Finanzmittel aus Eigenkapital einbringen: Wie viel Erspartes senkt den Zinssatz wirklich um 0,5%?

Veröffentlicht am März 15, 2024

Der entscheidende Hebel zur Zinssenkung ist nicht die absolute Höhe Ihres Eigenkapitals, sondern das gezielte Überspringen interner Risikoschwellen der Banken.

  • Die 60%-Beleihungsgrenze ist der „heilige Gral“ für Top-Zinsen, da sie Banken die günstige Refinanzierung über Pfandbriefe ermöglicht.
  • Kleine Eigenkapitalbeträge unterhalb dieser Schwellen haben oft null Einfluss auf den Zins, während das Überwinden einer Grenze (z.B. von 81% auf 80% Beleihung) den Satz spürbar senkt.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich darauf, mit Ihrem Eigenkapital die nächstniedrigere Beleihungsgrenze (ideal 80% oder 60%) zu erreichen, anstatt Ihr gesamtes liquides Vermögen in die Finanzierung zu stecken.

Die Frage, die jeden Immobilienkäufer in Deutschland umtreibt, klingt simpel: Wie viel Eigenkapital brauche ich, um wirklich gute Zinskonditionen zu bekommen? Man hört von der 20-Prozent-Regel, liest von der Wichtigkeit der Kaufnebenkosten und versucht, eine magische Summe zu ermitteln, die den Zins um die erhofften 0,5 % drückt. Die meisten Ratgeber bleiben hier an der Oberfläche und wiederholen pauschale Empfehlungen. Sie sprechen über die Vorteile von mehr Eigenkapital, ohne die interne Mechanik der Banken zu beleuchten.

Was Ihr Berater Ihnen oft nicht explizit erklärt, ist die Logik hinter seinen Kalkulationstabellen. Die Bank denkt nicht in linearen Verbesserungen, sondern in Risikoklassen und Schwellenwerten. Ein paar tausend Euro mehr oder weniger machen oft gar keinen Unterschied. Der wahre Hebel liegt im Verständnis dieser internen „Zins-Klippen“ – den exakten Punkten im Beleihungsauslauf, an denen das Risiko für die Bank signifikant sinkt und sie bereit ist, Ihnen einen deutlich besseren Zinssatz anzubieten. Es geht weniger darum, wie viel Sie einsetzen, sondern wie strategisch Sie es platzieren.

Dieser Artikel öffnet die Tür zum Maschinenraum der Bankenfinanzierung. Wir werden die Standardratschläge hinter uns lassen und uns darauf konzentrieren, was wirklich zählt: die internen Kalkulationsraster und Risikogrenzen zu verstehen und für sich zu nutzen. Statt blind Erspartes zu investieren, lernen Sie, Ihr Eigenkapital als strategisches Werkzeug einzusetzen, um die bestmöglichen Konditionen zu erzielen, ohne Ihre finanzielle Flexibilität vollständig aufzugeben. Wir werden die entscheidenden Schwellenwerte aufdecken und Ihnen zeigen, wie Sie Ihr Vermögen so präsentieren, dass die Bank Ihre Bonität optimal bewertet.

In den folgenden Abschnitten analysieren wir Schritt für Schritt die entscheidenden Hebelpunkte Ihrer Finanzierung. Vom Verständnis der magischen 60%-Grenze bis hin zur cleveren Nutzung von Sicherheiten anstelle von Bargeld – dieser Leitfaden gibt Ihnen die Insider-Perspektive, die Sie benötigen, um auf Augenhöhe mit Ihrer Bank zu verhandeln.

Warum die 60%-Beleihungsgrenze der heilige Gral für Top-Konditionen ist

Hinter den Kulissen der Bankenfinanzierung gibt es eine magische Zahl, die über Top-Konditionen oder nur durchschnittliche Zinssätze entscheidet: die 60%-Beleihungsgrenze. Der Grund dafür ist kein Geheimnis der Bank, sondern fest im deutschen Recht verankert. Die interne Logik ist einfach: Kredite, die unterhalb dieser Schwelle liegen, sind für die Bank extrem sicher und günstig zu refinanzieren. Das liegt daran, dass laut § 14 des deutschen Pfandbriefgesetzes Hypotheken nur bis zu 60 Prozent des von der Bank ermittelten Beleihungswerts zur Deckung von Pfandbriefen genutzt werden dürfen. Pfandbriefe sind für Banken eine der sichersten und damit günstigsten Refinanzierungsquellen am Kapitalmarkt.

Indem Ihr Kredit „pfandbrief-fähig“ ist, kann die Bank ihn also im Paket mit anderen Top-Krediten bündeln und sich dafür sehr billig Geld leihen. Diesen Kostenvorteil gibt sie in Form eines exzellenten Zinssatzes an Sie weiter. Alles, was über diese 60 % hinausgeht, muss die Bank teurer refinanzieren, was sich direkt auf Ihren Zins auswirkt. Der Sprung von, sagen wir, 61 % auf 59 % Beleihung kann daher einen überproportional großen Zinssprung nach unten auslösen, der die eigentliche Finanzierungssumme kaum rechtfertigt. Eine Beispielrechnung zeigt, dass ein Käufer allein durch das Abdecken der Nebenkosten und das Erreichen einer besseren Beleihungsklasse 0,57 Prozentpunkte weniger zahlt, was über 10 Jahre eine Ersparnis von über 40.000 € bedeuten kann.

Detailaufnahme eines deutschen Einfamilienhauses mit symbolischer 60-Prozent-Markierung

Wie Sie auf der Darstellung sehen, teilt sich die Finanzierung symbolisch in einen goldenen, sicheren Bereich (bis 60 %) und einen kühleren, risikoreicheren Bereich darüber. Ihr Ziel als strategischer Kreditnehmer ist es, mit Ihrem Eigenkapitaleinsatz genau in diesen goldenen Bereich vorzudringen. Das Erreichen dieser Grenze ist oft der größte einzelne Hebel, den Sie zur Optimierung Ihrer Zinskonditionen haben. Es signalisiert der Bank minimales Risiko und maximale Refinanzierungsqualität.

Wie behalten Sie trotz Eigenkapitaleinsatz genügend Puffer für unvorhergesehene Ausgaben?

Der Gedanke, das gesamte Ersparte in die Immobilie zu stecken, um die 60%-Grenze zu knacken, löst bei vielen ein berechtigtes Unbehagen aus. Was ist mit dem kaputten Auto, der unvorhergesehenen Reparatur oder einfach nur dem Wunsch nach finanzieller Freiheit? Die gute Nachricht ist: Ein strategischer Eigenkapitaleinsatz bedeutet nicht, sich bis auf den letzten Cent auszuziehen. Es geht darum, „totes“ Kapital (im Stein gebunden) zu minimieren und „arbeitendes“ Kapital (liquide Reserven) zu erhalten. Als Bankberater sehe ich oft den Fehler, dass Kunden zwar einen guten Zins erzielen, aber danach keine finanzielle Pufferzone mehr besitzen.

Die erste Regel lautet: Die Kaufnebenkosten sind kein Verhandlungsspielraum. Sie müssen wissen, dass in Deutschland 10-15% des Kaufpreises als Nebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) anfallen. Diese sollten idealerweise immer aus Eigenkapital gedeckt werden. Darüber hinaus ist eine eiserne Reserve von drei bis sechs Netto-Monatsgehältern für unvorhergesehene private Ausgaben absolut tabu. Dieses Geld gehört nicht in die Finanzierung. Der Trick besteht darin, die Lücke zwischen den Nebenkosten und der gewünschten Beleihungsgrenze clever zu schließen, ohne die private Reserve anzutasten.

Eine hervorragende Möglichkeit hierfür sind staatliche Förderprogramme. Anstatt 50.000 € aus dem Ersparten für eine anstehende Modernisierung (z.B. neues Bad, neue Fenster) zu verwenden, können Sie diese über einen zinsgünstigen Förderkredit finanzieren. Dies schont Ihr liquides Eigenkapital, das Sie stattdessen in die Reduzierung des Hauptdarlehens stecken, um eine bessere Zinskondition zu erreichen. Die Modernisierungskosten werden so extern finanziert, während Ihr Eigenkapital den entscheidenden Hebel beim Zinssatz ansetzt.

Ihr Plan zur Sicherung der Liquidität: Punkte zur Überprüfung

  1. Liquiditätsbedarf ermitteln: Kalkulieren Sie die Kaufnebenkosten (ca. 10-15% des Kaufpreises) plus eine eiserne Reserve (3-6 Monatsgehälter). Diese Summe ist Ihr absolutes Minimum an Eigenkapital.
  2. Fördermittel als Eigenkapitalersatz prüfen: Recherchieren Sie KfW-Programme (z.B. für energieeffiziente Sanierung oder altersgerechten Umbau). Ein Förderdarlehen für Modernisierungen kann Eigenkapital für die Hauptfinanzierung freimachen.
  3. Tilgungsfreie Anlaufzeit aushandeln: Fragen Sie Ihre Bank nach einer tilgungsfreien Anlaufzeit (z.B. 1-2 Jahre). In dieser Zeit zahlen Sie nur Zinsen, was Ihre monatliche Belastung am Anfang stark reduziert und Ihnen Zeit gibt, neue Rücklagen zu bilden.
  4. Kreditstruktur anpassen: Erwägen Sie einen Bausparvertrag als Teil der Finanzierung. Dieser kann später einen teureren Kreditbaustein ablösen und bietet Planungssicherheit.
  5. Realistische Budgetierung: Planen Sie nach dem Kauf nicht nur die Kreditrate, sondern auch monatliche Rücklagen für Instandhaltung (ca. 1-2 € pro qm) ein, um den Puffer nicht wieder aufzubrauchen.

Bargeld oder Aktiendepot verpfänden: Was ist für die Bankenfinanzierung effektiver?

Wenn es darum geht, Eigenkapital nachzuweisen, denken die meisten Kunden an das Geld auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto. Doch aus Sicht eines strategisch denkenden Investors ist dies oft „totes Kapital“. Sobald es in die Finanzierung fließt, ist es im Immobilienwert gebunden und steht nicht mehr für andere Gelegenheiten zur Verfügung. Eine oft übersehene, aber sehr effektive Alternative ist die Verpfändung eines Wertpapierdepots. Dies ermöglicht es Ihnen, Ihr Kapital weiter für sich arbeiten zu lassen, während es gleichzeitig der Bank als Sicherheit dient.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Bewertung und der Flexibilität. Während Bargeld zu 100 % als Eigenkapital angerechnet wird, bewerten Banken ein Aktiendepot vorsichtiger. Aufgrund der Kursschwankungen setzen sie in der Regel einen Sicherheitsabschlag an und bewerten das Depot nur mit 50-60 % seines aktuellen Wertes. Ein Depot im Wert von 100.000 € zählt also wie 50.000 bis 60.000 € Eigenkapital. Der Vorteil: Sie müssen die Aktien nicht verkaufen und somit keine Abgeltungssteuer auf realisierte Gewinne zahlen. Ihr Depot bleibt investiert und kann potenziell weiter wachsen, während es gleichzeitig Ihren Zinssatz verbessert.

Makroaufnahme von Euroscheinen und verschwommenen Aktiencharts im Hintergrund

Die Entscheidung zwischen Bargeld und Depotverpfändung hängt von Ihrer persönlichen Strategie ab. Die folgende Gegenüberstellung verdeutlicht die zentralen Unterschiede aus Sicht der Bank und für Ihre persönliche Finanzplanung.

Vergleich: Bargeld vs. Depot als Eigenkapital
Kriterium Bargeld Aktiendepot verpfänden
Bewertung durch Bank 100% des Wertes 50-60% des Depotwertes
Steuerliche Auswirkung Keine Keine Abgeltungssteuer bei Verpfändung
Flexibilität Kapital gebunden Depot bleibt als Sicherheit bestehen
Zinsauswirkung Volle Zinsersparnis Reduzierte Zinsersparnis

Wie die Finanzberatung von Dr. Klein betont, sind die genauen Regelungen von Bank zu Bank unterschiedlich. Einige Institute sind offener für Depotverpfändungen als andere. Es ist daher unerlässlich, dies frühzeitig im Beratungsgespräch anzusprechen und die genauen Bewertungsmaßstäbe zu erfragen. Ein verpfändetes Depot kann ein exzellenter Kompromiss sein, um einen besseren Zins zu erhalten, ohne die langfristige Vermögensbildung zu stoppen.

Der Irrglaube vieler Kunden: Warum 5.000 € mehr Eigenkapital oft gar keinen Einfluss auf den Zins haben

Einer der hartnäckigsten Mythen in der Baufinanzierung ist der Glaube an eine lineare Verbesserung: „Je mehr Eigenkapital ich einbringe, desto besser wird mein Zins.“ In der Praxis ist das oft falsch. Ich erlebe es in Beratungsgesprächen regelmäßig: Ein Kunde hat mühsam weitere 5.000 € angespart und ist enttäuscht, als ich ihm mitteile, dass sich sein Zinssatz dadurch überhaupt nicht ändert. Der Grund liegt in den bereits erwähnten internen Risikoschwellen der Bank, den sogenannten „Zins-Klippen“.

Banken kalkulieren ihre Zinssätze nicht auf den Euro genau, sondern in Stufen, die an den Beleihungsauslauf gekoppelt sind. Typische Schwellen liegen bei 100 %, 90 %, 80 %, 70 % und der magischen 60 %-Grenze. Wenn Ihre Finanzierung beispielsweise einen Beleihungsauslauf von 87 % hat, befinden Sie sich in der Risikoklasse „bis 90 %“. Ob Sie nun mit 5.000 € mehr Eigenkapital auf 85 % kommen, ist für die Bank irrelevant – Sie bleiben in derselben Risikoklasse und erhalten denselben Zinssatz. Der Zins verbessert sich erst spürbar, wenn Sie mit Ihrem zusätzlichen Kapital die nächste Schwelle durchbrechen, also beispielsweise von 81 % auf 79 % Beleihung springen. Dann fallen Sie in die Risikoklasse „bis 80 %“ und profitieren von einem deutlich besseren Konditionsraster.

Diese sprunghafte Verbesserung ist der Kern des strategischen Eigenkapitaleinsatzes. Anstatt Ihr Geld gleichmäßig zu verteilen, sollten Sie es gezielt bündeln, um eine dieser Klippen zu überwinden. Eine Untersuchung von Interhyp zeigt, dass das Risiko für die Bank bei einem Eigenkapitalanteil von über 20 % (entspricht oft der 80 %-Beleihungsgrenze) als viel geringer eingestuft wird als bei einem Anteil von unter 10 %. Der Fokus muss also darauf liegen, diese psychologisch und kalkulatorisch wichtigen Marken zu erreichen.

Wie werten Sie Eigenleistung am Bau als fiktives Eigenkapital bei der Bank auf?

Die „Muskelhypothek“ – also die Anrechnung von Eigenleistungen am Bau als Eigenkapital – hat in Deutschland eine lange Tradition. Doch die Zeiten, in denen Banken pauschale Zusagen auf Basis eines Händedrucks machten, sind vorbei. Heute sind die Institute deutlich vorsichtiger geworden. Das liegt daran, dass der Wert von Eigenleistung schwer zu beziffern ist und Risiken birgt, etwa durch Verzögerungen oder mangelhafte Ausführung. Tatsächlich ist der Anteil der Eigenleistungen beim Hausbau laut einer LBS-Studie in den letzten Jahren von 20 % auf 13 % gesunken. Das bedeutet jedoch nicht, dass es unmöglich ist – es erfordert nur eine professionelle Herangehensweise.

Um Eigenleistung als fiktives Eigenkapital anrechnen zu lassen, müssen Sie der Bank beweisen, dass Sie die Arbeiten in professioneller Qualität und im geplanten Zeitrahmen erbringen können. Ein vager Hinweis wie „Ich helfe auf der Baustelle mit“ wird nicht akzeptiert. Sie benötigen eine detaillierte, fast unternehmerische Planung. Wenn Sie selbst Handwerker sind oder über nachweisbare Qualifikationen verfügen, haben Sie einen klaren Vorteil, da die Bank Ihre Fähigkeiten besser einschätzen kann. Aber auch als Laie können Sie mit einer sauberen Dokumentation punkten.

Die Banken setzen in der Regel eine Obergrenze für die anrechenbare Eigenleistung, oft bei maximal 10 % der Kreditsumme oder einem Betrag zwischen 10.000 und 30.000 €. Um diesen Wert anerkannt zu bekommen, sollten Sie die folgenden Schritte befolgen:

  1. Detaillierte Aufstellung der Gewerke: Listen Sie exakt auf, welche Arbeiten (z.B. Malerarbeiten, Bodenverlegung, Trockenbau) Sie selbst übernehmen wollen.
  2. Realistische Kalkulation: Holen Sie für diese Gewerke fiktive Angebote von Handwerksbetrieben ein. Die eingesparten Lohnkosten (nicht Materialkosten!) sind die Basis Ihrer Kalkulation.
  3. Qualifikationsnachweise: Legen Sie Zeugnisse, Zertifikate oder Fotos von früheren Projekten vor, die Ihre Fähigkeiten belegen.
  4. Helfer und Absicherung: Planen Sie, wer Ihnen hilft und schließen Sie zwingend eine Bauherrenhaftpflichtversicherung ab, die auch Ihre Helfer abdeckt. Dies ist für die Bank ein wichtiges Signal für Ihre Risikoplanung.
  5. Schriftliche Bestätigung: Lassen Sie sich die anerkannte Summe der Eigenleistung vor der Vertragsunterzeichnung schriftlich von der Bank bestätigen.

Zusatzsicherheiten oder Bürgschaften: Was akzeptieren Banken wirklich als Eigenkapitalersatz?

Neben der Muskelhypothek gibt es weitere Formen von „fiktivem Eigenkapital“, die Ihnen helfen können, die entscheidenden Beleihungsgrenzen zu erreichen, ohne weiteres Bargeld einzusetzen. Die Bank ist primär an Sicherheiten interessiert, die ihr Risiko minimieren. Verfügen Sie oder Ihre Familie über weitere Vermögenswerte, können diese eine entscheidende Rolle spielen. Allerdings akzeptiert die Bank nicht alles blindlings; jede Sicherheit wird einer genauen Prüfung und Bewertung unterzogen.

Die werthaltigste Zusatzsicherheit ist eine weitere, lastenfreie Immobilie. Diese kann als Sicherheit für den neuen Kredit dienen, was den Beleihungsauslauf der zu finanzierenden Immobilie drastisch senkt. Auch eine kapitalbildende Lebensversicherung mit einem hohen Rückkaufswert wird von vielen Banken akzeptiert. Weniger gern gesehen, aber dennoch möglich, ist eine selbstschuldnerische Bürgschaft, beispielsweise von den Eltern. Hierbei prüft die Bank die Bonität des Bürgen so genau wie die des eigentlichen Kreditnehmers. Der Bürge haftet mit seinem gesamten Vermögen, was ein erhebliches Risiko darstellt und gut überlegt sein sollte.

Eine besonders elegante Lösung, die oft übersehen wird, ist die strategische Nutzung von KfW-Förderdarlehen. Diese werden als nachrangige Darlehen ins Grundbuch eingetragen. Das bedeutet, Ihre Hauptbank sichert sich den ersten und damit sichersten Rang im Grundbuch. Da das Risiko für die Hauptbank durch diesen ersten Rang sinkt, ist sie oft bereit, Ihnen günstigere Zinskonditionen für ihr Darlehen zu gewähren. Effektiv ersetzen Sie einen Teil des Eigenkapitals durch ein zinsgünstiges Förderdarlehen und verbessern gleichzeitig die Konditionen für den Hauptkredit.

Akzeptanz von Sicherheiten bei deutschen Banken
Art der Sicherheit Akzeptanzgrad Bewertung
Lastenfreie Immobilie Sehr hoch Grundbucheintrag erforderlich
Lebensversicherung Hoch Rückkaufswert relevant
Selbstschuldnerische Bürgschaft Mittel Bonitätsprüfung des Bürgen
KfW-Förderdarlehen Variabel Nachrangige Grundbucheintragung

Wie listen Sie Assets und Liabilities auf, um Ihr wahres Net Worth zu sehen?

Bevor Sie in ein Bankgespräch gehen, müssen Sie Ihre finanzielle Situation so klar und strukturiert aufbereiten, wie die Bank sie sehen will. Eine unvollständige oder unübersichtliche Vermögensaufstellung erweckt den Eindruck mangelnder Vorbereitung und kann Ihre Verhandlungsposition schwächen. Es geht darum, eine „Selbstauskunft“ zu erstellen, die alle Ihre Vermögenswerte (Assets) und Verbindlichkeiten (Liabilities) transparent darstellt und so Ihr wahres Nettovermögen (Net Worth) aufzeigt. Dies ist Ihre finanzielle Visitenkarte.

Auf der Aktivseite (Assets) listen Sie alles auf, was einen Wert besitzt. Dazu gehören nicht nur Barguthaben auf Giro- und Sparkonten, sondern auch Bausparverträge, Festgeldkonten und Wertpapiere. Seien Sie hierbei realistisch: Die Bank wird bei Aktien und Fonds immer einen Sicherheitsabschlag von 30-40 % ansetzen, um Kursschwankungen abzufedern. Auch zukünftige, aber fest zugesagte Vermögenswerte wie Bonuszahlungen oder bereits notariell beurkundete Erbschaften können hier aufgeführt werden. Auf der Passivseite (Liabilities) müssen Sie lückenlos alle bestehenden Verbindlichkeiten erfassen, von Konsumkrediten über Autofinanzierungen bis hin zu Unterhaltsverpflichtungen.

Die Differenz aus Assets und Liabilities ergibt Ihr Nettovermögen. Doch für die Bank ist noch eine zweite Kennzahl entscheidend: Ihre Kapitaldienstfähigkeit. Das ist der monatliche Überschuss, der nach Abzug aller Lebenshaltungskosten und bestehenden Raten von Ihrem Nettoeinkommen übrig bleibt, um die neue Kreditrate zu bedienen. Eine saubere Aufstellung beider Aspekte – Vermögen und monatlicher Cashflow – ist die Grundlage für das Vertrauen der Bank.

  • Assets (Vermögenswerte): Bankguthaben (Giro, Tagesgeld), Bausparverträge, Wertpapiere (mit realistischem Bewertungsabschlag), Immobilienbesitz, werthaltige Lebensversicherungen, bestätigte Erbschaften/Schenkungen.
  • Liabilities (Verbindlichkeiten): Bestehende Kredite (Konsum, Auto), Leasingverträge, Unterhaltszahlungen, sonstige regelmäßige Verpflichtungen.
  • Kapitaldienstfähigkeit: Monatliches Nettoeinkommen abzüglich aller Fixkosten (Miete, Versicherungen, Lebenshaltung) und bestehender Raten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Zinssatz sinkt nicht linear mit mehr Eigenkapital, sondern sprunghaft beim Überschreiten von Risikoschwellen der Bank (z.B. 80% oder 60% Beleihung).
  • Die 60%-Beleihungsgrenze ist aufgrund des deutschen Pfandbriefgesetzes der wichtigste Hebel für absolute Top-Konditionen.
  • Nutzen Sie „fiktives Eigenkapital“ wie Förderdarlehen, Depotverpfändungen oder professionell dokumentierte Eigenleistung, um Schwellen zu erreichen, ohne Ihre Liquidität vollständig aufzugeben.

Ein solider Eigenkapitalanteil von 20%: Warum diese Schwelle bei deutschen Banken über Ihre Zusage entscheidet?

Die berühmte 20%-Eigenkapital-Regel ist mehr als nur eine Faustformel; sie ist eine der wichtigsten psychologischen und kalkulatorischen Grenzen für deutsche Banken. Ein Eigenkapitalanteil von 20 % bedeutet in der Regel, dass Sie die Kaufnebenkosten vollständig decken und der Beleihungsauslauf bei etwa 80 % des Kaufpreises liegt. Mit dem Erreichen dieser Schwelle signalisieren Sie der Bank vor allem eines: Sie sind kein Hochrisiko-Kunde mehr. Sie haben bewiesen, dass Sie in der Lage sind, zu sparen und Risiken selbst zu tragen. Für die Bank sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Kreditausfalls damit erheblich.

Finanzierungen mit weniger als 20 % Eigenkapital, insbesondere die sogenannten 110%-Finanzierungen, bei denen auch die Nebenkosten mitfinanziert werden, sind die absolute Ausnahme. Wie die CHECK24 Baufinanzierungsexperten betonen:

Ein Hauskauf gänzlich ohne Eigenkapital, bei der auch die Nebenkosten durch die Bank finanziert werden, ist nur für Personen mit sehr guter Bonität und hohem Einkommen möglich.

– CHECK24 Baufinanzierungsexperten, Eigenkapital beim Immobilienkauf

Dies bestätigt die interne Logik: Die Bank ist nur bereit, ein solch hohes Risiko einzugehen, wenn das Einkommen des Kreditnehmers so hoch ist, dass der Kredit auch bei unvorhergesehenen Ereignissen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bedient werden kann. Dies betrifft typischerweise junge Akademiker in sicheren Berufen wie Ärzte oder Beamte mit hohem und prognostizierbarem Einkommenswachstum. Für den durchschnittlichen Kreditnehmer ist die 20%-Marke daher nicht nur eine Empfehlung, sondern oft die entscheidende Hürde für eine Kreditzusage überhaupt. Die Sparkasse empfiehlt aus diesem Grund einen Eigenkapitalanteil von 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten als solide Basis.

Die 20%-Schwelle ist somit Ihr Eintrittsticket in die Welt der Standardfinanzierungen mit fairen Konditionen. Sie ist der Beweis Ihrer finanziellen Disziplin und der entscheidende Faktor, der über eine positive Entscheidung Ihrer Bank bestimmen kann.

Ihre Aufgabe ist es nun, diese Insider-Informationen zu nutzen. Analysieren Sie Ihre finanzielle Situation, identifizieren Sie die für Sie erreichbaren Schwellenwerte und bereiten Sie Ihr Gespräch mit der Bank strategisch vor. Fordern Sie eine transparente Darstellung der Zinsstaffelung in Abhängigkeit vom Beleihungsauslauf, um die Hebelwirkung Ihres Eigenkapitals schwarz auf weiß zu sehen und die beste Entscheidung für Ihre finanzielle Zukunft zu treffen.

Geschrieben von Claudia Bergmann, Bankfachwirtin und Expertin für Baufinanzierung mit 18 Jahren Erfahrung im deutschen Bankensektor. Spezialisiert auf komplexe Kreditstrukturen, KfW-Fördermittel und Bonitätsoptimierung bei der SCHUFA.