für ein neues Auto.

Die 50-30-20-Regel ist kein starres Gesetz, sondern ein flexibler Leitfaden. In teuren Metropolen kann der Anteil für Fixkosten leicht auf 60% steigen, dann müssen die Wünsche auf 20% reduziert werden. Entscheidend ist, die 20% Sparrate als unantastbar zu betrachten und durch Daueraufträge zu automatisieren.

Wie bauen Sie eine „Treppe“ aus Festgeldern, um regelmäßig an Geld zu kommen?

Auf der Suche nach einer höheren Rendite als auf dem Tagesgeldkonto stoßen viele Sparer auf die sogenannte Festgeldtreppe oder Zinstreppe. Die Idee klingt verlockend: Statt den gesamten Betrag auf einem niedrig verzinsten Konto zu parken, teilt man ihn auf mehrere Festgeldkonten mit unterschiedlichen Laufzeiten (z. B. 1, 2, 3, 4 und 5 Jahre) auf. Jedes Jahr wird ein Teil des Geldes fällig und kann entweder wieder angelegt oder genutzt werden. So sichert man sich die oft höheren Zinsen von Festgeldern und bleibt dennoch einigermaßen flexibel. Könnte dies eine clevere Strategie für den Notgroschen sein?

Die Antwort von Finanzexperten ist einhellig und unmissverständlich: Nein. Die Festgeldtreppe ist für den Vermögensaufbau oder für planbare, mittelfristige Sparziele eine valide Strategie, aber für den Notgroschen ist sie vollkommen ungeeignet. Das Kernmerkmal eines Notgroschens ist seine sofortige und uneingeschränkte Verfügbarkeit. Ein echter Notfall richtet sich nicht nach dem Fälligkeitsdatum eines Festgeldvertrags. Wenn am Montagmorgen das Auto streikt und Sie zur Arbeit müssen, können Sie nicht warten, bis in drei Monaten Ihr Festgeld ausläuft.

Die Stiftung Warentest, eine der renommiertesten Verbraucherorganisationen in Deutschland, bringt es in ihren Analysen auf den Punkt. In einem Expertenkommentar zur Liquidität von Notreserven heißt es unmissverständlich:

Die Festgeldtreppe ist für den Notgroschen völlig ungeeignet. Ein akuter Notfall wartet nicht auf das Fälligkeitsdatum eines Festgeldes.

– Finanzexperten, Expertenanalyse zur Liquidität von Notgroschen

Zwar bieten einige Banken eine vorzeitige Kündigung von Festgeldern an, doch diese ist fast immer mit erheblichen Zinsverlusten oder sogar Strafgebühren verbunden. Sie würden also im entscheidenden Moment nicht nur den Zinsvorteil verlieren, sondern möglicherweise sogar weniger Geld zurückbekommen. Damit wird der ursprüngliche Zweck der Renditeoptimierung ad absurdum geführt. Für den Notgroschen gibt es nur eine Priorität, die alle anderen überragt: sofortige Liquidität ohne Verluste. Jeder Versuch, mit dieser Sicherheitsreserve eine höhere Rendite zu erzielen, untergräbt ihre grundlegende Funktion.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die 3-Monats-Regel ist ein absolutes Minimum, aber für viele Haushalte, insbesondere mit Eigenheim oder Selbstständigkeit, unzureichend.
  • Ihr persönlicher Notgroschen-Bedarf sollte auf einer dynamischen Risikobewertung basieren, die strukturelle Risiken (z.B. Sanierungskosten) berücksichtigt.
  • Für einen Notgroschen ist maximale Liquidität entscheidend. Ein separates Tagesgeldkonto ist daher Festgeld oder anderen illiquiden Anlagen klar vorzuziehen.

Tagesgeld oder Festgeld: Wohin mit dem Notgroschen bei sinkenden Leitzinsen?

Die Zinslandschaft in Europa ist ständig in Bewegung. Nach einer Phase steigender Zinsen deuten sich nun wieder mögliche Senkungen durch die Europäische Zentralbank an. Für Sparer stellt sich damit erneut die drängende Frage nach dem richtigen Aufbewahrungsort für den Notgroschen. Sollte man das Geld schnell in einem Festgeldkonto „einschließen“, um sich die aktuellen, höheren Zinsen für eine längere Laufzeit zu sichern? Oder bleibt das flexiblere Tagesgeldkonto die bessere Wahl, auch wenn dessen Verzinsung möglicherweise bald wieder sinkt?

Als vorausschauender Krisenmanager müssen Sie hier einen kühlen Kopf bewahren und sich auf die primäre Funktion des Notgroschens besinnen: Sicherheit und Liquidität. Die Rendite ist und bleibt ein sekundäres, wenn nicht sogar tertiäres Ziel. Der Versuch, mit dem Sicherheitskapital Zins-Hopping zu betreiben, ist eine gefährliche Strategie. Die Kosten der Illiquidität im Ernstfall sind unendlich viel höher als der potenzielle Zinsgewinn von wenigen Dutzend oder Hundert Euro pro Jahr. Stellen Sie sich vor, Sie benötigen dringend 10.000 Euro, haben diese aber für 1,5% mehr Zinsen in einem Festgeld gebunden. Die Kosten, um an dieses Geld zu kommen (Strafzinsen, teurer Dispokredit), fressen den Vorteil um ein Vielfaches auf.

Das Tagesgeldkonto bleibt daher auch in einem Umfeld sinkender Zinsen das Instrument der Wahl. Selbst wenn die Zinsen auf ein niedriges Niveau fallen, erfüllt es seine Hauptaufgabe perfekt. Man sollte die Zinsen auf dem Tagesgeld nicht als Einnahmequelle betrachten, sondern als eine Art „Rabatt auf die Inflationskosten“. Bei einer Inflationsrate von beispielsweise über 2% verliert Ihr Geld an Kaufkraft. Ein Tagesgeldzins von 1% halbiert diesen Verlust quasi. Sie zahlen also einen Preis für die Sicherheit und ständige Verfügbarkeit Ihres Geldes – und dieser Preis ist die Differenz zwischen Zinssatz und Inflationsrate. Dies ist ein weitaus geringerer Preis als der, den Sie im Notfall für mangelnde Liquidität zahlen würden.

Ihre finanzielle Sicherheit ist zu wichtig, um sie einer veralteten Faustregel oder kurzfristigen Zinsschwankungen zu überlassen. Beginnen Sie noch heute mit Ihrer persönlichen Risikobewertung und bauen Sie eine Reserve auf, die den Namen „Sicherheitsnetz“ wirklich verdient. Es ist der entscheidende Schritt zu echter finanzieller Souveränität und Gelassenheit.

Geschrieben von Stefanie Klein, Zertifizierte Finanzplanerin (CFP) und Honorarberaterin. Spezialisiert auf Altersvorsorge, Versicherungsanalysen und privaten Vermögensaufbau ohne Interessenkonflikte.